Globuli von J bis L

Kalium bichromicum Globuli

© panthermedia.net / Vinod Kumar Pillai

Kalium bichromicum oder auch Kaliumdichromat ist das Salz der Dichromsäure und wird unter Zufuhr von Luft aus verschiedenen chemischen Verbindungen wie Chromeisenstein gewonnen.

Dabei bildet es dunkelrote Kristalle, die luftbeständig, aber wasserlöslich sind. Früher wurde es zur Herstellung von Wandmalfarben und auch in Gerbereien verwendet, was bei den Gerbern und Arbeitern zu Entzündungen der Atemwege mit zäher Schleimabsonderung, Entzündungen und Geschwüren im Magen-Darm-Trakt, Gelenkschmerzen, und entzündlichen Augenerkrankungen sowie auch zu Kopfschmerzen führte. Diese Vergiftungserscheinungen durch Kalium bichromicum führten den englischen Arzt Dr. J. Drysdale dazu, diese Substanz als homöopathisches Heilmittel zu prüfen und bei den genannten Beschwerden mit Erfolg einzusetzen.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Kalium bichromicum eignet sich vor allem für Patienten, die eine Neigung zu Übergewicht haben und zudem ein schlaffes Bindegewebe besitzen. Ihr Teint ist blassgelb und ihr Aussehen erweckt den Anschein, als seien sie krank. Ihre Haut ist trocken und rissig und zeigt kleine, linsenförmige, dunkelrote bis violette Flecken. Sie zeigen zudem eine rasche Ermüdbarkeit und machen einen kraftlosen und niedergeschlagenen Eindruck.

Eine sehr charakteristische Heilanzeige (Indikation) für Kalium bichromicum sind entzündliche Schleimhautveränderungen, die mit dickflüssigen, klebrigen und daher fadenziehenden Schleimabsonderungen einhergehen. Diese können sowohl in den Atemwegen, im Verdauungstrakt als auch in den weiblichen Geschlechtsorganen lokalisiert sein.

Daher wird es als bewährtes Mittel bei chronischem Schnupfen (Rhinitis), einer Mittelohrentzündung, einer akuten oder chronischen Bronchitis, bei Asthma, einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) oder auch bei Keuchhusten eingesetzt. Ist der Magen-Darm-Trakt betroffen, so wird es bei dyspeptischen Beschwerden, einem Symptomkomplex aus Übelkeit, Erbrechen, Sodbrennen und Völlegefühl, oder auch bei Magen- und Dünndarmgeschwüren (Ulcus ventriculi und Ulcus duodeni) und Entzündungen von Magen (Gastritis) und Darm (Enteritis) verordnet. Bei weiblichen Patienten kommt es zu zähem Ausfluss sowie ständigem Juckreiz und Schwellungen der Schamlippen und auch hier kann Kalium bichromicum zu einer Heilung der Beschwerden führen.

Darüber hinaus kann es auch bei Kopfschmerzen, Migräneattacken oder entzündlichen Augenerkrankungen, wie einer Entzündung der Regenbogenhaut (Iritis) oder der Lederhaut (Skleritis) eingesetzt werden.

Ferner kann es auch bei rheumatisch bedingten Schmerzen im Bereich von Gelenken und Knochenhaut (Periost) angezeigt (indiziert) sein, wobei das Wort „rheumatisch“ Schmerzzustände im Bereich von Stütz- und Bewegungsapparat beschreibt, die im Verlauf der Erkrankung typischerweise mit Funktionseinschränkungen der betroffenen Körperpartie einhergehen.

Zuletzt sei erwähnt, dass es auch bei Hautausschlägen und Akne, die durch mit Eiter gefüllten Bläschen (Pusteln) und brennende Schmerzen gekennzeichnet sind, eingesetzt werden kann.

Wo wirkt es?: Kalium bichromicum wirkt sich vor allem positiv auf die Schleimhäute aus, weshalb es auch bei einer Vielzahl entzündlich bedingter Schleimhauterkrankungen zum Einsatz kommt. Diese können die Atmungsorgane, angefangen bei Nase und Nasennebenhöhlen und endend in der Lunge, den Magen-Darm-Trakt oder auch die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane wie die Schamlippen betreffen. Daneben entfaltet es seine heilende Wirkung auch auf der Haut, den Gelenken, der Knochenhaut sowie an den Augen.

In welchem Alter?: Prinzipiell kann Kalium bichromicum in jedem Alter verordnet werden, allerdings unterscheiden sich die Heilanzeigen entsprechend der jeweiligen Altersklasse.

Bei Kindern wird es vorwiegend zur Behandlung einer Mittelohrentzündung mit Ohrenschmerzen, Schnupfen und einer Nasennebenhöhlenentzündung eingesetzt. Bei Erwachsenen ist die Liste der Erkrankungen, bei denen dieses Mittel verordnet werden kann länger. So kann es bei Erkrankungen des Verdauungstrakts, der Atemwege oder auch von Haut und Augen eingesetzt werden. Allerdings wird es auch bei Erwachsenen vor allem bei Nasennebenhöhlenentzündungen, Kopfschmerzen, Migräne und Erkältungskrankheiten verordnet.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Kalium bichromicum-Patient leidet unter einer Reihe von charakteristischen Symptomen und die folgende Auflistung soll einen Überblick über diese verschaffen.

  • Bei einer akuten Bronchitis ist der Husten typischerweise plötzlich auftretend und begleitet von Pfeif- und Rasselgeräuschen. Das Abhusten ist sehr mühselig, ermüdend und wenn Auswurf zutage kommt, ist es zäher, gelblicher und faseriger Schleim.
  • Der Patient leidet unter chronischem Schnupfen und gleichzeitig besteht ein drückender Schmerz im Bereich der Nasenwurzel. Im Naseninnern kommt es zu deutlicher Krustenbildung, die sich selbst durch sorgfältige Entfernung nicht zu bessern scheint. Die Krusten sind hart und blutig und erzeugen ein beengendes Gefühl in der Nase. Der Schnupfen selbst ist klebrig, gummiartig und außerordentlich reichlich. Das Ausschneuzen fällt dem Betroffenen dadurch sehr schwer.
  • Chronischer Husten, hervorgerufen durch einen unablässigen Kitzelreiz im Bereich des Kehlkopfes, plagen den Patienten und er ist begleitet von sehr zähem Auswurf. Es kann auch zu wiederholter Atemnot kommen, während derer der Patient sehr unruhig und ängstlich wird.
  • Leidet der Patient unter Asthma, so sind die Beschwerden vor allem zwischen 3:00 bis 4:00 Uhr morgens sehr stark ausgeprägt. Eine Linderung erzielt der Patient durch Aufrichten, Vornüberbeugen und durch Abhusten von zähem Sekret.
  • Kinder mit einer Mittelohrentzündung sind geplagt von starken und stechendenOhrenscherzen. Sie hören schlechter auf dem betroffenen Ohr und auch Fieber und Schwindel können hinzukommen. Aus dem Ohr entleert sich typischerweise ein stark stinkendes, zähflüssiges Sekret.
  • Die Kopfschmerzen treten auf beiden Seiten des Kopfes auf und sind vor allem oberhalb der Augen besonders stark ausgeprägt. Oft treten sie gleichzeitig mit einer Magenverstimmung oder Magenschmerzen auf und können bei Schmerzbeginn mit einer Sehverschlechterung einhergehen, die aber am Höhepunkt des Schmerzanfalls wieder verschwindet.
  • Ein unter Migräne leidender Patient ist auch von Sehstörungen geplagt, welche typischerweise vor den Kopfschmerzen auftreten. Der Migränekopfschmerz ist charakteristischerweise an genau einer Stelle lokalisiert und wandert während einer Attacke nicht.
  • Der Patient empfindet heftigste Schmerzen im betroffenen Auge. Eine entzündlich bedingte Rötung des Auges und auch eine Lichtscheu sind typischerweise nicht zu beobachten. Allerdings ist das Auge sehr feucht gibt unablässig fadenziehenden Schleim ab.
  • Unterhalb der Augen verspürt der Patient heftigste und bohrende Schmerzen, die durch Vornüberbeugen verschlimmert werden. Häufig sind diese auch begleitet von starken Kopfschmerzen.
  • Vor allem nach dem Konsum von scharfen Speisen, übermäßig viel Essen, Kaffee oder malzhaltigen Getränken wie Bier muss der Patient häufig aufstoßen, manchmal auch erbrechen und er verspürt brennende Schmerzen hinter dem Brustbein (Sternum) oder in der Magengegend. Paradoxerweise hat der Patient ein stetiges Verlangen nach Bier, obgleich es ihm die genannten Beschwerden bereitet.
  • Sowohl Durchfall (Diarrhoe) als auch Verstopfung (Obstipation) können den Patienten plagen. Hat der Patient Durchfall, so sind die Stühle typischerweise braun, schaum- oder geleeartig und auch blutig. Zudem verspürt der Patient einen schmerzhaften Stuhldrang(Tenesmen). Leidet der Patient unter Verstopfung, so wechselt sich diese mit Phasen normalen Stuhlganges ab, kommt aber in definierten Abständen immer wieder. Die Phasen der Verstopfung sind vergesellschaftet mit einer Braunfärbung des Urins sowie Schmerzen in der Nierengegend.
  • Die Regelblutung stellt sich zu früh ein, erscheint unregelmäßig und ist von Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindelgefühlen begleitet. Während und zwischen den Blutungen kommt es zu klebrigem, zähem und fadenziehendem Ausfluss, welcher manchmal auch eitrig erscheinen kann. Die Patientin ist zudem von einem ständigen Juckreiz im Bereich der Schamlippen geplagt, welche geschwollen und rot erscheinen.
  • Schmerzen in den Gelenken oder der Knochen sind typischerweise von wandernder Art und sie wechseln ständig von einer auf die andere Seite. Sie kommen und gehen sehr plötzlich und verschlimmern sich unter dem Einfluss von Kälte.

Verbesserung: Der Zustand des Kalium bichromicum-Patienten verbessert sich durch Wärme, an der frischen Luft, Magenschmerzen besser durch Essen, durch Vornüberbeugen und auch tagsüber. Kopfschmerzen und Schnupfen besser von reichlicher Absonderung des Sekretes.

Verschlechterung: Der Kalium bichromicum-Patient fühlt sich schlechter, sobald er sich hinlegt und durch Kälte. Auch nach dem Geschlechtsverkehr sowie nach dem Konsum von Kaffee oder Bier verschlechtert sich sein Zustand deutlich. Magenschmerzen durch heißes Wetter ausgelöst oder verschlimmert. Nachts zwischen 3:00 Uhr und 5:00 Uhr : Asthma, Atemwegsbeschwerden.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Kopfschmerzen treten häufig in Zusammenhang mit einer Magenverstimmung auf und sind vor allem oberhalb der Augen sehr stark ausgeprägt. Sie kehren immer wieder und können zu Beginn des Schmerzgeschehens mit einer Sehverschlechterung einhergehen, die aber beim Erreichen des Schmerz-Höhepunktes wider versiegt. Sie lösen typischerweise ein Gefühl von Druck und Schwere aus und können bis in die Schultern ausstrahlen.

Auch im Rahmen einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) kann es zu bohrenden Kopfschmerzen kommen, die dann aber charakteristischerweise unterhalb der Augen am stärksten ausgeprägt sind. Dieser Bereich ist zudem sehr empfindlich gegenüber Berührungen und die Schmerzen werden durch Vornüberbeugen verschlimmert.

Kinder, die unter einer Mittelohrentzündung leiden haben starke und stechende Ohrenschmerzen und sind sehr weinerlich.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Eine entzündliche Augenerkrankung geht mit stechenden Schmerzen und starker,schleimiger Augensekretion einher. Das Auge ist typischerweise nicht gerötet und der Patient ist auch nicht lichtscheu, wie es für viele andere Augenerkrankungen typisch ist.

Die Nase ist stetig verstopft und die blutigen Krusten, welche die Nasenatmung erschweren lassen sich durch Entfernen nicht unterbinden, sie bilden sich sogleich wieder neu. Zwischen den Augen, im Bereich der Nasenwurzel verspürt der Patient ein unangenehmes Druckgefühlund das Nasensekret ist zäh, von üblem Geruch und manchmal auch blutig.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Husten bei einer akuten Bronchitis wird durch einen stetigen Kitzelreiz im Bereich des Kehlkopfes ausgelöst. Das Abhusten ist sehr schwer, da der Schleim sehr zäh und fest haftend ist. Kommt es doch zum Auswurf, so ist er fadenziehend und von gelblicher Farbe. Manchmal ist das Abhusten aber auch derart mühselig, dass es in Erbrechen übergeht. Insgesamt ist der Patient durch die stetigen aber erschwerten Versuche, Schleim und Sekret von sich zu geben, sehr erschöpft.

Der chronische Husten ist gekennzeichnet durch die reichliche Absonderung eines zähen Schleims. Er wird von einem ständigen Kitzelgefühl in der Kehle begleitet und ist manchmal so stark, dass der Patient Atemnot verspürt. Ist letzteres der Fall, so ist der Patient sehr unruhig, ängstlich und kann nicht ruhig im Bett liegen.

Asthmaanfälle kommen plötzlich und gehen mit einem Gefühl der Atemnot einher. Zunächst ist der Husten noch leicht, wird aber im Verlauf der Attacke immer schwerer und anstrengender für den Patienten. Eine Verschlimmerung der Beschwerden tritt vor allem nach zwischen 3:00 und 5:00 Uhr morgens (nach Mitternacht) ein und eine Linderung tritt dann durch Aufrichten, Vornüberbeugen sowie durch Abhusten ein.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Magenschmerzen werden durch das Essen kleiner Portionen verbessert, scharfe Speisen, ein hoher Fettgehalt und auch eine zu große Menge verschlimmern sie jedoch. Gleichzeitig verspürt der Patient ein ständiges Verlangen nach Bier, welches die Beschwerden zusammen mit Kaffe jedoch verschlechtert. Auch Völlegefühl und Erbrechen können eintreten, wobei letzteres dann neben den Speiseresten typischerweise viel Schleim und Galle beinhaltet.

Durchfälle sind geleeartig und vor allem morgens am schlimmsten. Die Stühle können aber auch schaumig oder blutig erscheinen. Der Stuhldrang ist meist sehr schmerzhaft, wobei nach dem Stuhlgang eine Besserung eintritt. Diese Beschwerden können auch zusammen mit rheumatischen Schmerzen einhergehen und treten dann typischerweise im Wechsel mit diesen auf.

Der Patient ist von immer wiederkehrender Verstopfung geplagt und klagt gleichzeitig über Schmerzen in der Nierengegend. Begleitend kann es auch zur Braunfärbung des Urins kommen.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Weibliche Genitalien: Die Regelblutung ist sehr unregelmäßig und vergesellschaftet mit einem stetigen Ausfluss, der typischerweise sehr klebrig und zäh ist sowie außerordentlich stark stinkt. Zudem sind die Schamlippen geschwollen und jucken. Zusätzlich können auch Kopfschmerzen,Übelkeit und Schwindelgefühle bestehen.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es bestehen starke Schmerzen in den Gelenken oder den Knochen, wobei in diesem Falle nur die den Knochen umgebende Knochenhaut und nicht der Knochen selbst schmerzt. Die Schmerzen kommen plötzlich und scheinen stetig von einer auf die andere Seite zu wechseln. Dem Patienten fällt dabei die Bewegung der betroffenen Körperpartie schwer und er meidet jede Bewegung. Die Schmerzen klingen nur langsam ab und können, wie auch oben schon beschrieben mit Magenbeschwerden einhhergehen.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Vor allem die Gesichtshaut ist von der Akne betroffen und von mit Eiter gefüllten Bläschen übersät. Gleichzeitig besteht ein brennender Schmerz und die Pusteln heilen häufig nur unter Narbenbildung ab. Bei schwerer Ausprägung können sich die Beschwerden auch auf Nacken und Rücken ausbreiten.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Calcium fluoratum

Calcium fluoratum oder auch Kalziumfluorid ist das Kalziumsalz der Fluorwasserstoffsäure und wirkt sich vor allem positiv auf Stütz- und Bewegungsapparataus. Der Calcium fluoratum-Patient ist charakterisiert durch seine depressive Grundstimmung sowie durch sein unruhiges und hastiges Auftreten. Er reagiert oft überempfindlich und neigt zu übelriechender Schweißbildung. Wie auch Calcium bichromicum können Calcium fluoratum-Präparate bei einer Mittelohrentzündung, chronischem Schnupfen, einer Nasennebenhöhlenentzündung oder bei Akne eingesetzt werden. Entsprechend seinem Hauptwirkungsort wird es aber vorwiegend bei Nerven- und Kreuzschmerzen sowie bei Gelenkschmerzen durch Gelenkverschleiß (Arthrose) verordnet.

Die Beschwerden des Patienten verschlechtern sich dabei typischerweise durch Wetterwechsel und Kälte, während sich der Zustand durch die Bettwärme verbessert.

Mercurius solubilis hahnemanni

Mercurius solubilis, ein Gemisch aus Mercuroamidonitrat, Quecksilber und Quecksilber-I-oxid, wirkt wie Kalium bichromicum vorwiegend auf Haut und Schleimhäute, den Magen-Darm-Trakt sowie den Stütz- und Bewegungsapparat. Der Mercurius solubilis-Patient neigt typischerweise zu Entzündungen der Atemwege, üblem Körpergeruch sowie zu übermäßigem Speichelfluss bei gleichzeitig schlechtem Mundgeruch. Heilanzeigen von Mercurius solubilis-Präparaten gleichen denen von Kalium bichromicum, allerdings werden die Beschwerden bei diesen Patienten vor allem durch Wärme verschlimmert, was auf den Kalium bichromicum- Patienten nicht zutrifft.

Sticta

Lobaria pulmonaria oder auch Lungenkraut ist eine Pflanze, die typischerweise auf anderen Pflanzen wächst, ein sogenannter Epiphyt. Ihre getrockneten Äste dienen als Grundsubstanz für die Herstellung von Sticta, welches sich vor allem positiv auf die Atemwege und den Stütz- und Bewegungsapparat auswirken kann. Es wird vor allem bei Patienten mit Schnupfen, Bronchitis, Keuchhusten sowie rheumatischen Kniegelenksbeschwerden verordnet, hat jedoch keinerlei Wirkung auf den Verdauungstrakt oder die Haut.

Hintergrundinformationen

Kalium bichronicum wurde erstmals von Dr. Drysdale im Jahre 1844 als homöopathische Arznei beschrieben und auf der Grundlage seiner giftigen (toxischen) Wirkung auf gewisse Berufsgruppen, die mit diesem Stoff in Berührung kamen, wurden seine Heilanzeigen untersucht und beschrieben. Es wirkt besonders bei Erkrankungen der Atemwege, des Magen-Darm-Kanals sowie des Stütz- und Bewegungsapparates, aber auch bei Krankheiten von Haut- und Schleimhäuten ist es sehr vielversprechend. Neben seiner Anwendung in Form von Globuli wird es auch in Form von Schüßler-Salzen verabreicht, allerdings mit völlig anderen Heilungsabsichten. Als Schüßler-Salz wird es besonders bei Übergewicht, einer gestörten Glukosetoleranz, Bluthochdruck und erhöhten Blutfetten empfohlen.