Globuli von R bis S

Raphanus sativus Globuli

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Das homöopathische Mittel Raphanus sativus stammt wird aus der frischen Wurzel des Gartenrettichs oder auch Schwarzrettich gewonnen. Der lateinische Name der einjährigen Pflanze lautet Raphanus sativus niger und sie gehört zu der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) .

Rettich wird seit Jahrhunderten in der Naturmedizin genutzt. Er enthält in hohem Maße Glukosinolat, dass die Passage der Nahrung durch den Magen-Darm-Trakt beschleunigt indem es Fette binden und so deren Aufnahme durch den Darm verringert. Auch die Anwendung von Rettich als Hustenmittel und zur Förderung der allgemeinen Durchblutung wird beschrieben.

Die Verwendung des homöopathische Mittels Raphanus sativus wird bei verschiedenen Magen-Darm-Beschwerden empfohlen. Insbesondere bei krampfartigen Durchfällen oder Verstopfung mit starken Blähungen, sowie bei Beschwerden die Steinleiden der Nieren, der Blase und der Galle ähneln wird das Mittel genutzt. Raphanus sativus findet auch Anwendung in der Reduzierung von Beschwerden, die nach operativen Eingriffen durch freies Gas im Bauchraum entstehen [1].

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Patienten für die Raphanus sativus geeignet sein könnte, leiden unter sich nicht lösenden und quälenden Krämpfen. Im Bereich des Magen-Darm-Traktes kommt es zu Blähungen (Meteorismus). Die Ursache dafür kann eine Verstopfung oder krampfartige Durchfälle sein. Aber auch Gas, das nach einem operativen Eingriff im Bauchraum verblieben ist kann diese Beschwerden verursachen.

Raphanus sativus findet auch Anwendung bei der Therapie von Beschwerden, die auf ein Steinleiden hinweisen. Dazu gehören Gallensteine sowie Nieren- oder Blasensteine. Der Patient leidet unter stärksten Schmerzen, die krampfartig auftreten.

Auch bei Patientinnen die unter langanhaltenden und verstärken Monatsblutungen leiden kann eine Behandlung mit Raphanus sativus hilfreich sein [2] [3].

Häufig haben die Betroffenen außerdem (und von den akuten Beschwerden unabhängig) eine zur Überproduktion von Fetten neigende Haut (Seborrhoe). Sie leiden unter verstärkter Bläschenbildung an der Mundschleimhaut,die nur schmerzhaft abheilt. Ein weiteres Charakteristikum der Patienten, die von einer Behandlung mit Raphanus sativus profitieren, ist ein anhaltendes Kältegefühl am Rücken und an den Armen. [4]

Wo wirkt es?: Ein Hauptangriffspunkt des Mittels Raphanus sativus ist der Magen-Darm-Trakt. Im Besonderen wirkt es dort bei krampfartigen Beschwerden (Spastiken). Trotz stärkster Krämpfe erfahren die Betroffenen keine Erleichterung der Beschwerden.

Daneben wirkt es gut bei Beschwerden der Leber und Gallenblase sowie der Nieren und Blase, die mit krampfartigen Beschwerden einhergehen. Diese Beschwerden ähneln in ihrem Auftreten einem Steinleiden, so dass das Mittel unterstützend auch bei diesen Diagnosen angewandt werden kann.
Ein weiterer Angriffspunkt des Mittels ist der weibliche Genitaltrakt. Dort kann es bei verstärkten und verlängerten Monatsblutungen die mit starken Krämpfen einhergehen angewandt werden [3].

In welchem Alter?: Raphanus sativus kann in jedem Lebensalter eingenommen werden. Auch die Einnahme des Mittels durch Schwangere und in der Stillzeit ist unbedenklich [4].

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Mittel Raphanus sativus findet seine hauptsächliche Anwendung im Bereich des Magen-Darm-Traktes und dort besonders bei krampfartigen Beschwerden.Es kommt bei den Betroffenen zu krampfartig auftretenden Schmerzen im gesamten Bauchraum. Häufig tritt eine Konzentration der Beschwerden im rechten Oberbauch unterhalb der Rippen ein. Dazu ist die Bauchdecke straff gespannt und klingt deshalb beim Ausklopfen wie eine Trommel (Tympanischer Klopfschall). Die Krämpfe werden von Durchfällen oder Verstopfung begleitet. In beiden Fällen verursachen Blähungen das Gefühl im Darm festzusitzen und weder noch oben (als Aufstoßen) noch nach unten (als echte Blähung) abgehen zu können.

Begleitend können ein Fremdkörpergefühl (Globus-Gefühl) in der Speiseröhre und eine verstärkte Speichelbildung (Hypersalivation) auftreten.

Zum Formenkreis der krampfartigen Beschwerden die mit Raphanus sativus behandelt werden können zählen außerdem auch Beschwerden die Steinleiden im Bereich der Niere, der Galle und der Blase ähneln. Auch hier kommt es zu krampfartigen stärksten Schmerzen, die plötzlich Auftreten und ebenso plötzlich wieder nachlassen.Die Patienten leiden unter stechenden Schmerzen im rechten Oberbauch (im Bereich der Leber) und im Bereich einer oder beider rückwärtigen Flanken (im Bereich der Nieren).

Ein weiteres Anwendungsgebiet des Mittels sind verlängerte und verstärkte Monatsblutungen bei Frauen. Diese treten typischerweise mit einer erhöhten Sensibilität der Genitalien auf [1] [2] [3] .

Verbesserung:

Verschlechterung:

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Patienten leiden unter einer scheinbar grundlosen Traurigkeit. Häufig geht dabei eine Abneigung gegen Kinder einher, bei weiblichen Patienten insbesondere gegen Mädchen [3] [4] .

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Betroffenen leiden unter generalisierten Kopfschmerzen, wobei das Gehirn scheinbar besonders empfindlich ist und sich fast wund anfühlt [4].

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Patienten die Raphanus benötigen zeigen häufig aufgequollene Unterlider des Auges (Ödeme) und leiden unter Nasensekret im hinteren Nasen-Rachen-Raum.Die Speiseröhre und der Rachen-Raum scheinen durch einen Fremdkörper verlegt zu sein (Globus Gefühl), der als ein „heißer Ball“ beschrieben wird. Dieser scheint aus dem Unterbauch aufzusteigen und in der Kehle stecken zu bleiben. Die Patienten empfinden dem entsprechend ein heißes Brennen im hinteren, unteren Rachen-Raum [3] [4].

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Patienten die von einer Behandlung mit Raphanus profitieren können, leiden unter massiven Blähungen, die im Darmtrakt festsitzen zu scheinen. Es gehen trotz starker Krämpfe keine Blähungen und kein Aufstoßen ab. Der gesamte Bauch ist straff aufgebläht und klingt hohl. Begleitend kann es zu Erbrechen und Durchfall oder Verstopfung kommen. Die Patienten verlieren ihren Appetit. Sie leiden unter zugreifenden Schmerzen im Bereich des Bauchnabels. Eventuelles Aufstoßen wird als heiß und scharf empfunden.Der Stuhl der Patienten kommt in großen Mengen und ist flüssig bis schaumig. Er geht mit Krampfen ab und hat eine normale Farbe. In einigen Fällen erbrechen die Patienten Stuhl ähnliches Sekret [3] [4].

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Betroffenen können einen dicklichen Urin aufweisen, der in der Konsistenz und Farbe Milch ähnelt. In einigen Fällen zeigt der Urin eine Hefe ähnliche Eintrübung oder sogar Sediment [4].

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Weiblich: Patientinnen, denen die Arznei helfen könnte, leiden häufig unter Irritationen der äußeren Geschlechtsorgane in Form von erhöhter Sensibilität und Reizbarkeit. Die Monatsblutung ist verlängert und verstärkt (Menorrhoe). In einigen Fällen lehnen die Patientinnen das eigene Geschlecht ab und auch Kinder werden ablehnend betrachtet. Es tritt ein gesteigerter Sexualtrieb auf, der bis zur Nymphomanie gesteigert sein kann [3] [4] .

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Momordica balsamina

Das Mittel Momordica balsamina findet seine Hauptanwendung bei zugreifenden, krampfartigen Schmerzen, die im Rücken ihren Ursprung haben und von dort in den linken Ober- bis Mittelbauch ziehen. Begleitend kommt es typischerweise zu einer Ansammlung von Blähungen in der linken Biegung (Flexur) des Dickdarms. Diese befindet sich etwas unterhalb des Magens im linken Mittelbach. Patienten, die von der Verwendung von Momordica balsamina profitieren, können diese Lokalisation der Schmerzen deutlich beschreiben. Der örtlich begrenzte Schmerz stellt eine wichtige Abgrenzung zum Mittel Raphanus sativus dar, das einen krampfartigen Schmerz im gesamten Bauchraum als typische Beschwerde aufweist [5] .

Carbo vegetalis

Patienten die Carbo vegetalis benötigen leiden unter einer Stagnation aller Lebensenergie. Ihre Haut fühlt sich kalt an und kann bläulich verfärbt sein, der Patient ist kraftlos, neigt zur Ohnmacht und möchte ständig Luft zu gefächelt bekommen. Er empfindet Kopf und Glieder als schwer und es kommt typischerweise zu eitrigen Absonderungen der Haut und Drüsen, die ein Brennen verursachen. Im Bereich des Magen-Darm-Trakts leidet der Patient ebenfalls unter der oben beschriebenen Stagnation, es kommt zu zusammenziehenden Schmerzen, die bis in die Brust reichen können. Der Magen fühlt sich schwer an und die gesamte Verdauung ist stark verlangsamt und schwerfällig [6].

Anacardium orientale

Das Mittel Anarcadium orientale wird besonders in der Behandlung von nervös bedingten Erkrankungen eingesetzt. Die Patienten leiden unter einem Unvermögen zu Verdauen, haben Gedächtnisschwierigkeiten und sind leicht irritierbar bei verminderter Wahrnehmung aller Sinneseindrücke. Im Rahmen des Magen-Darm-Trakts klagen die Patienten über ein leeres Gefühl im Magen und das Gefühl eines Stopfens, der die Magen-Darm-Passage verhindert. Typischerweise lindert eine Mahlzeit die Beschwerden für eine kurze Zeit [7] .

Argentum nitricum

Das Mittel Argentum nitricum hat als Hauptbeschwerden Symptome des Gehirns und der zentralen Nerven. Der Patient scheint vorzeitig gealtert zu sein und leidet unter wiederkehrenden Gleichgewichtsstörungen und Koordinationsschwierigkeiten. Dazu kommt es zu einer Irritation aller Schleimhäute, so dass die Augen gerötet und geschwollen sind, die Nasenschleimhäute gereizt sind und auch die Magenschleimhaut Beschwerden verursacht. Diese Beschwerden zeigen sich in Form von explosionsartigem Aufstoßen und einem schmerzhaften Anschwellen der Magengrube. Die Schmerzen strahlen vom Bereich des Magens in den gesamten Bauchraum aus. Typischerweise besteht bei den Argentum nitricum benötigenden Patienten ein großes Verlangen nach Süßigkeiten, sowie nach Salz und Käse [8] .

Hintergrundinformationen

Die Pflanze Raphanus sativus niger gehört zur Familie der Kreuzblütler und ist unter dem deutschen Namen Rettich ein beliebtes Gartengemüse. Liest man in botanischen Büchern über den Schwarzen Rettich, fällt auf, dass er seinen botanischen Namen Raphanus sativus mit dem Radieschen und dem Eiszapfen teilt. Es gibt aber einige Unterschiede in Geschmack und Konsistenz zwischen den genannten Unterarten.

Medizinischer Wirkstoff des Schwarzen Rettichs ist seine frische Wurzel. In der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache heißt der Schwarze Rettich „Raphani sativi radix“. Die schwarze Rettichwurzel enthält Glucosinolate, die Dosen können dabei bis zu 0,1% vom Frischgewicht erreichen. Durch Umwandlungsprozesse (enzymatische Spaltung) wird aus den Glucosinolaten Senföl. Außerdem enthält die schwarze Rettichwurzel ätherische Öle.

Die Rettich Pflanze breitete sich ungefähr 2000 Jahre v. Chr. von Asien nach Ägypten aus. Bereits 659 v. Chr. wurde der Rettich in der Materia medica der Tang Dynastie als verdauungsfördernd aufgeführt. Herodes (..) sagte über die ägyptischen Arbeiter die die Pyramiden errichteten, sie hätten von Zwiebeln, Knoblauch und Rettich gelebt, was heutzutage nur noch schwer vorstellbar ist. Wahrscheinlich ist dieser Satz als Gleichnis für die große Menge an billig verfügbarem Rettich als Grundnahrungsmittel zu dieser Zeit gedacht gewesen. In Ägypten wurde Rettich als Gemüse gekocht und war eine Quelle für pflanzliches Öl, das sowohl nach Griechenland als auch ins römische Reich in großer Menge exportiert wurde. Das Öl wurde als billige Alternative zum Olivenöl genutzt: Sowohl zum Kochen, als auch in der Hautpflege und als Brennstoff für Öllampen. Plinius beschrieb den Rettich als „etwa Kindskopf groß“ und als ein typisches Gemüse der Mittelmeerküche dieser Zeit [9] .

In Mitteleuropa fand der Rettich frühestens vom 9. Jahrhundert an Verbreitung und wurde in Klostergärten gezogen. Die Äbtissin und Naturforscherin Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) erwähnt die Pflanze bereits als „retich“. Im weiteren Verlauf des Mittelalters behält der Schwarze Rettich seine Popularität. Er erscheint in fast allen medizinischen Kräuterbüchern, so bei Otto Brunfeld (1532), Leonhart Fuchs (1543) und Hieronymus Bock (1532). Die heutigen Rettichformen wurden etwa im 16. Jahrhundert gezüchtet [10].

Heutzutage findet der Rettich in den Naturheilverfahren seine Anwendung. Dort wird er besonders im Bereich von Magen-Darm-Beschwerden genutzt. Die oben genannten Senföle regen die Bildung von Gallensaft an, der für die Zersetzung von in der Nahrung enthaltenem Fett wichtig ist. Somit hilft Rettich bei Verdauungsstörungen nach reichhaltigen Mahlzeiten oder bei Störungen der Gallenproduktion.

Wird der Rettichsirup (oder Rettichsaft) aus der Rübe extrahiert, so erhält man einen wirksame pflanzliche Arznei gegen Atemwegserkrankungen und bei hartnäckigem Husten.
Die oben beschrieben Wirkung des Rettichs wurde von der Kommission E des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bestätigt [11] .