Globuli von J bis L

Kalmia Globuli

© panthermedia.net / Melinda Fawver

Kalmia latifolia, der Berglorbeer (In den USA nennt man den Berglorbeer auch Sporenholz) gehört zur Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae) und wächst in Nordamerika. Das homöopathische Mittel wird zur Blütezeit im Mai/Juni aus einer Tinktur der frischen Blättern hergestellt.[1]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Das Mittel wird angewendet bei akuten Nervenschmerzen, Rheumatismus und Gicht, besonders wenn das Herz als Folge dieser Erkrankungen geschwächt ist. Augenerkrankungen, Schwindel und Kopfschmerzen gehören ebenso zum Symptombild der Arznei, wie eine Taubheit der betroffenen Körperteile. Die Schmerzen sind in der Regel stechend, abwärts schießend oder drückend.[2]

Wo wirkt es?: Hauptangriffspunkte von Kalmia sind das Nervensystem, das Herz-Kreislauf-System sowie der Stütz- und Bewegungsapparat.

In welchem Alter?: Die Arznei kann bei entsprechenden Beschwerden eingesetzt werden und ist nicht an einer bestimmten Altersgruppe gebunden. Allerdings treten die zutreffenden Erkrankungen eher im Alter auf.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Häufig bestehen rheumatische Schmerzen, die rasch hin und her wandern und von einem Gelenk zum anderen ziehen. Sie fangen in der Regel oben an und wandern nach unten. Die Gelenke können gerötet und geschwollen sein. Es besteht Übelkeit in Kombination mit einem langsamen Puls. Kalmia hat eine große Wirkung auf das Herz und beeinflusst den Herzschlag. Die Betroffenen leiden unter Nervenschmerzen (Neuralgien) mit nach unten schießenden, blitzartigen Empfindungen vor allem in der rechten Gesichtshälfte. Es treten vermehrt Schmerzen in den Augen mit einem Gefühl von Steifheit auf. Ein sich hinziehendes und anhaltendes Fieber ist möglich. Gefühle der Lähmung und Schmerzen in den Gliedern kommen bei fast allen Symptomen vor.[1]

Verbesserung: Die Beschwerden werden besser durch Essen, bei bewölktem Wetter, bei fortgesetzter Bewegung, in zurückgebeugter Lage und bei Rückenlage.

Verschlechterung: Sie werden schlimmer durch Bewegung, beim Liegen auf der linken Seite, Bücken und Abwärtssehen, bei Hitze und Kaltwerden. Die Schmerzen steigen und fallen mit der Sonne.[3]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Betroffenen können mürrisch und gereizt sein, vor allem am Morgen und am Abend. Sie sind häufig ruhelos und möchten nicht angesprochen werden. Das Sprechen anderer stört sie. Sie haben Angst vor der Zukunft und befürchten, dass etwas Schlimmes geschehen könnte. Oft besteht ein Gefühl der Traurigkeit, aber sie möchten nicht getröstet werden. Geistige Verwirrung, Gedächtnisschwäche und Konzentrationsstörungen sind möglich.[2]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Schwindel mit Kopfschmerzen, Trübung des Sehvermögens. Die Kopfschmerzen beginnen im Nacken und ziehen über den Kopf bis ins Gesicht.[3]

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es bestehen heftige, stechende Schmerzen im Auge sowie in der Augenhöhle. Um die Augen herum tritt dabei häufig ein schmerzhaftes Gefühl von Steifheit auf. Die Schmerzen werden stärker beim Bewegen der Augen. Es können Entzündungen der Iris(Iritis) oder Lederhaut (Skleritis) auftreten.[3] Starke Nervenschmerzen im Gesicht, besonders rechtsseitig, sind möglich. Kalmia-Kranke haben oft eine fahle Gesichtsfarbe.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Patienten haben einen schwachen, langsamen, zittrigen Puls. Von Herzklopfen und Herzflattern mit einem Angstgefühl einhergehend wird berichtet. Atemnot und ein Druck vom Oberbauch zum Herzen ist möglich. Die Herzschmerzen können bis in die linke Hand ziehen und so stark sein, dass sie den Atem nehmen.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es kann ein bitterer Mundgeschmack, der mit Übelkeit einhergeht, bestehen. Ein Schmerz in der Magengrube ist möglich, der durch Aufrechtsitzen gebessert und durch Bücken verschlimmert wird.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Kalmia-Patient muss vermehrt Wasserlassen, dies geht einher mit starken Schmerzen im Lendenbereich. Der Urin kann Eiweiß (Albuminurie) enthalten.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Monatsblutung kann ausbleiben oder zu früh einsetzen und mit starken Schmerzen im ganzen Körper einhergehen.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es bestehen rheumatische Schmerzen, die von oben nach unten wandern. Oft fangen sie im Hals an und ziehen den Rücken hinunter. Die Patienten berichten über ein Gefühl, als ob das Rückgrat brechen würde und über Lendenschmerzen nervösen Ursprungs. Sie haben eine Empfindung von Schwäche, Taubheit, Prickeln und Kälte in Armen oder Beinen. Vom linken Arm ziehen Schmerzen bis in den kleinen oder Ringfinger hinunter. Die Gelenke können rot, heiß und geschwollen sein. Ein wichtiges Merkmal der Arznei ist, dass die Schmerzenschlimmer werden durch die geringste Bewegung und plötzlich die Stelle wechseln oder von Gelenk zu Gelenk wandern.[2]

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es kann ein sich über lange Zeit hinziehendes Fieber bestehen

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Betroffenen sind häufig schlaflos, drehen sich immer wieder um oder wachen morgens sehr früh auf.[3]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Spigelia anthelmia

Auch bei Sigelia-Patienten bestehen schwerste Gesichtsnervenschmerzen, allerdings mehrlinks. Schmerzen in den Augen, die bei Bewegung schlimmer werden, sind ebenfalls ein Kennzeichen von Spigelia. Während bei den Kalmia-Patienten, ein Gefühl von Steifheit um die Augen herum auftritt, sind die Augenschmerzen bei Spigelia, als seien diese zu groß für die Augenhöhlen. Beide Mittel können eine starke Wirkung auf das Herz haben und hilfreich bei Herzleiden rheumatischen Ursprungs sein. Im Gegensatz zu Kalmia ist bei Spigelia-Kranken die Herzfrequenz fast ausschließlich erhöht.

Ledum palustre

Die rheumatischen Schmerzen von Ledum beginnen in den Füßen und wandern dann aufwärts – in umgekehrter Richtung wie Kalmia . Die Gelenkschwellungen sind blass, manchmal wässrig angeschwollen und die Schmerzen verschlimmern sich nachts in der Bettwärme. Entblößen und kaltes Wasser lindern die Beschwerden.[5]

Pulsatilla pratensis

Pulsatilla gehört zu den großen Mitteln in der Homöopathie. Ein häufiges Kennzeichen sind die sich rasch ändernden Beschwerden. So sind bei Pulsatilla-Patienten rheumatische Beschwerden, die von einem Gelenk zum andern wechseln möglich. Es besteht eine Weinerlichkeit oder sich schnell ändernde Gemütsverfassung, wie auch wenig Durst.[6]

Hintergrundinformationen

Der Berglorbeer ist ein bis zu neun Meter hoch wachsender Strauch, der im östlichen Teil Nordamerikas beheimatet ist und in Höhenlagen bis 1900 Meter gedeiht. Die Blüten sind meist rötlich gefärbt. In den USA nennt man den Berglorbeer auch Spurwood, „Sporenholz“, da die Indianer ihre Sporen daraus herstellten. Die Blätter sind giftig und verursachen Reizungen der Mundschleimhäute, allergische Reaktionen, Übelkeit, Desorientierung, Schweißausbrüche sowie Magen- und Darmbeschwerden mit Durchfall. In schweren Fällen verlangsamt sich der Herzschlag und durch Atemlähmung kann es zum Tod kommen.[7][8]