Globuli von J bis L

Jatropha Curcas Globuli

Für Jatropha curcas liegt im Gegensatz zu vielen anderen homöopathischen Arzneien keine oder nur eine ungenügende homöopathische Arzneimittelprüfung (AMP) vor. Für eine homöopathische Verordnung ist es aber eine zwingende Voraussetzung, dass die Symptome einer Arznei an mehreren gesunden Menschen geprüft wurden. Für die Informationen zur Heilwirkung dieser homöopathischen Arznei, wurde die Heilwirkung der getrockneten Droge als Tee, Tinktur, Tropfen oder Aromaöl übernommen, sowie weitere Symptome aus der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie).

Es ist allerdings fraglich, ob die rein gedankliche Ableitung der Heilkraft von der Pflanzenheilkunde auf ein hoch verdünntes Mittel (homöopathisch) zuverlässig eingeschätzt werden kann. Es gibt nur wenige Informationen zur homöopathischen Wirksamkeit und Symptomatik der Arznei Jatropha curcas. Dieser Artikel beschränkt sich auf Informationen zur homöopathischen Anwendung, die mehrfach in der Literatur zu finden sind.
Jatropha curcas wird auf deutsch als Purgiernussbaum bezeichnet. Der Strauch gehört zu den Wolfsmilchgewächsen und ist hoch giftig. Die Blätter ähneln dem Efeu. Ursprünglich stammt die Pflanze aus Teilen Südamerikas, heute wächst sie in vielen warmen Ländern.[1]

Als homöopathisches Mittel wird Jatropha curcas vor allem bei Durchfall und Erbrechen sowie Muskelkrämpfen eingesetzt.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Jatropha curcas kann bei Menschen, die Bauchsymptome aufweisen, in Erwägung gezogen werden. Schluckauf, gluckernde Geräusche und Schmerzen können in Verbindung mit Erbrechen oder Durchfall auf dieses Mittel hinweisen.

Wo wirkt es?: Das Mittel wirkt vor allem auf den Verdauungstrakt, aber bei Schmerzen und Krämpfen auch auf Beine und Füße.

In welchem Alter?: Es gibt keine Altersbeschränkung für dieses Mittel.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall mit wässrigem Stuhl
  • Muskelkrämpfe in Waden, Beinen und Füßen

Verbesserung: Die Beschwerden bessern sich, wenn die Hände in kaltes Wasser gelegt werden.

Verschlechterung: Allgemeine Modalitäten, die die Beschwerden verstärken, sind nicht bekannt. Trinken kann aber Übelkeit und Erbrechen auslösen.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Den Betroffenen kann schwindelig sein und sie können kurz ohnmächtig werden oder in eine tiefe Bewusstlosigkeit fallen. Kopfschmerzen beginnen häufig schon am Morgen und werden von Übelkeit und Brechreiz begleitet.[2]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Gesicht und Kopf des Jatropha curcas-Kranken sind meistens heiß. Die Patienten sind oft blass und haben dunkle Ränder um die Augen. Die Lippen sind bisweilen rissig und schmerzhaft.[2] Vor allem morgens sammelt sich im Mund dieser Menschen viel Speichel, der einen metallisch-blutigen Geschmack haben kann. Trotzdem ist der Mund trocken und heiß, die Zunge teilweise gefühllos. Der Mund kann sich anfühlen wie verbrüht. Die Patienten, bei denen diese Symptome auftreten, haben trotz der großen Trockenheit keinen Durst.[2]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das homöopathische Mittel Jatropha curcas kann bei vielen verschiedenen Beschwerden der Verdauungsorgane Linderung bringen. Wenn diese Patienten sich übergeben müssen, dann erbrechen sie meist große Mengen. Das Erbrechen kann durch kalte Getränke ausgelöst werden und ein scharfes Gefühl im Rachen verursachen.[3] Es kann aber auch aus grüner Gallenflüssigkeit bestehen oder wässrig erscheinen und eiweißartige Substanzen enthalten.[2] Der Magen zieht sich beim Erbrechen meistens krampfartig zusammen, fühlt sich heiß an und bereitet brennende Schmerzen. Das Erbrechen kann einzeln auftreten, aber auch als Brechdurchfall.[4] Die Durchfälle setzen meistens sehr plötzlich und schwallartig ein. Der Stuhl ist sehr flüssig und sieht leicht milchig aus, wie Wasser, in dem Reis gekocht wurde. Der Bauch ist dabei aufgetrieben und schmerzhaft und macht gurgelnde Geräusche. Gleichzeitig kommt es meistens zu einem Kältegefühl und Krämpfen.[3] Diese Symptome können unter Umständen auf eine Cholera-Erkrankung hinweisen und sollten ärztlich abgeklärt werden. Erbrechen und Übelkeit in der Schwangerschaft können eventuell durch dieses Mittel gelindert werden.[2]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Einige Jatropha curcas-Patienten verspüren häufigen, starken Harndrang. Der Urin ist bei ihnen meistens blassgelb und trüb.[2]

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei Wadenkrämpfen kann dieses homöopathische Mittel vielleicht hilfreich sein[5], vor allem wenn sie als Folge des Brechdurchfalls auftreten. Auch Krämpfe in den Armmuskeln sprechen möglicherweise auf Jatropha curcas an.[2] Häufig fühlen sich alle Extremitäten kalt an und es können Schmerzen in den Knöcheln, den Füßen und Zehen auftreten. Die Fersen sind beim Auftreten manchmal sehr empfindlich.[3]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Nux vomica

Nux vomica, die Brechnuss, ist eines der größten homöopathischen Mittel, weil es bei vielen häufig auftretenden Erkrankungen hilfreich sein kann. Nux vomica-Patienten leiden oft unter Beschwerden am Verdauungstrakt. Morgens und nach dem Essen ist ihnen häufig übel, sie haben Blähungen und Sodbrennen und müssen oft aufstoßen. Wenn sie sich übergeben müssen, ist dies mit viel Würgen verbunden. Der Oberbauch ist bei ihnen häufig aufgetrieben und die Magengegend sehr druckempfindlich. Durchfall kann durchaus vorkommen, häufiger haben es die Nux vomica-Patienten aber mit Verstopfung zu tun, der Stuhlgang ist mühsam und nicht immer vollständig möglich. Dieses Mittel kann ebenso wie Jatropha curcas unter bestimmten Voraussetzungen bei Krämpfen eingenommen werden, vor allem, wenn die Waden und Fußsohlen betroffen sind. Etwa genauso häufig wie Krämpfe treten aber auch Lähmungen und Taubheitsgefühle in den Extremitäten auf.[7].

Gelsemium

Dieses homöopathische Mittel wird aus dem gelben Jasmin hergestellt und wirkt vor allem auf das Nervensystem. Durchfall wird nämlich bei den Gelsemium-Patienten durch emotionale Erregung, Lampenfieber oder schlechte Nachrichten ausgelöst. Anders als bei Jatropha curcas-Kranken ist der Stuhlgang aber schmerzlos möglich. Während Jatropha curcas eher bei Krämpfen der unteren Extremitäten eingenommen wird, stehen bei Gelsemium Armkräfte im Vordergrund: Die Unterarmmuskulatur verkrampft sich und es kommt zu sogenannten Schreibkrämpfen, bei denen sich die Hand zu einer Klaue zusammenzieht. [8]

Pulsatilla

Dieses homöopathische Mittel wird aus der Küchenschelle hergestellt und gilt als Wetterhahn unter den Arzneimitteln, das heißt, dass die Symptome oft wechseln und teilweise widersprüchlich sind. In Bezug auf Durchfall bedeutet dies, dass sich manchmal keine zwei Stühle eines Patienten gleichen. Es kann ganz normalen Stuhlgang geben, dann wieder wässrigen, schleimigen oder blutigen Durchfall. Die Pulsatilla-Kranken bekommen oft nach dem Essen Magenschmerzen, müssen sich aber erst lange nach der Mahlzeit übergeben. Vor allem morgens stoßen sie sauer auf und haben einen fauligen Geschmack im Mund. Ihr Bauch kann schmerzhaft und aufgetrieben sein. Krämpfe haben diese Patienten selten, sie leiden eher unter Schwellungen an den Extremitäten.[9]

Hintergrundinformationen

Der Purgiernussbaum wird bis zu drei Meter hoch. Die gesamte Pflanze ist giftig. Ihr Saft reizt Haut und Schleimhäute und kann Entzündungen verursachen. Der Verzehr der Samen kann von Erbrechen und Durchfall über Bewusstseinsstörungen und Kreislaufbeschwerden bis hin zu Atem- und Herzstillstand führen.[1] In den Tropen wurden Pflanzenteile früher als drastisches Abführmittel eingenommen. Heute gilt die Purgiernuss als Hoffnungsträger für die Energieversorgung in Entwicklungsländern. Ihr Öl kann als Biodiesel verwendet werden und entspricht somit unserem heimischen Rapsöl.[6]