Globuli von J bis L

Lupulus Globuli

© panthermedia.net / Markus Wuchenauer

Bei dem homöopathischen Mittel Lupulus handelt es sich um den Hopfen, eine Schlingpflanze aus der Familie der Cannabisgewächse (Cannabaceae). Die homöopathische Verwendung des Hopfens orientiert sich an Erfahrungen aus der Pflanzenheilkunde und konzentriert sich im Wesentlichen auf die therapeutische Beeinflussung der Harnorgane und seine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem. Allerdings wurde er als Zusatz zu Getränken ungefähr ab dem 11. Jahrhundert in England angebaut. Als Heilpflanze wurde der Hopfen erst im Verlauf des Mittelalters eingesetzt, vorwiegend als mildes Nervenmittel zur Beruhigung (Sedativum) und Schlafförderung mit teilweise schmerzlindernden Eigenschaften [1][2]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Lupulus Globuli können hilfreich sein bei einem angegriffenen Nervenkostüm, was sich z.B. inKopfschmerzen, Übelkeit, Benommenheit und Schwindelgefühlen ausdrücken kann. Auch rheumatische Erscheinungen wie Ziehen und Zucken der Muskeln können ein Hinweis auf dieses Mittel sein. Schmerzen und Beschwerden der Harnorgane sind ebenfalls mögliche Heilanzeigen für die Arznei. Appetitlosigkeit oder Geschlechtskrankheiten wie etwa Gonorrhö gehören zu den möglichen Symptomen. Ein langsamer Puls und reichlicher klebrig-fettiger Schweiß können vorkommen. Außerdem wird erwähnt, dass der Hopfen homöopathisch gegen Darmverschluss (Ikterus) bei Kindern eingesetzt werden kann. [3][4]

Wo wirkt es?: Das wesentliche Einsatzgebiet von Lupulus Globuli ist dasNervensystem, auf das eine beruhigende bis Schlaf fördernde Wirkung festzustellen ist. Außerdem bedeutsam ist seine Wirkung auf die Harnorgane. [5]

In welchem Alter?: Grundsätzlich können Lupulus Globuli in jedem Alter angewandt werden, wenn die zugrunde liegende Symptomatik vorhanden ist.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es fällt Lupulus Patienten oft schwer, sich koordiniert zu bewegen.Das Gefühl von Übelkeit, Schwindel und Benommenheit kann so stark sein (vor allem beim Geruch von Hopfen), dass der Kranke an die frische Luft gehen muss. Plötzlich auftretende, zuckende oder ziehendeSchmerzen, die von Ort zu Ort wandern und in fast allen Muskeln, aber besonders zwischen den Schultern sowie an Armen und Händen zu spüren sind. [4]

Verbesserung: Die Beschwerden von Lupulus Patienten werden unmittelbar nach dem Genuss von Kaffee gelindert. Frische Luft hilft ebenfalls, eine Besserung des Zustandes zu erreichen. [5][6]

Verschlechterung: Es gibt keine eindeutigen Hinweise auf Umstände, die zur Verschlechterung des Zustandes von Lupulus Patienten beitragen.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Lupulus Patienten können unter Umständen aus dem Tiefschlaf direkt in heftigen Wahnsinn übergehen, aus dem sie schwer heraus zu holen sind, um oft unmittelbar danach in eine stumpfe Apathie zurück zu verfallen. Im Fall von chronischem Alkoholmissbrauch mit nervösem Zittern und Schlaflosigkeit bis hin zur Bewusstseinstrübung (Delirium) ist an Lupulus zu denken. Es können auch krankhafte gesteigerte Wachsamkeit und extreme nervliche Erregung vorkommen. [3][4]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Lupulus Patienten leiden häufig an Schwindel und Verwirrung, teilweise liegt ein sichtbarer Blutandrang in den Kopf und die Augen vor. Der Kopf kann sich heiß anfühlen, wobei häufig Kopfweh und Verwirrung auftreten. Der drückende oder ziehende Kopfschmerz ist unter Umständen kaum zu lindern. An den Schlagadern der Schläfen ist möglicherweise ein deutliches Pulsieren sichtbar.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Gesicht fühlt sich oft sehr heiß an. [4]

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Atem geht unter Umständen langsam, fast röchelnd. Der Pulsschlag kann ebenfalls langsam und unregelmäßig sein. [6]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Häufig tritt bei Lupulus Patienten großer Durst auf, während gleichzeitig der Appetit völlig ausbleibt. Es kann sein, dass die Betroffenen aufstoßen müssen. Übelkeit und Erbrechen sind als Symptome keine Seltenheit. Der Magen fühlt sich unter Umständen sehr warm an. Oft fühlt es sich so an, als ob der Magen sich umdrehe, dabei kann könnenÜbelkeit mit unvermindertem Appetit oder starker Hunger auftreten, während gleichzeitig aber kein Appetit besteht. Dumpfe Schmerzen können im Unterbauch vorkommen. Der Stuhlgang ist möglicherweise weicher als gewohnt, der Drang ist teilweise jedoch so stark, dass es den Lupulus Patienten kaum möglich ist, rechtzeitig eine Toilette zu erreichen. In anderen Fällen kann es auch zu Stuhlverhalt kommen. [6]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Während des Wasserlassens kann es zu Brennen in der Harnröhre kommen, das sich jedoch durch den Genuss von Kaffee bessert. Es kommt eventuell zu Problemen beim Wasserlassen (Dysurie), indem entweder unkontrolliert Urin fließt (Inkontinenz) oder die Schwierigkeit besteht, überhaupt Harn lassen zu können (Harnverhalt). Der Urin ist klar, jedoch häufig von dunkelbrauner Farbe. [4]

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Überwiegend wird in der Literatur davon ausgegangen, dass die sexuelle Erregung bei Lupulus Patienten verringert ist.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

An den Armen kann es zu Zuckungen der Sehnen kommen, während die Beine oft von einer lähmenden Schwäche befallen sind.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Scharlachartige Rötung der Haut kann besonders im Gesicht vorkommen, manchmal treten auch kleine Pusteln auf. [6]

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei dem meist hohen Fieber wird ein langsamer Puls festgestellt. Der Schweiß kommt meist reichlich und fühlt sich oft kalt und schmierig an.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Lupulus Patient schläft meist tief und ist beim Aufwachen schlaftrunken. [4]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Opium

Opium wird aus dem Schlafmohn (Papaver somniferum) gewonnen. Es war seit der Antike ein bekanntes Schmerz-, Beruhigungs- sowie Schlafmittel und wurde auch als Rauschdroge gebraucht. In der Homöopathie sind Opium Globuli neben Verstopfung bei sehr gegensätzlichen Symptomen in Verwendung, z.B. Übererregbarkeit und Abstumpfung des Nervensystems. Opium Kranke zeigen einige Ähnlichkeiten mit Lupulus Patienten: ihr Schlaf ist unter Umständen sehr tief mit langsamen, röchelnden Atemzügen oder es kommt zu Schlaflosigkeit, die Betroffenen sind möglicherweise hyperaktiv und leiden unter Wahnvorstellungen. Die Beschwerden verschlimmern sich jedoch durch Schlaf und Hitze. [7]

Cannabis indica

Cannabis indica Globuli werden aus Haschisch hergestellt, dem Harz aus den Drüsen des indischen Hanfs, der seit der Antike als Rausch- und Heilmittel eingesetzt wird. In der Homöopathie werden sie eingesetzt beiWahnvorstellungen, zur Beruhigung und bei starker Erschöpfung. Ebenso wie bei Lupulus Kranken finden sich bei Cannabis indica Patienten oft reichlich klebriger Schweiß, intensive Müdigkeit, Beschwerden beim Wasserlassen sowie starke Kopfschmerzen. Während der Appetit bei Cannabis indica extrem gesteigert sein kann, werden alle Nahrungsmittel häufig als sehr schmackhaft empfunden. Gleichzeitig kommt es oft zu großem Durst, der aber aufgrund der Angst vor Wasser nicht gestillt werden kann. [8]

Nux vomica

Strychnos nux-vomica, die giftige Brechnuss, ist die Grundlage der Nux vomica Globuli. Ähnlich wie bei Lupulus Patienten sind Nux vomica Kranke von einemangegriffenen Nervenkostüm betroffen, was sich in Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen und Übelkeit äußern kann. Schwächegefühle, Benommenheit und Müdigkeit kommen oft vor. Nux vomica Kranke sind zudem häufigstressgeplagte Menschen, daher werden sie meistens vonMagen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Sodbrennen oder Verstopfung heimgesucht, außerdem sind Schlafprobleme keine Seltenheit. Nux vomica Patienten sind oft reizbar. Eine Verschlechterung ihres Zustandes findet statt durch geistige Anstrengung, Ärger, Genussmittel wie Kaffee, Alkohol oder Tabak sowie durch Kälte. [9]

Hintergrundinformationen

In der Homöopathie wird eine Urtinktur der Hopfenzapfen (Strobulus Lupulus) hergestellt, andererseits gibt es nach dem Homöopathischen Arzneimittelbuch (HAB) eine Zubereitung des Harzes aus den Hopfendrüsen (Lupulin). [2] Der Hopfen beinhaltet auch gewisse Anteile an östrogenartigen Verbindungen, was seinen Einsatz als Mittel in der Frauenheilkunde bei Menstruationsstörungen plausibel macht. [10]