Globuli von J bis L

Lathyrus sativus Globuli

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Das homöopathische Arzneimittel Lathyrus sativus Globuliwird aus der Tinktur der Kicherplatterbse (Lathyrus sativus) hergestellt. Die giftige Hülsenfrucht kann mit essbaren Kichererbsen verwechselt und so zu Speisen verarbeitet werden. Die Hinweise zur homöopathischen Anwendung stammen zum größten Teil aus Vergiftungsfällen. Die Arznei hat eine ausgeprägte Wirkung auf einen Teil des zentralen Nervensystems, das Rückenmark, somit auf die Funktion der Muskulatur und wird bei lähmungsartigen und krampfartigen Beschwerden eingesetzt. Die Arznei findet Anwendung nach Grippe, schwächenden Krankheiten und Auszehrung durch Hunger. Zudem bei Schwäche und einem Gefühl der Schwere, mit langsamer Erholung der Nervenkräfte. In der Homöopathie wird Lathyrus sativus auch bei Muskelzuckungen (fibrilläre Zuckungen), bei gesteigerten Reflexen, plötzlich auftretenden Lähmungen und bei Multipler Sklerose und Morbus Parkinson eingesetzt.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Lathyrus sativus Globuli können angezeigt sein bei Menschen, die an lähmungsartigen und krampfartigen (spastischen) Beschwerden, vor allem der unteren Extremitäten, leiden.

Wo wirkt es?: Lathyrus sativus wirkt hauptsächlich auf das Rückenmark und die Muskulatur.

In welchem Alter?: Lathyrus sativus Globuli können in jedem Lebensalter angewendet werden.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Arznei ist angezeigt bei verstärkten Reflexen und Lähmungen der Skelettmuskulatur mit starken Bewegungsstörungen beim Gehen.Auch die Schließmuskeln von After und Blase können betroffen sein (Inkontinenz).

Verbesserung: Besserung durch Beweglichkeit der Beine im Liegen.

Verschlechterung: Durch Kälte, nasskaltes Wetter, kalte Füße. Durch Bewegung und durch Berührung. Die linke Körperseite ist stärker betroffen.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Niedergeschlagene Stimmung. Schwermütig, traurig, apathisch. Ausgeprägte Angst, an einer ernsthaften Erkrankung erkrankt zu sein, ohne dass dafür ein medizinischer Beweis vorliegt (Hypochondrie), aber fehlender Antrieb, etwas zur Gesundung zu unternehmen.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Schwindel bei Stehen mit geschlossenen Augen.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Brennender Schmerz in der Zungenspitze, wie verbrüht, mit Prickeln und Taubheit der Zunge und der Lippen.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Unwillkürlicher Stuhlabgang durch Schwäche des Schließmuskels.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Häufiges Wasserlassen. Plötzlicher und dringlicher Drang. Unwillkürliche Harnentleerung (Inkontinenz). Bei Männern kann der Urin erst nach längerem Warten und dann sehr kraftlos abgehen.

Rückenmarkslähmung (Spinalparese, Tabes). So heftige Rückenschmerzen, dass sie jede Bewegung verhindern. Rückenschmerzen, ausgelöst durch den Versuch aufzustehen oder durch bloße Berührung der Wirbelsäule. Schmerzen der Lendenwirbelsäule (Lumbago), begleitet von Blasenbeschwerden.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Verstärkung der Reflexe, besonders des Kniesehnen- (Patellarsehne) und Achillessehnenreflexes. Die Fingerspitzen sind taub. Die Arme zittern beim Versuch, etwas zu tun. Dies wird verschlimmert beim Hochnehmen oder Hinstellen eines Gegenstandes. Übermäßige Steifheit (Rigidität) der Beine, der Kranke geht mit verkrampfter (spastischer) Muskulatur. Krämpfe in den Beinen, die sich verschlimmern bei Kälte und wenn die Füße kalt werden. Im Sitzen auf einem Stuhl kann der Kranke die Beine nicht ausstrecken oder übereinanderschlagen. Rückenmarksentzündung (Myelitis) mit ausgeprägter Spastik. Lähmungen bei Rheuma. PlötzlicheLähmung der unteren Extremitäten. Es kann eine Abmagerung und Muskelabbau am Gesäß und den unteren Gliedmaßen auftreten. Die Beine können bläulich verfärbt sein, sie schwellen an, wenn der Kranke sie herabhängen lässt.

Das Gehen ist gestört. Der Kranke kann nur auf den Zehenspitzen gehen. Die Füße werden beim Gehen nachgezogen und dann plötzlich und stark aufgesetzt. Zittriger, wankender Gang. Beim Gehen schlagen die Knie aneinander. Beim Versuch stillzustehen schwanken die Kranken stark nach vorne und zur Seite.

Verhärtung der Beuge- und Streckmuskeln. Die Muskel der Waden sind sehr angespannt. Es ist nur ein nach vorne gebeugtes Sitzen, das Aufrichten vom Sitzen ist nur mit großer Mühe möglich. Im Liegen können die Beine leicht bewegt, insbesondere abgespreizt werden, aber das Beugen ist schwierig und es ist fast unmöglich, sie anzuheben. Tagsüber Kälte in den Beinen, welche Nachts zu Hitze und Brennen wird, was dazu zwingt sich aufzudecken. Die Glieder der linken Seite können erheblich stärker betroffen sind als die der rechten Seite.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Missempfindungen der Haut (Parästhesien). Prickeln, Ameisenlaufen, Kältegefühl. Brennende Hitze, gebessert durch Abdecken.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Schläfrigkeit und dauerndes Gähnen.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Secale cornutum

Secale cornutum (Mutterkorn)[3][5] ist eine weitere Arznei, die auf Nerven und Muskulatur wirkt. Die Arznei kann angezeigt sein bei Verkrampfungen der Muskulatur und Gefäße mit Taubheit, bis hin zum Absterben der Haut und Gliedmaßen. Es können starke brennende Schmerzen bei gleichzeitiger äußerer Kälte bestehen. Störungen des Gehens, Schwanken und Zittern. Heftige Krämpfe, mit Verdrehung der Gliedmaßen. Taubheit undeisige Kälte der Extremitäten. Bläuliche und schwärzliche Verfärbung und Absterben der Finger oder Zehen. Gefühl großer Hitze im ganzen Körper. In den Umständen der Verbesserung und Verschlechterung der Beschwerden unterscheidet sich Secale cornutum deutlich von Lathyrus sativus. Bei Kranken, die Secale benötigen, bessern sich die Beschwerden durch Anwendung von Kälte, insbesondere die brennenden Schmerzen. Eine große Abneigung gegen Hitzekann bestehen. Der Kranke möchte die Körperteile unbedeckt haben, obwohl sie sich kalt anfühlen. Bereits die leichteste Berührung kann unerträglich sein.

Causticum Hahnemanni

Causticum Hahnemanni (eine Kalkverbindung)[3][6] ist eine weitere wichtige Arznei in der Behandlung bestimmter Formen von lähmungsartigen Leiden und Krämpfen. Brennende Schmerzen können in nahezu jeder Körperregion, innerlich und äußerlich, auftreten. Menschen, die in ihrer Krankheit Causticum benötigen, können sehr traurig und hoffnungslos sein. Mitfühlendes Wesen. Bei Beschwerden, die durch langanhaltenden Kummer oder plötzliche starke Gemütsbewegungen verursacht wurden.

Eine Arznei bei fortschreitender Schwäche bis hin zu einem lähmungsartigen (paralytischen) Zustand. Kranke, die Causticum benötigen können, leiden an Lähmung der Stimmbänder, Zungenmuskulatur, der Augenlider (Ptose), des Gesichtes, der Schließmuskeln oder der Extremitäten. Halbseitenlähmungen, schlimmer rechts. Herabfallen der Augenlider. Rechtsseitige Lähmung des Gesichtes. Es kann unwillkürliches Wasserlassen beim Husten, Niesen, Lachen, Gehen, Rennen, Naseschneuzen oder im Sitzen bestehen. Auch kann es zu unwillkürlichem Stuhlabgang kommen. Im Unterschied zu Lathyrus sativus können die Lähmungen durch kalten Waschen und durch kaltes Baden gebessert werden.

Hintergrundinformationen

Das homöopathische Arzneimittel Lathyrus sativus Globuli wird aus der Tinktur der Samen, Blüten und grünen Hülsen der in Mittelmeerländern heimischen Kicherplatterbse (Lathyrus sativus) hergestellt. Die Hinweise zur homöopathischen Anwendung entstammen zum größten Teil aus Erfahrungen in Vergiftungsfällen und klinischen Beobachtungen (am Kranken). Lathyrus sativus wurde mit essbaren Kichererbsen verwechselt und gelangte dadurch in die Speisen.

Die Arznei hat eine ausgeprägte Wirkung auf einen Teil des zentralen Nervensystems, das Rückenmark. Hier sind besonders die Seiten- und Vorderstränge betroffen. In diesen Bereichen des Nervensystems werden Reflexe der Muskulatur verarbeitet, Steuerungsbefehle an innere Organe und Bewegungsimpulse vom Gehirn an den Körper weitergeleitet. Es kommt zu einer Verstärkung der Reflexe durch Schädigung der steuernden Bereiche des Rückenmarkes. Die hervorgerufenen Beschwerden sind in der Regel schmerzlos. Die Kranken werden in einigen Fällen zunehmend apathisch und unternehmen nichts zu ihrer Gesundung.