Globuli von J bis L

Lycopodium Globuli

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Lycopodium clavatum, der Keulen-Bärlapp, gehört zur Familie der Bärlappgewächse und steht in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter Naturschutz. Das Kraut enthält die giftigen Alkaloide Lycopodin, Selagin, Clavatin und Clavatoxin, die bei unsachgemäßer Dosierung Schleimhautreizungen, Krämpfe, Brechdurchfälle bis hin zu Koma bewirken können. Für die Zubereitung des homöopathischen MittelsLycopodium werden die frischen Sporen der Pflanze verwendet. [1][2]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Lycopodium-Patienten leiden unter Blähungen, Verstopfung, Gallenkoliken, Nierenkoliken und Harnverhalten. Auch Kopfschmerzen, Ohrenentzündungen, Halsentzündungen und Infekte der oberen und unteren Luftwege sind typische Beschwerden. [1][3][4][5]

Wo wirkt es?: Das homöopathische Mittel Lycopodium wirkt vor allem bei Beschwerden des Magen-Darm-Trakts, der Haut und der Psyche sowie der Leber, Galleund Nieren. Bei Frauen kann es bei Menstruationsstörungen hilfreich sein.[1][4]

In welchem Alter?: Grundsätzlich kann Lycopodium in jedem Lebensalter zum Einsatz kommen. [1][3]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

  • Frühreife, schwächliche Kinder
  • Kleinwüchsigkeit
  • Lese- und Schreibschwäche
  • Blähungen bei Säuglingen oder 3-Monats-Koliken, die nach 16 Uhr am schlimmsten sind
  • Heißhunger trotz Abmagerung mit aufgeblähtem Bauch im Wechsel mit Völlegefühl
  • nach wenigen Bissen satt und auch nächtlicher Hunger
  • Auffallend großes Verlangen nach Süßigkeiten
  • Erkältungsneigung durch große Empfindlichkeit gegenüber Kälte und Zugluft
  • Mangel an Selbstvertrauen
  • Reizbarkeit, insbesondere bei Widerspruch oder bei Kleinigkeiten und morgens beim Erwachen, bei Kindern mit Stoßen, Treten oder Schlagen
  • Neigung zu Widerspruch, Rechthaberei und diktatorischem Verhalten
  • Verdauungsstörungen mit Verstopfung und Blähungen mit lauten Darmgeräuschen
  • Nierenbeschwerden mit rotem Sediment im Urin
  • Schmerzen vor dem Wasserlassen mit Harnverhalten
  • Vorzeitiges Ergrauen der Haare (Präsenilität)
  • Typischerweise rechtsseitige Beschwerden oder die Beschwerden beginnen rechts und gehen nach links (Ohrenentzündung, Mandelentzündung, Bronchitis, Nierenkolik, Ischias und andere Schmerzzustände)
  • Fächerartige Bewegung der Nasenflügel bei Erkrankungen des Gehirns, der Lunge und des Bauches
  • Drücken in der Magengrube, der Druck eines Gürtels wird nicht vertragen
  • Taubheitsgefühl oder ziehende, reißende Schmerzen in den Gliedern
  • Ein Fuß ist kalt (üblicherweise der rechte), der andere warm

Verbesserung: Warme Getränke, warmes Essen, kalte Anwendungen, Bewegung, Aufstoßen, Wasserlassen, nach Mitternacht, frische Luft, Aufdecken oder sich Entblößen kann beim Lycopodium-Patient zur Besserung führen. Bei brennenden Schmerzen kann Wärme helfen. [1][2][3][4]

Verschlechterung: Während der Zeit von 16 bis 20 Uhr, Wärme, beim Erwachen, bei Wind, nassem Wetter oder stürmischem Wetter kommt es beim Lycopodium-Patienten zur Verschlechterung. Blähende Speisen, wie beispielsweise Kohlgemüse, Bohnen, Erbsen oder Zwiebeln werden schlecht vertragen,durch Fasten oder durch unregelmäßige Einnahme von Mahlzeiten und durch zu wenig, zu schnelles oder nach dem Sattessen verschlimmern sich die Symptome. Kleiderdruck wird möglicherweise als unangenehm empfunden, es kann sich bei ihm wie ein „Spannen von einem Band oder Reifen um die Taille” anfühlen. Bei Frauen mit Lycopodium-Symptomen tritt eine Verschlechterung vor der Menstruation oder beim Ausbleiben der Menstruation ein. [1][2][3][4]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Lycopodium-Patienten empfinden Gefühl und Verstand als getrennt. Sie neigen zu Prahlerei, Unsicherheit und einem schlechten Selbstvertrauen. In einer Menschensammlung oder in engen, geschlossenen oder überfüllten Räumen fürchten sie sich. Die Gemütsstimmung des Lycopodium-Patienten ist bedrückt und er hat Angst vor der Einsamkeit. Er drückt sich gerne vor der Verantwortung und hat ein großes Freiheitsbedürfnis. Beim Erwachen ist er übellaunig und zum Zorn geneigt. Beim Schreiben und buchstabieren wählt er die falschen Wörter oder macht Fehler. Typische Charaktereigenschaften des Lycopodium-Patienten sind „herrschsüchtig“, „anmaßend“, „anspruchsvoll“ und „rechthaberisch“. [1][4]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Haare von erwachsenen Lycopodium-Patienten ergrauen früh und sie neigen zu Haarausfall oder auch Kahlheit am Kopf. An der Stirn können tiefe Furchen sichtbar sein. Bei Lycopodium-Patienten kann es zu pressenden Kopfschmerzen am Scheitel kommen, bei starken Erkältungen haben sie Kopfschmerzen über den Augen und nach jedem Hustenanfall pulsierende Kopfschmerzen. Morgens beim Aufstehen ist Schwindel möglich. Auch Kopfschmerzen wie vom Zusammenschrauben oder reißende Hinterkopfschmerzen treten auf. [1][5]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Gesicht des Lycopodium-Patienten hat eine graugelbe Farbe mit blauen Ringen um die Augen, das faltig, eingeschrumpft und abgemagert wirken kann. Auf den Augen des Lycopodium-Patienten können auf den Lidern nahe dem inneren Augenwinkel Gerstenkörner sichtbar sein. DerLycopodium-Patient sieht nur eine Hälfte von Gegenständen. Es besteht Tagblindheit, die Nachtblindheit ist noch ausgeprägter. Aus den Ohrenkommen dicke, gelbe, übelriechende Absonderungen, der Lycopodium-Patient neigt zu Ekzemen in und hinter den Ohren. Auch bei Summen und Dröhnen der Ohren mit Schwerhörigkeit kann das Mittel Lycopodium nützlich sein. Es besteht ein Gefühl von Trockenheit hinter der Nase, diese kann verstopft sein. Der Lycopodium-Patient leidet unter Nasenflügelatmung. Der Geruchsinn und auch die Absonderungen sind scharf, der Patient mit Lycopodium-Symptomen hat einen dünnflüssigen Laufschnupfen. Seine Zähne sind berührungsempfindlich, Zahnschmerzen mit Schwellung der Wangen, die durch Wärme gebessert werden, können auf das homöopathische Mittel Lycopodium hinweisen. Es besteht Trockenheit von Mund, Zunge und Rachen ohne Durst. Der Lycopodium-Patient hat Mandelentzündungen, die von rechts beginnen und nach links wandern. Auch Bläschen können auf der Zunge sichtbar sein. [4][5][6]

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Lycopodium-Patient verlangt nach frischer Luft, erkältet sich aber dadurch. Er kann unter kitzelndem Husten, Atemnot oder Zusammenschnürung mit brennendem Schmerz in der Brust leiden. Der Husten ist tief und hohl, der Auswurf sieht grau, dick, blutig oder eitrig aus und schmeckt salzig. Das Mittel Lycopodium kann bei einer verschleppten Lungenentzündung mit starker Atemnot mit Flattern der Nasenflügel und bei Rasselgeräuschen mit Schleim eingesetzt werden. Der Puls des Lycopodium-Patienten ist schnell, besonders nach dem Essen. Auch Herzklopfen, Aortenklappenfehler oder eine krankhafte Aussackung einer Schlagader (Aneurysma) können beim Lycopodium-Patienten auftauchen. [4][5]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Lycopodium-Patient isst hastig und hat Verlangen nach Süßigkeiten in Form von Kuchen oder Gebäck, Herrenpilz, Oliven und anderen Speisen und Getränken, die nicht gut vertragen werden. Die Folge davon ist unvollständiges Aufstoßen, das nur bis zum Rachen geht und dort stundenlang brennt oder die Nahrung wird über die Nase aufgestoßen. Die geringste Nahrungsaufnahme verursacht Blähungen, derLycopodium-Patient leidet unter einem Reizmagen (Dyspepsie) nach Verzehr von Mehlnährmitteln. Die Nahrung schmeckt sauer. Der Stuhl desLycopodium-Patienten ist sehr hart, klein und unvollständig, zudem leidet er an Hämorrhoiden, die bei Berührung sehr schmerzhaft sind. [4]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Urin des Lycopodium-Patienten kommt langsam, er hat Probleme damit, dass die gefüllte Harnblase spontan nicht entleert werden kann. Besonders Kinder, die unter Lycopodium-Symptomen leiden und bei Harndrang durch Schmerz erwachen, schreien heftig vor dem Wasserlassen. Nachts muss der Lycopodium-Patient bei einer krankhaft erhöhten Urinausscheidung (Polyurie) häufig Wasserlassen. Der Urin kann wie roter Sand aussehen. [4][5]

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Weibliche Genitalien: Die Menstruation von Lycopodium-Patientinnen ist zu spät, dauert zu lange und ist reichlich. Die Scheide ist trocken und schmerzt beim Geschlechtsverkehr. Schmerzen im rechten Eierstock, Krampfadern an den Schamteilen und scharfer Weißfluss mit Brennen in der Scheide können einen Hinweis auf das homöopathische Mittel Lycopodium geben. Auch Blutabsonderungen aus dem Schambereich könnten auf das Mittel deuten. [4]

Männliche Genitalien:
Der Lycopodium-Patient kann unter sexueller Erschöpfung und Impotenz leiden und es ist möglich, dass die Erektionskraft vermindert ist. Beim Geschlechtsverkehr kann zum vorzeitigen Samenerguss kommen oder der Lycopodium-Patient schläft beim Geschlechtsakt ein. Im Schambereich sind Genitalwarzen möglich und hinter der Eichelkrone eine gelbliche Feuchtigkeit. Lycopodium-Patienten können Probleme mit einer vergrößerten Vorsteherdrüse haben. [4][5]

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Lycopodium-Patienten leiden möglicherweise unter Taubheit sowie Ziehen und Reißen in den Gliedern, was besonders nachts auftritt. Desweitern kann es nachts zu Krämpfen in den Zehen und Waden kommen, die Glieder schlafen ein und sie zucken und rucken. Der Einsatz des homöopathischen Mittels Lycopodium kann in Frage kommen, wenn der Patient Störungen im Verlauf des Ischias-Nerv hat, die zu Schmerzen und Ausfällen führen können (Ischiassyndrom), die auf der rechten Seite schlimmer sind und der Lycopodium-Patient auf der schmerzhaften Seite nicht liegen kann. Auch bei Rückenschmerzen vor dem Wasserlassen, die nach dem Urinieren verschwinden, kann man das Mittel Lycopodium in Betracht ziehen. [4][5]

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Lycopodium-Patienten haben trockene Haut. Wärme verursacht heftiges Jucken und rissige Ausschläge. Sie leiden unter chronischen entzündlichen Hauterkrankungen (Ekzemen), die mit Harn-, Magen- und Leberstörungen verbunden sind. Es kommt zu Wundheit in den Hautfalten und Eiteransammlungen unter der Haut. Der Lycopodium-Patient leidet unter Pusteln, Pickeln und Mitessern, die sich zu einer Akne (Talgdrüsenerkrankung mit Eiterbildung) ausbilden können. [4][5]

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Lycopodium-Patienten frösteln zwischen 15-16 Uhr, danach leiden sie unter Schweißausbrüchen. Der Schweiß ist klebrig und übelriechend. Besonders an den Füßen und unter den Achselhöhlen stinkt dieser nach einer „wie nach Zwiebel riechenden Ausdünstung“. Wenn Lycopodium-Patienten frieren, haben sie das Gefühl auf Eis zu liegen. Einem Fieberschauer folgt der nächste. [4][5]

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Lycopodium-Patienten fahren während dem Schlafen hoch und sind während des Tages benommen. Babys, denen Lycopodium nützlich sein könnte, schlafen den ganzen Tag und schreien die ganze Nacht. Lycopodium-Patienten haben ängstigende Träume von tödlichen Unfällen, sie können mitten im Schlaf laut auflachen oder weinen. [4]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vis Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Carbo vegetabilis

Carbo vegetabilis, die Holzkohle hat einen großen Bezug zu den Verdauungsorganen. Auch der Carbo vegetabilis-Patient hat einen geblähten Bauch mit lauten Darmgeräuschen und durch Abgang von Blähungen oder Aufstoßen verbessern sich die Symptome. Desweiteren hat er ebenso Verlangen nach frischer Luft. Der Unterschied zum Lycopodium-Patienten besteht darin, dass er unter Kollapsneigung mit Schwäche, eisiger Kälte und bläulicher Hautverfärbung leidet und die Luft am liebsten zugefächelt bekommen möchte. [2][5]

Nux vomica

Nux vomica gehört zu den Brechnussgewächsen. In der Homöopathie wird der reife, getrocknete Samen verwendet. Reizbarkeit und Wut durch geringfügige Anlässe können auch auf Nux vomica hinweisen. Nux vomica hat, wie Lycopodium, Magenbeschwerden nach zu viel Essen und verträgt keinen Kleiderdruck. Genau wie bei Lycopodium, hat der Nux vomica-Patient Verlangen nach warmen Speisen und Getränken. Im Unterschied zuLycopodium hat der Nux vomica-Patient eine rote Gesichtsfarbe, wenn er zornig ist. Er verlangt nach Stimulanzien wie Kaffee, gegen die derLycopodium-Patient eine Abneigung hat. Der Nux vomica-Patient hat eine ausgeprägte Kälteempfindlichkeit, sogar das Anheben der Decke wird nicht vertragen. [1][2]

Sepia

Das homöopathische Mittel Sepia wird aus der Tinte des Tintenfisches hergestellt. Es hat, wie Lycopodium einen Bezug zu den Harnorganen. Im Urin des Sepia-Patienten kann, wie bei Lycopodium-Patienten, roter Sand im Urin sichtbar sein. Auch Sepia-Patienten werden reizbar und wütend durch Widerspruch. Sie haben ähnlich wie Lycopodium-Patienten Beschwerden nach dem Essen und frische Luft bessert diese. im Gegensatz zuLycopodium sind ihre Beschwerden aber linksseitig. Zudem haben sie Verlangen nach körperlicher Anstrengung und Bewegung und Wärme bessert die Symptome. [2][5]

Anacardium orientale

Für das homöopathische Mittel Anacardium orientale (Ostindischer Elefantenlausbaum) werden die reifen getrockneten Früchte verwendet. Anacardium orientale hat, wie Lycopodium, einen Bezug zu Beschwerden des Magen-Darm-Trakts, der Haut und der Psyche. Auch Anacardium-Patienten leiden unter Minderwertigkeitsgefühlen und entzündlichen Hauterkrankungen. Desweiteren leiden sie, wie Lycopodium, unter Verdauungsbeschwerden und der Bauch ist aufgetrieben. Im Unterschied werden Verdauungsbeschwerden beim Anacardium-Patienten durch Essen gebessert. Anacardium-Patienten leiden auch unter häufigem Harndrang, der Urin ist aber wasserhell mit trübem, schmutzigem, lehmfarbenem Bodensatz. [4][5]

Hintergrundinformationen

Lycopodium, der Keulenbärlapp wächst auf trockenen Heiden und Mooren, Gebirgswiesen und in Nadelwäldern in ganz Europa mit Ausnahme der Mittelmeerregionen bis auf 2300 Meter Höhe. Lycopodium ist eine ca. 350-400 Millionen Jahre alte Pflanze, die einmal Baumgröße besaß, aber heute nur noch schlangengleich mit meterlangen, dicht beblätterten Stängeln am Boden entlang kriecht. Eine Bärlapp-Pflanze benötigt bis zur vollen Entwicklung 12 bis 20 Jahre. Die Pflanze ist trocken, dürr und bekannt für ihre wasserabstoßende Eigenschaft, die früher dafür ausgenutzt wurde, um Pillen darin zu rollen. Die Sporen verhinderten das Aneinanderkleben der Pillen. Die Sporen von Lycopodium sind außerdem außergewöhnlich hart, man braucht Stunden, um die Umhüllung der Sporen zu entfernen. Die weichen Kerne der Sporen, die wie feines, gelbes Pulver aussehen, werden auch als „vegetabilischer Schwefel“ bezeichnet, da es Sulfur im Aussehen sehr ähnelt. Wenn man eine Handvoll Sporen anzündet, entflammt ein heller Blitz, so finden sie Verwendung in Feuerwerken und auf der Bühne, um helle Blitze zu erzeugen. Lycopodium wurde schon im 16. Jh. vielfach als Wundpuder bei Nieren-, Blasen- und Lebererkrankungen sowie bei Gicht, Rheuma, Ruhr und Rachitis angewendet. Am Körper getragen sollte die Pflanze vor bösen Hexen und Alpträumen bewahren, daher stammen seine altertümlichen Namen wie „Hexenkraut”, „Drudenkraut” und „Teufelsklaue”. [2][3]