Globuli von A bis A

Absinthium Globuli

© PantherMedia / Thomas Francois

Das homöopathische Arzneimittel Absinthium Globuli wird aus der Tinktur der Wermutpflanze (Artemisia absinthium) hergestellt. Die in Europa heimische Pflanze hat eine ausgeprägte Wirkung auf die Verdauungsorgane und das Nervensystem. Viele der Einsatzgebiete der homöopathischen Arznei Absinthium leiten sich aus den giftigen Wirkungen des Wermut-Schnaps (Absinth) hervor. Zittern, Kopfschmerzen, Schwindelanfälle, Muskelkrämpfe und Bewußtlosigkeit gehören zu den Beschwerden, bei denen Absinthium Globuli neben anderen Arzneien hilfreich sein können.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Absinthium Globuli können angezeigt sein bei Menschen, die an Folgen von Alkoholmissbrauch, Schwindel, Zittern, nervöser Erregung und Schlaflosigkeit leiden. Konzentrationsstörungen und geistige Schwächezustände sowie Schwäche der Verdauungsorgane sind weitere Beschwerden, bei denen Absinthium eingesetzt werden kann.

Wo wirkt es?: Absinthium wirkt auf das Gehirn, die geistigen Funktionen, die Nerven, die Organe des Verdauungstraktes und den Schlaf.

In welchem Alter?: Absinthium Globuli können in jedem Lebensalter angewendet werden.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

  • Folgen langandauernden Alkoholmissbrauchs.
  • Nervöse Unruhe und Schlaflosigkeit bei Kindern von Alkoholikern.
  • Schwindelanfälle bis zur Ohnmacht.
  • Krampfartige und unwillkürliche Zuckungen, vor allem des Gesichtes.
  • Zittern, besonders der Hände.
  • Verdauungsschwäche, Übelkeit und Erbrechen.

Verbesserung: Durch Liegen mit tiefliegendem Kopf.

Verschlechterung: Durch Alkoholmissbrauch. Durch Aufstehen (Schwindel).

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Halluzinationen und schreckliche Visionen. Der Kranke kann entsetzt sein durch seine eigenen Vorstellungen. Verlust des Gedächtnisses. Der Kranke vergißt, was kürzlich passiert ist. Allgemeine Verwirrung. Will mit niemandem etwas zu tun haben. Aus der Vergiftung mit Absinth-Schnaps ist eine Steigerung der Aggressivität bekannt. Es kommt zu Brutalität, geistigem Stumpfsinn und wahnhaftem Verhalten. Delirium mit Halluzinationen und Bewußtlosigkeit. Eine andere Wirkung kann ein Gefühl von Besänftigung sein, als wenn man sich in einem wunderschönen Traum befände. Bei Kindern von Alkoholikern, die an Übererregtheit (Hyperaktivität) und nervöser Schlaflosigkeit leiden.[1][2]

Schwindel Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Schwindelanfälle mit Schwäche und Ohnmacht. Schwindel, mit der Tendenz, rückwärts zu fallen. Schwindel schlechter beim Aufstehen und Aufrichten. Der Kranke kann sich schwindelig fühlen, mit einem dumpfen Schmerz in der Stirne und auf dem Scheitel. Fällt plötzlich in Ohnmacht. Fällt bewußtlos zu Boden mit Schaum vor dem Mund.[1][2][3]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Ein Gefühl wie betrunken, der Kopf ist schwer. Dumpfer Hinterkopfschmerz. Liegen mit tief gelagerten Kopf bessert Schwindel und Kopfschmerzen.[1][2]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Krampfartiges (spasmodisches) Zucken der Gesichtsmuskeln. Unwillkürliches Grimassenschneiden. Das Gesicht kann bläulich (zyanotisch) verfärbt sein. Die Pupillen können durch Ungleichheit der Größe auffallen. Trübsichtigkeit. Schmerz und Jucken in den Augen. Die Augen sind gerötet und voller Tränen, die Lider geschwollen und schwer. Die Kiefer sind fest zusammengebissen. Ein Öffnen des Mundes ist nicht möglich wegen einer Kiefersperre. Der Kranke beißt sich auf die Zunge. Die Zunge zittert. Sie fühlt sich angeschwollen oder zu groß an. Die Zunge hängt aus dem Mund.[1][2]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Morgendliche Übelkeit und Erbrechen. Im Hals kann ein Kloßgefühl oder bei Halsentzündungen eine Empfindung wie verbrüht bestehen. Vom Magen kommt es zu Übelkeit, Würgen und Aufstossen. Beklemmung und Kältegefühl im Magen. Das Essen liegt schwer im Magen. Es besteht das Gefühl, der Magen könne nicht viel Nahrung aufnehmen. Der Bauch ist aufgetrieben, besonders um die Taille herum. Blähungkoliken.[1][2][3]

Harn- und Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Ständiger Harndrang kann bestehen. Der Urin ist von sehr starkem Geruch und dunkelgelb gefärbt. Auch eine tieforange Färbung sowie ein Geruch wie Pferdeurin können auf die Anwendung von Absinthium hinweisen. Abgang, auch unwillkürliche Absonderung von Samenflüssigkeit bei Schwäche der männlichen Genitalien.[1][2][3]

Brust- und Atmungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Empfindung wie von einem Gewicht auf der Brust.

Extremitäten Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Lähmungsartige (paralytische) Beschwerden. Epileptische Anfälle. Krämpfe im Kindesalter. Starkes Zittern (Tremor), besonders der Hände.[1][2][3]

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Nervöse Erregung und Schlaflosigkeit. Nächtliche Ruhelosigkeit mit beunruhigenden Träumen. Der kranke Mensch möchte mit dem Kopf tief liegen.

Fieber Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Im Fieber folgt auf anfänglichen Frost die Hitze, dann setzt der Schweiß ein. In allen Stadien des Fiebers besteht Durst. Der Kranke schläft während der Fieberhitze.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Chamomilla

Chamomilla (Kamille) – Überempfindlichkeit gegen Genußmittel, Kaffee und narkotische Substanzen kann in Krankheiten, die Chamomilla erfordern, angetroffen werden. Emotionale Reizbarkeit, Empfindlichkeit gegen alle Eindrücke. Folgen von Ärger und Zorn. Der Kranke kann reizbar, ärgerlich, streitsüchtig und äußerst schmerzempfindlich sein. Auch bei Chamomilla kann Alkohol stark verschlechtern. Folgen von Alkoholmissbrauch. Auch kann eine Abneigung gegen Alkohol bestehen. Kinder können in einer Krankheit unter Missgelauntheit, Weinerlichkeit und Unruhe leiden. Schlaflosigkeit bei Kindern, z.B. durch Angst, bei großer Müdigkeit oder während der Zahnung Die Kinder möchten in den Schlaf geschaukelt werden. Schläfrigkeit mit Stöhnen. Wimmern, Weinen und Auffahren im Schlaf. Dabei ängstliche und schreckliche Träume.[3][4]

Avena sativa

Avena sativa (Grüner Hafer) – Schlaflosigkeit. Auch nach Alkohol-, Tabak- oder Drogenmissbrauch. Schlaflosigkeit der Alkoholiker. Erschöpfung und Schlafstörungen nach erschöpfenden Krankheiten, schwerer Grippe etc. Nervöse Erschöpfung. Nervöses Zittern und Schwäche der Hände. Ein Mensch, der Avena sativa Globuli in seiner Krankheit benötigen kann, kann sich schwer auf irgendetwas konzentrieren. Er fühlt sich körperlich, sexuell und seelisch geschwächt. Benommen und stumpfsinnig.[3][5]

Hintergrundinformationen

Das homöopathische Arzneimittel Absinthium Globuli wird aus der Tinktur der Wermutpflanze (Artemisia absinthium) hergestellt. Die Pflanze ist in Europa heimisch und wird in Gärten kultiviert. In einigen Ländern, vor allem in Frankreich, wurde die Pflanze für die Herstellung eines Likörs, des Absinths, verwendet, welcher sehr schädliche Wirkungen haben konnte. Wermut ist ein ausdauernder Busch von 60 bis 100cm Höhe, der im Juni bis September kugelige gelbe Blüten trägt. Es besteht eine Verwechselungsgefahr mit der Heilpflanze Beifuß. Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Pflanze sind seine Bitterstoffe, daneben enthält er Gerbstoffe und ätherische Öle. Der Wermut trägt auch die volkstümlichen Namen Heilbitter, Magenkraut, Bitterer Beifuß oder Wurmkraut. In der Pflanzenheilkunde wird der sehr bittere Wermut-Tee als Mittel zur Anregung des Appetits und als Arznei bei Magen-, Darm-, und Gallenbeschwerden eingesetzt. Seine Anwendungsgebiete sind Verdauungsschwäche, Völlegefühl, Blähungen und mangelnde Produktion oder Absonderung von Gallensaft. Daneben wurde Wermut in der Volksheilkunde auch als Mittel gegen Würmer, bei Rheuma und krampfartigen Beschwerden während der Regelblutung empfohlen. Übermäßiger Genuß von Wermut ist wegen seiner starken Bitterkeit selten. Eine Überdosierung des Tees oder anderer nicht-homöopathischer Zubereitungen kann in der Schwangerschaft das Risiko von Fehlgeburten erhöhen. Im Wermut-Schnaps (Absinth) führen die ätherischen Öle zu einer giftigen Wirkung. Zittern, Kopfschmerzen, Schwindelanfälle, Muskelkrämpfe und Bewußtlosigkeit können die Folge der Vergiftung mit Absinth sein. ie Nachwirkungen des Konsums wurden in der homöopathischen Literatur als schwerwiegender beschrieben als die von Alkohol, Tabak und selbst Opium. Die Abhängigkeit von Absinth kann stärker sein als von anderen alkoholischen Getränken. Eine Anwendung bei bestimmten Arten von Krampfanfallsleiden (Epilepsie), schweren Lebererkrankungen und infektiösen Darmerkrankungen (Thyphus und Ruhr) ist ebenfalls in der Literatur dokumentiert.[2][6]