Globuli von G bis I

Ipecacuanha Globuli

© PantherMedia / Heike Rau

Das Homöopathikum Ipecacuanha ist ein Einzelmittel, das bei allen Beschwerden eingesetzt werden kann, die mit Brechreiz und Übelkeit einhergehen. Es wird durch Trituration (Verreibung) aus dem Wurzelteil einer Pflanze namens Brechwurz hergestellt und ist in allen Potenzen erhältlich.

Ipecacuanha wirkt besonders auf den Magen-Darm-Trakt und die Atemwege. Der typische Ipecacuanha-Patient ist wenig geduldig, übellaunig und reizbar. Er leidet häufig unter Migräne oder sogenannten gastrischen (den Magen betreffende) Kopfschmerzen, die mit Übelkeit und Erbrechen oder Nasenbluten einhergehen. Häufig weisen die Betroffenen auch Unverträglichkeiten in Form von Magenbeschwerden und Koliken (starke, meist wellenförmig auftretende Schmerzen) nach dem Verzehr von Obst und fettigem Essen, Schweinefleisch, Eiscreme und kalten Getränken auf. [1] Am häufigsten werden die Potenzen von D6 bis D12 eingesetzt.[2]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Ipecacuanha wird bei Personen verwendet, deren Beschwerden mit Übelkeit einhergehen, sich durch Erbrechen aber nicht bessern.
Den typischen Patienten zeichnen Ungeduld und schlechte Laune aus. Er wirkt oft mürrisch und gereizt oder verschwitzt und ängstlich. Die Gesichtshaut ist aufgedunsen oder eingefallen und um die Augen bilden sich häufig blaue Augenringe. Kopfschmerzen gehen mit Übelkeit einher und können sich bis zur Migräne steigern. Alle Ausscheidungen, unabhängig ob es sich um das Blut der Monatsblutung (Menses), Stuhl oder Speichel handelt, sind hell und werden in großen Mengen abgegeben.[4] Das Mittel ist außerdem besonders für Frauen mit Blutungen im Bereich der Geschlechtsorgane geeignet.
  

Wo wirkt es?: Ipecacuanha weist eine starke Affinität zum Sympathikus (ein Teil des autonomen Nervensystems) auf und erzeugt Störungen des Gastrointestinaltrakts (Magen-Darm-Trakt) sowie Atembeschwerden mit anhaltender Übelkeit. Das homöopathische Pendant findet deshalb bei einer Vielzahl von Beschwerden Anwendung, die mit Übelkeit und Kurzatmigkeit einhergehen.
 

In welchem Alter?: Die Anwendung dieses Homöopathikums ist in allen Altersklassen möglich. Babys und Kleinkinder sollten aber vor jeder Selbstbehandlung einem Arzt vorgestellt werden

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Da Ipecacuanha stark mit allen von Übelkeit und Erbrechen begleiteten Beschwerden verbunden ist, finden sich auch überwiegend Symptome dieser Art in den Leitsymptomen wieder:

  • Der Ipecacuanha-Patient leidet oft unter Krämpfen, die von Übelkeit und Erbrechen begleitet werden. Die Schmerzen fühlen sich schneidend an, besonders um den Nabel herum.
  • Er neigt zu Angstattacken, wenn er Fieber hat. Meist ist eine Temperaturerhöhung auch begleitet von Erbrechen und Übelkeit. Bei Schüttelfrost tun ihm alle Glieder weh und auch hier reagiert der Ipecacuanha-Patient mit Übelkeit und Erbrechen. Er reagiert auf jegliche Temperaturschwankungen sehr empfindlich. 
  • Auch Nahrungsmittelvergiftungen sind typisch für ihn. Generell verträgt er viele Nahrungsmittel nicht und reagiert darauf mit Koliken und Stühlen wie schaumiger Melasse.
  • Das Gesicht erscheint eingefallen. Die eine Gesichtshälfte ist heiß, die andere kalt.
  • Während einer Erkältung neigt er zu Heiserkeit durch unaufhörlichen und heftigen Husten bei jedem Atemzug. Dabei kann es auch zu Bluthusten (Hämoptyse) kommen. Starker Husten reizt ihn zum Würgen und Erbrechen.
  • Betroffene klagen oft über Migräne oder gastrische Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen. Es kann auch mit Nasenbluten einhergehen, das sehr hell und reichlich fließt.
  • Der Patient verspürt Atemnot mit einem Gefühl der Einschnürung in der Brust und ?schnappt trotz offenem Fenster nach Luft. In der Brust ist oft ein lockeres und grobes Rasseln zu vernehmen, obwohl der Husten ohne Auswurf erfolgt. Lungenblutungen gehen mit Übelkeit einher.
  • Oft klagt er über ein flaues Gefühl im Magen und verspürt starke Abscheu gegen jegliche Art von Nahrung. Durch den Geruch von Speisen wird ihm schlecht.
  • Er neigt zu Gastroenteritiden (Schleimhautentzündungen von Magen und Dünndarm) und starker Übelkeit, die auch durch Erbrechen keine Linderung erfährt. Kommt es zum Erbrechen, dann entladen sich oft Blut, Speisen und Schleim.
  • Frauen neigen zu Übelkeit und Erbrechen während Schwangerschaft und Menstruation. Die Menses geht zudem meist mit Krämpfen einher. Ipecacuanha wird auch bei Uterusblutungen und drohendem Abort verwendet. Treten Schmerzen auf, dann ziehen diese meist vom Nabel zum Uterus.
  • Die Zunge ist auch bei Magen-Darm-Störungen sauber und nicht belegt.

Verbesserung: Eine Verbesserung erfahren Betroffene im Freien, durch Ruhe, Druck, beim Augenschließen und durch den Genuss kalter Getränke.

Verschlechterung: Verschlechtert werden die Beschwerden besonders durch Drogen und Morphium. Aber auch zu viel Essen und Erbrechen wirken sich negativ aus. Liegen, Bewegung, gemischte Speisen sowie Eiscreme, Schweine- und Kalbsfleisch, Obst und Rosinen, Salat und Kälte bringen eine Verschlimmerung. Die Wintermonate werden ebenso schlecht vertragen wie allzu trockenes Wetter. Generell werden Wärme und Feuchtigkeit, egal ob im Freien oder in geschlossenen Räumen, von Betroffenen als eher unangenehm empfunden.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Gemüt von Ipecacuanha ist typischerweise geprägt von Schwermut und Niedergeschlagenheit. Er ist oft mürrisch und reizbar, reagiert ungeduldig und wirkt verdrießlich. Als Mensch voller Verlangen weiß er jedoch nicht, wonach es ihm verlangt. Er empfindet Widerwillen gegenüber allem, ist hochmütig und kritisierend. Lärm verträgt er sehr schlecht. Mit seinem Hang zu Wahnideen hält er sich selbst für einen unglücklichen Menschen und neigt zu Hypochondrie (übertriebene Angst, krank zu werden), Zornesausbrüchen und Angstattacken, besonders wenn er Fieber hat. Kinder weinen und schreien unaufhörlich.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Stirn ist oft mit kaltem Schweiß bedeckt, die Wangen sind rot und imKopf besteht ein klopfendes Hitzegefühl. Das Klopfen ist besonders hinter der Stirn lokalisiert. Ipecacuanha neigt zu Migräne und (gastrischen) Kopfschmerzen mit Übelkeit, Erbrechen und Nasenblut. Der Kopfschmerz fühlt sich an, als würde das Gehirn zusammengedrückt werden oder als wären die Schädelknochen zermalmt worden. Der Schmerz kann sich außerdem über den Hinterkopf zum Nacken, über das linke Auge oder in Zähne und Zungenwurzel fortsetzen.
Betroffene leiden oftmals unter Augenentzündungen oder Geschwüren. Nahes Sehen ermüdet die Augen und bei Erkältungen sind die Lider rot und geschwollen. Die Pupillen können geweitet sein und die Augen starr nach rechts gedreht erscheinen. Augenbewegungen und Tränenfluss können Übelkeit verursachen. Die Beschwerden werden durch Licht, selbst Kerzenlicht, verschlechtert. Die Ohren sind sehr kälteempfindlich und vertragen auch leise Geräusche nicht. Bei Schüttelfrost klappern die Zähne. Wenn Karies besteht, dann fühlen sich die Zahnschmerzen an, als wäre der Zahn herausgerissen worden.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Das Gesicht kann aufgedunsen oder eingefallen wirken. Während eine Gesichtshälfte meistens heiß ist, fühlt sich die andere kalt an. Die Haut ist blass und um die Augen und Lippen herum bläulich. Bei Schüttelfrost sind auch die Lippen selbst blau.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Nasenbluten ist eine der häufigeren Beschwerden von Ipecacuanha-Patienten. Besonders Husten, Erkältungen und Kopfschmerzen können es auslösen. Dabei tritt reichlich hellrotes Blut aus der Nase und der Geruchssinn ist eingeschränkt.
Leidet der Patient unter einer Halsentzündung, dann fühlt sich der Halsgeschwollen an, das Schlucken ist erschwert und die Schleimhaut fühlt sich rau, trocken und wund an. Tonsillen (Mandeln) und Rachen sind tiefrot, es besteht ein Kitzeln im oberen Bereich des Kehlkopfs. Am Ende einer Erkältung kommt oftmals Heiserkeit hinzu. Durch das trockene Gefühl im Hals besteht ein beständiger Würgereiz.

Die Brust fühlt sich an, als sei sie voller Schleim, der auch durch Husten nicht verschwindet. Über der Lunge ist dabei ein lockeres, grobes Rasseln zu hören. Es besteht ein Gefühl der Atemnot mit andauernder Einschnürung in der Brust. Selbst bei offenem Fenster schnappt dieser Patient noch nach Luft. Kinder können unter erstickendem Husten leiden und sich dabei versteifen. Das Gesicht erscheint dann meistens bläulich. 

Beschwerden am Herzen haben diese Patienten selten. Falls sie auftreten, dann in Form von Herzschmerzen mit nachfolgendem großen Durstempfinden. Manchmal ist auch der Puls beschleunigt.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Durch vermehrte Speichelbildung ist der Mund beständig feucht. Der Geschmack wird als erdig, bitter, blutig oder süßlich beschrieben. Kleine Kinder stecken ihre Fäuste in den Mund und schreien während des Zahnens. Die Zunge ist meistens sauber und nicht belegt, kann aber auch gelblich oder weiß aussehen. Ist sie belegt, dann in der Regel nur in der Mitte. Die Schleimhaut an den Rändern ist rot. Ipecacuanha-Menschen klagen über ein flaues Gefühl im Magen und drückenden Magenschmerz. Sie neigen zu Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis) und Nahrungsmittelvergiftungen und leiden unter starker Übelkeit, die durch Erbrechen nicht gelindert wird. Sie haben das Gefühl ständig von einem Gefühl der Übelkeit begleitet zu werden. Sie wird durch sich bewegende Gegenstände und den Geruch von Essen, durch Bewegung und Husten ausgelöst. Es kann zu Erbrechen von Blut, Galle Speisen oder Schleim kommen. Kaltes Trinken und Rauchen können einen Würgereiz nach sich ziehen. Säuglinge erbrechen sich häufig beim Stillen an der Brust. Im Bauchraum auftretende Krämpfe und Blähungskoliken resultieren in häufigen, lockeren Stühlen. Kalte Getränke, saures oder unreifes Obst, Bier und Eiscreme können diese auslösen. Ein starker, schneidender Schmerz besteht im gesamten Bauch und ist um den Nabel herum am stärksten. Koliken bei Kindern gehen mit Durchfall, starker Ruhelosigkeit und Schreien einher.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Wenn dieser Patient Schmerzen im Bereich der Nieren hat, dann schießen diese meist über die Oberschenkel in die Knie ein. Beim Wasserlassen kann ein brennendes Gefühl auftreten, während der Urin rötlich oder trübe mit roten Ablagerungen austritt. Auch diese Beschwerden können mit Übelkeit einhergehen.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Ipecacuanha ist bevorzugt bei Frauen anwendbar, wenn diese unter Krämpfen und Übelkeit während der Menstruation leiden. Das Mittel affiziert (einwirken) auch den Uterus, sodass es bei Uterusblutungen, vom Nabel zum Uterus ziehenden Schmerzen und drohendem Abort helfen kann. Es wird zudem bei bestehender Plazenta praevia (eine Fehllage der Plazenta) und arteriellen Blutungen durch eine teilweise Ablösung der Plazenta empfohlen.

Bewegunsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei Schüttelfrost treten meist auch Gliederschmerzen auf. Hände und Füße sind kalt und gelegentlich taub, als wären die Glieder eingeschlafen.
Rückenschmerzen können beim Urinieren stärker werden. Bei Bewegung ist zwischen den Schulterblättern ein Krampf zu spüren.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Haut ist blass und schlaff. Wenn Juckreiz besteht, dann kann dieser nicht durch Kratzen gelindert werden. Ipecacuanha kann auch bei Scharlach und herpesartigen Ausschlägen verwendet werden.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der typische Patient schwitzt viel, besonders in der Nacht. Der Schweiß ist kalt und klebrig und tropft von Händen und Füßen. Er färbt die Wäsche gelblich. Saurer Schweiß geht mit trübem Urin einher.
 
Kurzes Frösteln und langes Hitzeempfinden wechseln sich stetig ab und sind mit Übelkeit, Erbrechen und Atemnot assoziiert. Der Betroffene fühlt sich matt, schlapp und beklommen. Tritt Fieber auf, dann wird auch dieses von Erbrechen und Übelkeit begleitet. Kleinkinder leiden unter wiederkehrenden Fieberschüben.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Betroffene leiden unter Schlaflosigkeit und haben Schwierigkeiten beim Einschlafen, da sie Stöße in allen Gliedern zu spüren meinen. Finden sie in den Schlaf, dann ist dieser meist unruhig und nicht erfrischend. Wenn man sie im Schlaf beobachtet, dann sieht man, dass sie die Augen halb geöffnet haben und beständig ächzen und stöhnen. Schlafmangel verursacht bei ihnen Erschöpfung und Übelkeit.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Typha latifolia

Ein Homöopatikum aus dem Breitblättrigen Rohrkolben. Sie kann bei Dysenterie (entzündliche Darmerkrankung) und Diarrhoe (Durchfall), besonders wenn diese Beschwerden im Sommer auftreten, hilfreich sein.

Euphorbia hypericifolia

Grobgefleckte Wolfsmilch. Sie ist Ipecacuanha sehr ähnlich und kann statt ihrer bei einer Reizung der Atemwege, des Verdauungstrakts (Gastrointestinaltrakts) und der weiblichen Organe verwendet werden. Zur Herstellung wird die ganze Pflanze verarbeitet.

Lippia mexicana

Mexikanisches Lippienkraut. Es stellt eine Alternative zu Ipecacuanha bei hartnäckigem, trockenem und hartem Husten, Asthma bronchiale und chronischer Bronchitis dar.

Bei Durchfall und Krämpfen im Magen-Darm-Bereich (Koliken) können folgende Mittel alternativ verwendet werden:

Lobelia inflata

Ein Glockenblumengewächs namens Indianertabak. Es werden alle Teile der frisch blühenden Pflanze zur Herstellung verwendet. Typisch sind Bauchschmerzen, die nach dem Essen schlimmer werden und weicher, teils grünlicher Stuhl, der nur beschwerlich abgeht.[8]

Emetikum

Diesem Mittel liegt das in Ipecac enthaltene, vorherrschende Alkaloid (eine basische Verbindung) zugrunde. Es wirkt stark gegen Amöbenruhr (infektiöse Durchfallerkrankung durch den Erreger Entamoebia histolytica) und kann bei Diarrhoe mit begleitender Kolik und Übelkeit angewandt werden.

Arsenicum album

Statt Arsen wird zur Zubereitung speziell zubereitetes Arsen(III)-Oxid verwendet. Während die Beschwerden bei Ipecacuanha durch Wärme schlechter werden, bessern sie sich bei Arsenicum album. Der Durchfall kann nach dem Genuss kalter Speisen auftreten und ist meist mit schmerzhaftem Stuhldrang verbunden.[9]

Pulsatilla nigricans

Die Wiesenanemone oder Wiesen-Kuhschelle. Verwendet wird die in Blüte stehende, frische Pflanze. Sie kann besonders bei wechselnden Stühlen zum Einsatz kommen.

Tabacum

In der Homöopathie werden die getrockneten Blätter des virginischen Tabaks verwendet. Durchfall tritt meist plötzlich auf und ist breiig und gelblich oder grünlich. Kleidung im Bauchbereich wird als störend empfunden. Bestehende Blähungen können im Bauch wandern.[10]

Chamomilla

Ihm liegt die Kamille zugrunde. Es findet unter anderem Anwendung bei grünschleimigen Stühlen und schlechtem Geruch. Darüber hinaus wird es gern bei Kindern angewendet, wenn Durchfall  und Zahnen eine Rolle spielen.

Antimonium tartaricum

Brechweinstein. Das Homöopathikum wird aus dem Übelkeit verursachenden Antimon(III)-Kaliumtartrat hergestellt. Dieses Mittel passt auch gut zu alten Leuten und kleinen Kindern, die schwach, blässlich und krank aussehen. Bei Durchfällen tritt Hitzegefühl am Anus auf.

Squilla maritima

Ein Homöopathikum aus der Meereszwiebel. Es ist gekennzeichnet durch häufig auftretende, schmerzhafte und übelriechende Blähungen. Der Bauchschmerz ist schneidend und der Durchfall wässrig oder schleimig mit schaumigen Blasen.[11]

Convallaria majalis

Dem Mittel liegen blühende Maiglöckchen zugrunde. Es kann bei eher unruhigen Typen angewandt werden, die Schmerzen im Bauch haben, wie wenn sich die Faust eines Kindes darin bewegt.


Mit Ipecacuanha vergleichbare Mittel zur Anwendung bei Asthma sind:

Lobelia inflata

Typisch ist Asthma, das sich bei Anstrengung verschlechtert und mit einem Schwächegefühl in der Magengrube einhergeht.[12]

Blatta orientalis

Ein beliebtes Mittel bei Asthmapatienten. Es kann besonders bei Asthma mit schleimig-eitrigem Auswurf verwendet werden. Hergestellt wird es aus ganzen Küchenschaben.[13]

Hintergrundinformationen

Die Brechwurzel (Carapichea ipecacuanha) aus der Gattung der Carapichea gehört der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae) an. Diese etwa 50 cm große Pflanze ist in den tropischen Regenwäldern von Mittel- und Südamerika beheimatet. Der immergrüne Strauch trägt weiße Blüten und schwarze, erbsengroße Früchte. In der Medizin und der Homöopathie finden jedoch nur die zahlreichen dünnen und recht kurzen Wurzeln Verwendung, die im Januar und Februar geerntet werden. Die enthaltenen Alkaloide wirken sekretionsfördernd, in höherer Dosierung emetisch (Würgereflex auslösend) und stimulierend auf den Parasympathikus (ein Teil des autonomen Nervensystems). In der klassischen Schulmedizin wird die Wurzel als Sirup jenen Patienten verabreicht, welche unter festsitzendem Husten oder Sommerdurchfällen leiden, oder wenn nach einer Vergiftung ein Erbrechen notwendig ist. Schleim in den Atemwegen kann durch die Einnahme verflüssigt werden. Der Sirup wird außerdem als Abführmittel verwendet. Nicht angewendet werden darf er bei Säuglingen unter 8 Monaten und im Falle von Vergiftungen, bei denen nicht erbrochen werden darf. Das trifft zu, wenn etwa Säuren oder Waschmittel verschluckt wurde.

Alternativ ist die Brechwurzel auch unter dem Nahmen Ruhrwurzel bekannt.[14]

Die auswurffördernde Wirkung der Brechwurzel war bereits im 17. Jahrhundertbekannt und wurde zur Behandlung von Darmerkrankungen verwendet. Die besonders in der Wurzel enthaltenen Alkaloide führen bei Einnahme zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Den Namen Ipecacuanha stammt ursprünglich aus der Sprache der Tupí (i-pe-kaaguéne) und bedeutet so viel wie „krankmachende Pflanze vom Wegesrand“.

Da die Brechwurzel stark toxisch ist, sind auch homöopathische Mittel bis einschließlich der Potenz D3 verschreibungspflichtig.[15]