Globuli von R bis S

Ruta Globuli

© PantherMedia / Tamara Kulikova

Ruta graveolens ist eine giftige Strauchpflanze aus Südwesteuropa und Nordamerika. Sie wird auch als Garten-, Wein- oder Augenraute bezeichnet. Das homöopathische Einzelmittel wird aus dem gewonnenen gepressten Extrakt des Krautes hergestellt.[1] Für die Wirkung als Verletzungsmittel sind als Inhaltsstoff die ätherischen Öle, Phenole, Methylketone und Terpene von hoher Bedeutung. Sie wirken leicht beruhigend (sedativ) und krampflösend (spasmolytisch).[2]

Ruta hat sich besonders bewährt bei Augenbeschwerden nach Überanstrengung durch Lesen kleiner Schrift oder nach Arbeiten am Computer mit künstlichem Licht. Charakteristisch sind dann die brennenden und geröteten Augen. Auch bei rheumatischen Beschwerden kommt die stark duftende Weinraute als homöopathisches Mittel zum Einsatz wie zum Beispiel bei Verrenkungen, Verstauchungen, Prellungen, Muskel- und Kreuzschmerzen nach Überanstrengung oder Knochenhaut- und Schleimbeutelentzündungen. Die Beschwerden gehen mit einem großen Zerschlagenheitsgefühl der Glieder und einer Schwäche der Gelenke einher.[3]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Ruta graveolens ist das richtige Mittel für Menschen, die viel am Computer sitzen und arbeiten, viel Lesen, Schreiben oder Lernen und aufgrund dessen Augenprobleme bekommen. Die Augen sind überanstrengt, brennen und sind gerötet. Die Beschwerden werden häufig begleitet von Kopfschmerzen und Nackenverspannungen. Eine Pause mit etwas Bewegung und einem anderen Blickfeld tut ihnen gut.
Muskel- und Knochenschmerzen, die nach einem Aufprall oder Sturz auftreten gehören genauso zum Einsatzgebiet von Ruta, wie die Folgen von Quetschungen nach einem Schlag oder Fall auf die Extremitäten. Ein schmerzhafter Sitzbeinknochen als Folge von Ausritten oder Radfahren, kann durch die Einnahme von Ruta schnell besser werden. Die Patienten haben allgemein eine Erleichterung ihrer Schmerzen, in dem sie sich bewegen.
Bei Frauen kann es nach der Entbindung zu einem Mastdarmvorfall (Prolaps) kommen, ebenso bei bückenden Menschen oder nach großer Anstrengung während des häufig erfolglosen Stuhlgangs.
Das Gemüt der Patienten, die Ruta graveolens benötigen, ist weinerlich und unzufrieden, innerlich angespannt und nervös. Sie leiden unter einer großen Schwäche und einem Zerschlagenheitsgefühl.[4]

Wo wirkt es?: Ruta graveolens hat eine positive Wirkung auf die Augen, Knochen, Knorpel, Sehnen und Gelenke. Es ist häufig dann indiziert, wenn eine Verletzung schon Tage oder länger zurückliegt. Es ist das Hauptmittel bei Quetschungen, Prellungen und Verletzungen der Knochen und hat eine besondere Affinität zu den Bindegeweben. Ruta kann den Heilungsprozess von Brüchen (Frakturen) beschleunigen. Auch bei rektalen Beschwerden wie beim Heraus- oder Hervordrängen des Enddarms (Prolaps) während des Stuhlgangs, bei gutartigen Wucherungen der Dickdarmschleimhaut (Polypen) und gestörtem Stuhlgang kann die Einnahme von Ruta angezeigt sein. Das Mittel lindert außerdem das große Schwächegefühl und der Patient wird ruhiger, zufriedener und entspannter und ist nicht mehr so missmutig, bedrückt oder zornig.[5]

In welchem Alter?: Ruta graveolens kann in jedem Lebensalter angewendet werden.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Patienten, bei denen das homöopathische Mittel Ruta graveolens angezeigt ist, zeigen folgende Leitsymptome:

  • Schmerzen fühlen sich wund, geprellt und wie zerschlagen an. Hinzu kommt eine große Unruhe und Erschöpfung. Ein Gefühl von Mattigkeit, Lahmheit und Verzweiflung.
  • Augenbeschwerden mit heißen, brennenden und roten Augen durch Überanstrengung. Die Patienten können nur noch verschwommen Sehen. Die Beschwerden werden oft begleitet von Kopf- und Nackenschmerzen.
  • Verrenkungen und Verstauchungen mit schmerzhafter Mattigkeit und Lahmheit der Beine bis zur Hüfte. Der Patient kann kaum aufstehen.
  • Sehnenschmerzen und Sehnenzerrungen (Tennisellenbogen)
  • Prellungen, Quetschungen und Verletzungen der Knochen und der Knochenhaut (Periost)
  • Lähmungsartige Steifheit nach Verstauchung, besonders im Handgelenk und Knöchel
  • Verschiedene rektale Beschwerden wie ein Enddarmvorfall sofort beim Beginn des Stuhlgangs oder nach übermäßiger Anstrengung und bei Frauen nach der Entbindung. Der Stuhlgang ist gestört mit Schmerzen vor und danach. Bei älteren Menschen kommt es zur Verstopfung (Obstipation) nach Medikamentenmissbrauch (Abusus).

Verbesserung: Bewegung 

Verschlechterung: Kalte Anwendungen, Ruhe und kaltes feuchtes Wetter verschlechtern die Symptome. 

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Patienten sind weinerlich, unzufrieden, innerlich angespannt und nervös. Sie sind den ganzen Tag über ärgerlich und sehr misstrauisch, besonders dann, wenn etwas nicht nach ihrem Willem geschieht. Sie glauben immer, dass sie von anderen Menschen hintergangen werden und trauen selbst ihren besten Freunden nicht. Zudem besteht auch eine große Neigung zum Streiten und Widersprechen.Sie leiden tagsüber unter Gewissensängsten und Befürchtungen, als ob sie etwas Böses getan hätten. Mutlose Gedanken quälen sie.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Patienten leiden unter Bindehautentzündungen mit geröteten und entzündeten Augen. Die Augen schmerzen, brennen, jucken und tränen stark. Sie fühlen sich wie heiße Feuerbälle an. Als Auslöser der Beschwerden wird eine Überanstrengung der Augen durch langes Lesen bei schlechtem Licht oder durch viel arbeiten am Computer vermutet. Sie können nur trüb und verschwommen sehen, als wäre ein Schatten vor dem Auge. Hinzu kommen Kopfschmerzen durch Überanstrengung und Lidkrämpfe. Die Kopfschmerzen fühlen sich so an, als würde ein Nagel in den Kopf getrieben werden. Es sind stechende Schmerzen, die sich beim Lesen verschlimmern.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Augen und das Gesicht sind gerötet und die Pupillen sind verengt.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es besteht ein Schwächegefühl in der Brust, das mit Kurzatmigkeit und Auswurf von dickem gelben Schleim einhergeht.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es kommt zu einer plötzlichen Übelkeit beim Essen mit anschließendem Erbrechen. Durch schweres Tragen kommt es zu einer Zerrung im Abdomen mit nachfolgenden Verdauungsproblemen. Rektale Beschwerden durch Verstopfung (Obstipation) aufgrund von Inaktivität des Darms oder Kotstauung nach mechanischen Verletzungen. Es besteht Stuhldrang, aber bei dem Versuch der Entleerung kommt es sofort zu einem Mastdarmvorfall (Prolaps). Der Mastdarm tritt auch beim schon leichten Bücken heraus und Frauen leiden nach der Entbindung bei jedem weichen oder harten Stuhlgang unter dem Problem.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Blase drückt als wäre sie gefüllt, auch noch nach dem Wasserlassen. Es kann ein starker und steter Harndrang bestehen mit einer schwierigen Entleerung oder mit unwillkürlichem Wasserlassen. Besonders nach dem Zurückhalten des Urins, kann dieser anschließend nicht mehr gelassen werden, was wiederum zu starken Schmerzen führt.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Menstruation ist unregelmäßig oder bleibt aus. Nach der Menstruation leiden die Frauen oft unter einem ätzenden Ausfluss.

Bewegunsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Heftige Schmerzen im Bereich des Ellenbogengelenks werden ausgelöst durch einseitige Belastungen (Tennisarm). Es bestehen große Schmerzen mit einer auffallenden Schwäche in den betroffenen Gelenken. Trotzdem möchte der Ruta Kranke das Gelenk ständig bewegen. Insgesamt besteht ein Zerschlagenheitsgefühl und alle Körperstellen schmerzen besonders im Ruhezustand. Es ist schwer, beim Liegen eine geeignete Position zu finden, da selbst das weiche Bett ein Zerschlagenheitsgefühl der Muskeln und Gelenke nicht bessert. Die Sehnen fühlen sich verkürzt an, sind sehr empfindlich und schmerzen. Eine Sehnenzerrung stellt sich gerne nach einseitiger Belastung des Handgelenkes ein. Morgens fühlen sich das Kreuz und die Hüften geschwächt und wie zerschlagen an. Rückenschmerzen und Kreuzschmerzen bessern sich, wenn sich der Patient auf den schmerzhaften Rücken legt oder Druck auf die betroffene Stelle ausübt. Nach Verstauchung des Rückens kommt es begleitend zu einer lähmungsartigen Schwäche in den Beinen.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Auf dem Handteller befinden sich flache, glatte und schmerzhafte Warzen oder auch Knoten und Schwielen wie bei Handwerkern. Die Haut wird schnell wund beim Gehen oder Reiten.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Fieber wird begleitet von einer glühenden Hitze im Gesicht und auf der Haut.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Patienten, die Ruta benötigen, wachen in der Nacht mehrmals auf. Sie haben lebhafte und verworrene Träume

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Arnica

Arnica (auch Arnica montana), der Bergwohlverleih, gehört zur Familie der Korbblütler und ist das homöopathische Mittel der Wahl bei Verletzungen infolge von Quetschungen und Prellungen. Ruta beschleunigt den Heilungsvorgang und ist nach Arnica bei Verletzungen der Gelenke angezeigt. Der Schmerzcharakter beider Mittel wird als Zerschlagenheitsschmerz beschrieben. Während bei Arnica hauptsächlich ein Sturz, Schlag oder Prellung ursächlich für die Beschwerden sind, entstehen die Symptome bei Ruta durch Überlastung oder Überanstrengung. Augenbeschwerden werden bei Ruta durch Überanstrengung und bei Arnica durch Zugluft ausgelöst.

Phytolacca

Phytolacca, die Kermesbeere, ist in erster Linie ein Mittel bei Entzündungen der Mandeln, Brustdrüsen oder Gelenkentzündungen, die mit einer Rötung und Hitzegefühl einhergehen. Bei Ruta hingegen kommt es zu Entzündungen der Knochenhaut und Sehnen sowie der Augen.

Rhus toxicodendron

Rhus toxicodendron, ein Giftsumachgewächs, und Ruta sind homöopathische Mittel, die bei Verletzungen infolge von Überanstrengung oder Zerrung Anwendung finden. Bei beiden Mitteln verschlimmern sich die Beschwerden in feuchter Kälte und verbessern sich bei Bewegung und Wärme. Auch wirken beide Mittel bei körperlicher Unruhe. Während die Stimmung bei Ruta eher missmutig und unruhig ist, erscheint sie bei Rhus toxicodendron eher ängstlich und unruhig. Der Ruta Kranke verlangt nach eiskaltem Wasser, ein Rhus toxichodendron Kranker bevorzugt warme Getränke.

Symphytum

Symphytum, der Beinwell, hat ebenso wie Ruta einen Bezug zur Knochenhaut und zu den Augen. Die Beschwerden entstehen bei Symphytum jedoch eher durch Prellungen als durch Überanstrengung. Auch verschlimmern sich die Beschwerden durch die kleinste Bewegung, während Bewegung Ruta gut tut und die Schmerzen lindert.

Hintergrundinformationen

Ruta graveolens wird auch Gartenraute, Weinraute oder Augenraute genannt und gehört zur Familie der Rautengewächse (Rutaceae). Es ist eine giftige, verholzende Strauchpflanze aus Südwesteuropa und Nordafrika und wächst bis 50 cm hoch. In unseren Gefilden wird die Heilpflanze im Kräutergarten angepflanzt und verwildert ab und zu in Felssteppen, Kiesgruben oder alten Mauern. Beim Pflücken der giftigen Pflanze kann es bei hautempfindlichen Menschen zu starkem Juckreiz oder Hautentzündungen kommen. Die Heilpflanze ist eine graugrüne, verästelte Staude mit starren Stängeln. Sie hat kleine Blätter und kleine, grüngelbe Blüten mit vier Blütenblättern.

Die Blütezeit der Weinraute beginnt ab dem Monat Juni. Der Duft ist sehr stark, herb und scharf. Die Weinraute war schon im Altertum eine außergewöhnliche Heilpflanze und wurde in Zeiten der Pestkrankheit zum Schutz gegen Ansteckung eingesetzt. Im Mittelalter trugen die Menschen einen Zweig der Weinraute in ihrer Kleidung, weil der besonders starke Geruch Läuse und Flöhe fernhält. Auch Schlangen, Marder, Ratten und Katzen meiden den Geruch von Ruta graveolens. Im 8. Jahrhundert gehörte Ruta graveolens unter Karl dem Großen zu den 20 beliebtesten Heilkräutern und wurde zum Anbau in Klöstern empfohlen. Paracelsus war von der Pflanze als milchbildendes Mittel überzeugt und Hildegart von Bingen setzte das Heilmittel bei Sehschwäche ein. Der Pfarrer Kneipp empfahl die Weinraute zur Behandlung von Schwindel, Blutandrang zum Kopf und Epilepsie.