Globuli von J bis L

Jaborandi Globuli

© PantherMedia / Gurcharan Singh

Das homöopathische Arzneimittel Jaborandi wird aus der alkoholischen Tinktur der großen, lilafarbenen Blüten des Jaborandi-Baumes (Pilocarpus pinnatifolius, Pilocarpus jaborandi) hergestellt. Jaborandi ist ein in Brasilien einheimischer Baum, der eine Höhe von mehr als sechs Metern erreicht. Die Jaborandi wurde von südamerikanischen Indianern als ein Gegengift gegen die Bisse von Schlangen der Trigonocephalusgruppe[10], zu der auch die Buschmeisterschlange gehört, gebraucht. Aus dem blutzersetzenden Gift der Buschmeisterschlage wird das in der Homöopathie häufig verwendete Arzneimittel Lachesis hergestellt. Jaborandi enthält eine für den menschlichen und tierischen Organismus giftige Substanz, ein sogenannte Alkaloid Pilocarpin, dem die Hauptwirkung der Arznei zugeschrieben wird[4]. Viele dieser aus Vergiftungfällen beschriebenen Wirkungen weisen auf Anwendungsgebiete des homöopathischen Mittels Jaborandi bei ähnlichen Krankheitszeichen hin.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Wo wirkt es?: Jaborandi wirkt auf hauptsächlich auf die Drüsen, die Augen und die Nerven. Charakteristisch sind eine Trockenheit der oberen Atemwege und Speicheldrüsen, die später in eine vermehrte Sekretion übergeht. Ein kranker Mensch, der Jaborandi benötigen könnte, hat eine deutliche Neigung zu Schweißen und Erkältungen.[2] Abnormale Schweiße. Exzessives Schwitzen aller Körperteile.[5]

Bei Sehstörungen und Sehschwäche (Asthenopie) und nach Überanspruchung der Augen ist die Arznei hilfreich. Ein weiteres Charakteristikum ist ein vermehrter Speichelfluss.[2] Das Mittel ist zudem angezeigt bei Entzündung der Ohrspeicheldrüse (Parotitis) und infektiöser Ohrspeicheldrüsenentzündung (Mumps). Bei einer Kombination von Speichelfluss, Übelkeit, hartnäckigem Erbrechen und vermehrten Schweißen während der Schwangerschaft wird Jaborandi die passende homöopathische Arznei eingesetzt.[2][3] Der Kranke ist sehr nervös und kann zittrig wirken.

In welchem Alter?: Jaborandi Globuli werden bei Beschwerden in jedem Lebensalter verwendet. Angefangen von Drüsenleiden oder Schielen der Kinder bis hin zu Sehstörungen im Alter durch Trübung der Linse des Auges (Grauer Star, Katarakt).

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

  • Beschwerden, die das homöopathische Arzneimittel Jaborandi Globuli erforden, sind häufig von reichlichem Schweiß begleitet.
  • Erkrankungen des Auges. Sehschwäche. Schielen. Folgen von Überanstrengung der Augen.
  • Erkrankungen des Ohres
  • Drüsenleiden
  • Schwangerschaftsbeschwerden
  • Periodische Kopfschmerzen

Verbesserung: Geräusche oder Lärm bessern (die Schwerhörigkeit).[3][6] Das Auftreten von Schweiß und anderen Absonderungen, sowie Essen und Wasserlassen können zu einer Erleichterung der Beschwerden führen. Durch oder beim Liegen, vor allem auf der rechten Seite, kommt es zu einer Besserung.[3]

Verschlechterung: Durch Lesen und Anstrengung der Augen.Die Beschwerden treten während der Schwangerschaft auf. Auch in den Wechseljahren (Klimakterium) treten Beschwerden auf, die auf Jaborandi hinweisen. Krankheitszustände entstehen durch und nach dem Verlust von Körperflüssigkeiten. Verschlechterung imSchlaf (Schweiße) oder durch Kälte. Nachts zwischen 21.00 und 5.00 Uhr[3] verstärken sich die Beschwerden. Zu Beginn der Monatsblutung[2] treten Beschwerden auf oder vorhandene Beschwerden verschlechtern sich. Periodisch, jeden Mittag, entstehen Kopfschmerzen.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Ein Mensch, der in seiner Krankheit Jaborandi Globuli benötigt, ist sehr nervös und kann zittrig sein. Möglicherweise leidet er unter beängstigenden fixen Ideen [1] oder einer Art von Verwirrung.[10]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Kopfweh ist von Schwindel und Übelkeit begleitet und wird ausgelöst beim Bewegen der Augen [1]. Es bestehen Kopfschmerzen, nahezu jeden Tag um die Mittagszeit, die Wochen lang andauern können. Diese Kopfschmerzen sind verbunden mit beschleunigter Atmung, Brustbeklemmung, Herzklopfen, Schmerz in der Herzregion und großer Ängstlichkeit [10]. Auch kann es zu Kopfschmerzen mit Brennen und Hitze der Augäpfel beim Gebrauch der Augen kommen.[1]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Kranke zeigt eine auffällige Röte und Hitze des Gesichtes. Ebenso ist eine plötzlich auftretende Röte (Flush) des Gesichtes zu beobachten.[10]

Mund: Der Speichel ist zäh, mit einer Beschaffenheit wie Eiklar. Der Kranke klagt über einen trockenen Mund oder reichlichen Speichelfluss mit übermäßigem Schwitzen [5]. Der Geschmack im Mund kann süßlich-bitter sein.[10]

Augen: Charakteristisch für Jaborandi Globuli sind enge Pupillen, die nicht auf Licht reagieren. Die Augen ermüden nach dem geringsten Gebrauch. Das Mittel wird eingesetzt bei Überanstrengung der Augen, egal aus welchem Grund. Diese führt zu Hitze und Brennen der Augen. Es entstehen brennende Augenschmerzen. Es kommt zu einer Reizung der Augen bei künstlicher Beleuchtung, insbesondere beim Lesen oder bei feinen Arbeiten unter Kunstlicht. Zudem besteht ein undeutliches Sehen in die Ferne, wobei alle paar Momente das Gesehene nur verschwommen wahrnehmbar ist.[5] Ein Reiben der Augen bessert nicht.[10] Nach einer Beanspruchung der Augen – durch längere feine Arbeiten[4] – bleiben die Bilder für ein paar Minuten auf der Netzhaut (Nachbilder, Phantombilder) bestehen.[5] Alle paar Augenblicke verändert sich der Zustand des Sehvermögens.[4] Es kann zur Wahrnehmung weißer Flecke vor den Augen kommen. Auch sind Kopfschmerz, verschwommenes Sehen und vorübergehende Kurzsichtigkeit beim Lesen zu beobachten. Die Ursache ist hier ein Krampf der inneren Augenmuskulatur im Bereich der Linse des Auges (sogenannter Akkomodationskrampf). Durch die Wirkung auf die Augenmuskulatur tritt Schielen auf. Dabei handelt es sich um ein Einwärtsschielen (Strabismus convergens), welches in bestimmten Abständen immer wieder oder nach einer Operation der Augen erneut auftritt.[4] Zuckungen der Augenlider[5] sind zu beobachten.

Nase: Beim Schnupfen begleiten Fieber und reichlicher Schweiß, Augentränen und wundartiger Kopfschmerz die Beschwerden. Eine weiteres Leiden, welches Jaborandi Globuli erfordern kann, sind Schmerzen in der Nase und in den Nasenknochen, dabei sehr reichlicher Schweiß[4] oder Heiterkeit abwechselnd mit Stumpfheitsgefühl oder Durchfall abwechselnd mit Verstopfung.[4][10]

Ohren: Es besteht eine nervöse Schwerhörigkeit, welche gebessert wird durch Geräusche[2][5] oder Lärm. (Dieser Zustand wird in der Medizin als Paracusis Willisii bezeichnet. Dabei werden gesprochene Wörter bei gleichzeitigem Lärm durch Ausblendung der tieferen Nebengeräusche besser verstanden.[9]) Jaborandi ist eine Arznei bei Ansammlung von Flüssigkeit im Mittelohr (seröser Paukenhöhlenerguss).[5]

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es kommt zu einer starke Neigung zu Husten und zu schwierigem Atmen. Jaborandi ist damit ein Heilmittel bestimmter Formen vonBronchitis. Der Auswurf ist schaumig oder reichlich und dünn (bei Asthma und Bronchitis [4]). Langsame, ziehende Atmung.[5] Dabei besteht ein scharf stechender Schmerz in der Brust.[3][4] Auch klagt der Kranke über heftige Blutwallungen zum Herzen und zur Brust.[1] Nervöse Herzleiden oder ein unregelmäßiger Puls mit doppelten Schlägen[5] weisen ebenfalls auf Jaborandi Globuli hin.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es entsteht ein großer, extrem starker Durst[3] bei einigen Kranken. Übelkeit beim Gebrauch der Augen oder beim Anblick sich bewegender Gegenstände.[1] Eine charakteristische, große Übelkeit und Würgen, die manchmal mit dem Erbrechen ein Ende findet, wird begleitet von Schluckauf. Bei Magenbeschwerden bessert Essen. Der Kranke leidet unter einem Leeregefühl im Bauch.[4] Durchfall mit Schweiß und gerötetem Gesicht.[1] Es besteht ein dünner, wässriger und reichlicher Durchfall. Der wässrige, gelbe Stuhl spritzt aus dem After heraus.[4]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Urin ist dunkel und spärlich oder sehr reichlich[4], dabei vielSchweiß.[3]

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Schwangerschaft und Stillzeit. Jaborandi Globuli können bei hartnäckigem Erbrechen mit Speichelfluss, Übelkeit undvermehrten Schweißen während der Schwangerschaft eingesetzt werden. Schwellungen (Ödeme) des Gesichtes, der Schamlippen und der Gliedmaßen, die in der Schwangerschaft[4] auftreten. Es besteht Trockenheit und Hitzeempfindung in der Vagina unter der Entbindung. Im Kindbett kommt es zu Krampf mit Erstickungssymptomen, da die Frau den übermäßigen Speichel nicht schlucken kann. Jaborandi ist auch eine Arznei bei Beschwerden während der Stillzeit, wenn die Milchbildung fehlt und die Milchproduktion unterdrückt ist. Seltener ist Jaborandi auch bei übermäßiger Milchproduktion angezeigt. Die Arznei hat eine Wirkung bei Beschwerden der Hormondrüsen, insbesondere der Fortpflanzungsorgane.[3][4]

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es fallen eine Röte der Haut oder eine Trockenheit der Haut auf. Jaborandi Globuli sind daher in einigen Fällen von Verbrennungen mit Wasser oder Wasserdampf hilfreich.[3]

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Hitze in den Wechseljahren ist anzutreffen. Übermäßig starker Schweiß kann in der Erholungsphase bei akuten Krankheiten auftreten. Sehr reichliche Nachtschweiße[4] sind typisch für Jaborandi. Diese Schweiße verstärken sich beim Zudecken und im Schlaf.[3] Es kommt zu exzessivem Schwitzen aller Körperteile.[5] Dies treten auch als einseitige Schweiße auf, bei denen nur die linke Körperseite betroffen ist und die rechte trocken bleibt.[4] Das Auftreten von Schweiß erleichtert die Beschwerden.[3]

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Gegen Morgen wird der Schlaf durch sehr anstrengende und ängstliche Träume, von Unfällen oder Streit und Kampf, gestört. Schläfrigkeit oder ruhelose Schlaflosigkeit[10] werden angetroffen.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Mercurius solubilis hahnemanni

Mercurius ist ebenfalls eine Arznei, die eine starke Wirkung auf die Drüsen hat, insbesondere auf die Speicheldrüsen, Ohrspeicheldrüse Lymphdrüsen und Mandeln. Schmerzhafte Schwellung und Entzündung der Ohrspeicheldrüse sind charakteristisch. Diese Schwellung kann während der Zahnung der Kinder auftreten. Die Entzündung des Mittelohres bleibt nicht im Form eines Ergusses auf dieses beschränkt, sondern entleert sich mit dem Ausfluss übel riechenden, auch blutigen Eiters. Kranke, die Mercurius benötigen, neigen zum starkem Schwitzen, wobei dieses Mittel im Gegensatz zu Jaborandi keine Linderung durch das Auftreten der Schweiße erfährt, sondern eine Verschlechterung durch Schwitzen hat. Der Schweiß istölig und stinkend. Mercurius hat starken übel riechenden Speichelfluss, im Gegensatz zu Jaborandi vor allem auch Nachts, welcher feuchte Flecke auf dem Kopfkissen hinterlässt. Die Arznei hat eine auffällige Verschechterung, sowohl durch Kälte, als auch durch Wärme. Die Beschwerden sind schlimmer durch Bettwärme und nachts. Mercurius hat eine ausgeprägte Lichtempfindlichkeit des Auges (Photophobie).[11]

Gelsemium

Gelsemium hat eine starke Wirkung auf die Augen, die Augenmuskulatur und das Sehvermögen. Auch bei dieser Arznei kann das Sehen undeutlich und verschwommen sein, wie durch einen Nebel. Verschwommene Sicht, trotz einer gut angepassten Brille, kann durch Gelsemium manchmal korrigiert werden. Sehverlust und Blindheit vor den Kopfschmerzen können auftreten. Es kann zu Doppeltsehen und Trübsichtigkeit in der Schwangerschaft kommen. Bei Doppeltsehen, welches nur beim Seitwärtsblicken und nicht beim Geradeaussehen entsteht. Die Entzündung des Mittelohres, die für Gelsemium typisch ist, wird durch eine Erkältung des Kopfes, manchmal bereits durch nasse Haare oder schon nach dem Haareschneiden, ausgelöst. Der Schmerz kann dabei schneidend sein, das Gesicht dabei tiefrot. Während des Kopfschmerzes klammert sich das Kind an die Mutter.[12]

Senega

Senega ist eine weitere wichtige Arznei bei lähmungsartigen Augenbeschwerden. Angezeigt ist sie bei einer Schwäche der Augenmuskulatur. Es besteht eine besondere Wirkung auf die geraden Augenmuskeln. Ein gelegentliches Höhenschielen oder Doppeltsehen, welches gebessert wird durch Neigen des Kopfes nach hinten, kann die Anwendung dieser Arznei erfordern. Das Flimmern vor den Augen wird, im Gegensatz zu dem Verschwommensehen von Jaborandi, durch das Wischender Augen gebessert. Gegenstände erscheinen beim Betrachten, als läge ein Schatten auf ihnen. Eine mögliche Arznei bei Trübungen des Glaskörpers des Auges. Senega ist hilfreich nach Operationen am Auge, da es den Abbau von Gewebetrümmern fördert.[13] Schmerzen über den Augenhöhlen können vorhanden sein, dabei zittern die Augen und tränen beim gezielten Blicken oder fortgesetzten Schauen auf einen Gegenstand. Die Augen tränen beim Lesen.[14]

Hintergrundinformationen

Erfahrene Homöopathen verwenden Jaborandi über die oben angegebenen Beschwerden hinaus bei infektöser Speicheldrüsenentzündung (Parotitis epidemica, Mumps, Ziegenpeter). Englische Ärtze des 19. Jahrhunderts hielten die Zubereitung des Giftstoffes des Jaborandi-Baumes, das homöopathische Pilocarpin C6, für eine unfehlbare Arznei (Spezifikum) zur Behandlung und Vorbeugung dieser Erkrankung. Es galt als wertvolles Mittel, die Dauer des Ziegenpeters zu verkürzen[5] und Komplikationen in anderen Organen (Metastasierung), z.B. Hodenentzündung, vorzubeugen und zu behandeln. Des Weiteren kann Jaborandi bei anderen Formen der Hodenentzündungen, Nierenerkrankungen und Schwellungen (Ödeme) nach Scharlach, sowie Herz-, Brust- und Bauchwassersucht eingesetzt werden. Tuberkulose, mit ausgeprägtem erschöpfenden Schweiß und reichlichen Nachtschweißen wurde mit dem Mittel behandelt. Auch Schilddrüsenüberfunktionen mit Ausbildung eines Kropfes und Beteiligung der Augen (Morbus Basedow) können zu den Anwendungsgebieten der Arznei gehören.

Ausserhalb der homöopathischen Anwendung wurde Jaborandi früher hauptsächlich als schweißtreibendes Mittel verwendet.[4] Seit Ende des 19. Jahrhunderts bis heute findet der Wirkstoff Pilocarpin seine Anwendung in der Augenheilkunde als pupillenverengendes Mittel (Miotikum) in der lokalen Behandlung des erhöhten Augeninnendrucks (Grüner Star, Glaukom).[7][9] Die giftigen Wirkungen des Jaborandi-Baumes und seiner isolierten Inhaltsstoffe wurden in den Lehrbüchern der Giftstoffe (Toxikologie) wie folgt beschrieben: Beschleunigung des Pulses, verringerte Herzkraft, Blässe, Kältegefühl, Hautrötung, Atembeschwerden, Schwellung der Unterkieferdrüsen sowie der Ohrspeicheldrüsen und Rachenmandeln, Übelkeit, Erbrechen, Koliken, Durchfälle, Harndrang, Störungen der Harnblasenentleerung, verengte Pupillen, Minderung des Sehvermögens, Kopfschmerz und Schwindel.[8]