Globuli von G bis I

Hyoscyamus Globuli

© PantherMedia / Erich Teister

Das homöopathische Mittel Hyoscyamus niger wird aus der gleichnamigen Pflanze, zu Deutsch Bilsenkraut, gewonnen. Dieses in Europa und Asien wachsende Nachtschattengewächs (Solanaceae) enthält die pflanzlichen Wirkstoffe Hyoscyamin und Atropin, die bereits seit der Antike als Gift- und Heilstoffe verwendet werden. Hyoscyamus wirkt vor allem auf das zentrale Nervensystem sowie auf die Atemwege und wird bei psychischen Erkrankungen und Bronchitis eingesetzt.[1] Dank der nebenwirkungsarmen Wirkweise eignet sich das Präparat zur Selbstbehandlung und kann auch von Schwangeren und Stillenden eingenommen werden.[2]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Hyoscyamus wird vor allem bei psychischen Erkrankungen verabreicht. Dabei stellen vor allem manische Zustände, Psychosen und Epilepsieneine Heilanzeige dar. Die Patienten zeichnen sich durch Übererregbarkeit aus und leiden an Muskelkrämpfen mit ausgeprägten Zuckungen sowie Zittern (Tremor). In Folge des Kontrollverlustes der Muskulatur kann es auch zu unwillkürlichem Abgang von Harn und Stuhl kommen. Diese Inkontinenz zeigt sich besonders im Zuge eines epileptischen Anfalls, bei dem durch gesteigerte Aktivität der Nerven (neuronale Aktivität) in einer oder beiden Gehirnhälften ein Krampfanfall ausgelöst wird.[3] Auch eine Manie, das heißt eine anormal gehobene Stimmung über einen gewissen Zeitraum, oder eine akute, organisch bedingte Bewusstseinseintrübung (Delir) kann mit der Einnahme von Hyoscyamus behandelt werden. Außerdem kann bei Patienten mit Hydrophobie, der Angst vor Wasser, oder ausgeprägtem Argwohn und Eifersucht Hyoscyamus eingesetzt werden.
Meist liegt ein psychisches Ereignis oder ein Trauma vor, die die beschriebenen Symptome auslösen.[1]
Weitere Heilanzeige für Hyoscyamus niger ist nächtlicher, krampfartiger Husten, der von Schleimansammlungen im Kehlkopf begleitet sein kann. Hierbei verkrampfen sich die Bronchien spastisch. Durch den Schleim kommt es außerdem zu Heiserkeit, die durch die Einnahme von Hyoscyamus verringert werden kann.[2]

Wo wirkt es?: Die Einnahme von Hyoscyamus niger hat positive Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem (ZNS), zu dem das Gehirn und das Rückenmark gehören, sowie auf die Atemwege. Im ZNS wirkt es der Übererregbarkeit von Nerven und somit Muskelkrämpfen entgegen und gleicht gesteigerte neuronale Aktivitäten aus. Die Bronchien werden durch Hyoscyamus erweitert und dadurch wird einer Verschleimung der Atemwege entgegengewirkt.[1][2]

In welchem Alter?: Hyoscyamus niger kann in jedem Alter angewendet werden, da es sehr nebenwirkungsarm ist. Auch Schwangere und Stillende, sowie kleine Kinder können das homöopathische Mittel in der empfohlenen Dosierung einnehmen.[2] Vor allem auch ältere Menschen, die unter Demenz leiden, können von der Therapie mit Hyoscyamus profitieren.[4]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die bereits beschriebenen Symptome müssen bei jedem Patienten sorgfältig beobachtet werden. Folgende beispielhafte Patientencharakterisierungen stellen eine eindeutige Heilanzeige für die Therapie mit Hyoscyamus dar:[5][6] Der Patient wird während eines nächtlichen epileptischen Anfalls rot im Gesicht, leidet unter heftiger Erregung und Zuckungen, nach dem Anfall liegt er wie tief betäubt da. Bei dem Patienten ist eine Epilepsie bekannt, er ist gereizt, verlangsamt, spöttisch und hat ein großes Selbstbewusstsein.Der Patient leidet unter Halluzinationen, dabei hält er wild nach Feinden Ausschau, flieht vor ihnen und versteckt sich. Er hat das Gefühl, von Dämonen verfolgt oder von seinen Feinden aufgefressen zu werden. Die Feinde sind weder da, noch waren sie je anwesend. Der Patient leidet unter Halluzinationen und gibt an, er habe Unzucht verübt. Der Patient leidet unter Halluzinationen und sieht Tiere, vor allem Gänse und Schlangen. Er hält die Menschen für Schweine. Der Patient hustet vor allem nachts, der Husten ist trocken und krampfhaft. Der Patient ist auffallend blass. Der Patient singt, tanzt und gestikuliert stark. Er ist auffallend unruhig. Der Patient hat Angst vor fließendem Wasser. Der Patient leidet unter Inkontinenz. Der Patient befindet sich in einem Delir, das Bewusstsein ist eingetrübt und er hat Orientierungs- und Wahrnehmungsstörungen. Der Patient ist argwöhnisch und eifersüchtig.

Verbesserung: Der bronchialen Beschwerden des Patienten bessern sich durch Hinsetzen sowie Bücken.

Verschlechterung: Liegt der Patient, vor allem auf der rechten Seite, verschlechtern sich seine bronchialen Beschwerden. Die psychischen sowie bronchialen Symptome verschlechtern sich außerdem durch Frost sowie wenn dem Patienten Musik vorgespielt wird. Bei Frauen wird eine Verschlimmerung der Symptome während der Menstruation beobachtet.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Hyoscyamus Patienten leiden unter Übererregbarkeit, was sich in Unruhe, exhibitionistischen Tendenzen und manischen Zuständen zeigt. Die Patienten sind ruhelos, haben Anfälle von übermütiger Stimmung, können albern und lächerlich sein. Auch können sich negative Charakteristika wie Gewalttätigkeit, Eifersucht und Misstrauen zeigen. Die Patienten können sich in einem Delir befinden oder verschiedene Phobien haben, die Angst vor Wasser ist hierbei sehr hervorzuheben.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

In Wärme, Bewegung und nach dem Essen kann es zu pulsierenden Kopfschmerzen kommen, die von Schwindel und epileptischen Anfällen begleitet sein können. Auch eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder ein Schlaganfall (Apoplex) kann eine Heilanzeige für eine Behandlung mit Hyoscyamus niger darstellen.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Patienten haben oft erweiterte Pupillen. An den Augen sind die Muskelkrämpfe in Form von heftigem Zwinkern oder krampfhaften Augenbewegungen sichtbar. Auch Grimassen und Kiefersperren können hierbei entstehen.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Patienten können unter krampfhaftem, trockenem, nächtlichem Reizhusten leiden. Tagsüber ist auch Auswurf zu beobachten.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Hyoscyamus-Patienten leiden unter unstillbarem Durst, haben jedoch oft eine Angst vor Wasser, sodass das Trinken erzwungen werden muss. Postprandiale, das heißt nach dem Essen auftretende, Beschwerden sind zahlreich. Durchfall und Verstopfungen sind oft mit blutigen Stühlen zu beobachten. Die Patienten können unter einer Lähmung des Afterschließmuskels leiden, so dass es zu einer Stuhlinkontinenz kommt.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Patienten können unter einer Inkontinenz leiden.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Sexualtrieb ist verstärkt, die Patienten neigen zu schamlosem Verhalten oder Exhibitionismus. Bei Frauen setzt die Menstruation viel zu früh oder zu spät ein und ist mit Schmerzen und Krämpfen verbunden.

Bewegunsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Patienten leiden unter Zuckungen und Spasmen der Gliedmaßen, außerdem zeigt sich eine Ruhelosigkeit und unwillkürliche Bewegungen.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Patienten haben oft eine trockene, gerötete, juckende Haut. Teilweise ist ein scharlachartiger Ausschlag zu sehen.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Nachts und abends frieren Hyoscyamus-Patienten oft, im Delir können auch Fieberschübe auftreten.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Aufgrund der Ruhelosigkeit kommt es häufig zur Schlaflosigkeit. Die Patienten schrecken nachts hoch und haben sehr lebhafte Träume.[7]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Agaricus

Das aus dem Fliegenpilz (Amanita muscaria) gewonnene Agaricus wirkt wie Hyoscyamus auf das zentrale Nervensystem. Dabei wird es vor allem bei zentralnervösen Störungen wie einer übersteigerten oder abgeschwächten Bewegungsaktivität (Hypo-/ Hyperkinese) mit begleitenden Veränderungen des Blutdrucks (Hypo-/ Hypertonie) eingesetzt. Auch Störungen beim Wasserlassen, Hitzewallungen und juckende Hautstörungen, die ihren Ursprung in Störungen des ZNS haben, können mit Agaricus behandelt werden. Die Symptome verschlimmern sich nachts, nach dem Essen, durch Kälte und Sonne, Besserung wird bei Bewegung und im Freien beobachtet. [8]

Helleborus

Helleborus (Christrose/Schneerose, der Gattung Nieswurz) wirkt auf das zentrale Nervensystem sowie auf die ableitenden Harnwege und kommt bei geistiger Demenz, Epilepsie und Schmerzen bei Reizung der Hirnhäute (Meningismus) zum Einsatz. Auch gegen Muskelzuckungen und Krampfneigungen ist es wirksam. Zusätzlich zu diesen Heilanzeigen kann es auch bei Entzündungen der Niere und durch Funktionsstörungen der Niere ausgelösten Ödemen angewandt werden. Ähnlich des Hyoscyamus verschlechtern sich die Symptome bei Frost und in der Nacht.[9]

Lachesis

Das aus der Pflanze Lachesis mutus (Buschmeister) in Mittel- und Südamerika gewonnene Arzneimittel Lachesis wirkt bei Epilepsie, Schlaganfällen und dem Meningismus. Es kann  auch bei Grippe und Bronchitis gegeben werden, die durch Reiz- und Kitzelhusten sowie einem Erstickungsgefühl charakterisiert sind. Außerdem können Mandelentzündungen, Entzündungen der Ohrspeicheldrüse der Gallenblase, des Blinddarms und der Leber sowie ein Gelenkrheumatismus mit Lachesis behandelt werden. Die Patienten sind auffallend überempfindlich gegen Berührung und haben eine Neigung zu kollabieren.[10]

Platinum metallicum

Platinum metallicum wirkt auf das zentrale Nervensystem, das weibliche Hormonsystem und den Stütz- und Bewegungsapparat. Dabei stehen vor allem Krankheiten wie Epilepsie, Depressionen, Manien, Migräne, Verstopfungen, diverse Menstruationsstörungen und rheumatoide Schmerzen mit Schwächegefühl und Parästhesie (Körperempfindung mit Kribbeln, Taubheit und Wahrnehmungsstörungen) im Vordergrund. Platinum wird aus dem Metall Platin gewonnen und wird bei Symptomen verabreicht, die sich abends und in Ruhe verschlimmern und sich durch Alleinsein und im Freien verbessern.[11]

Stramonium

Der überall vorkommende gemeine Stechapfel (Datura stramonium)dient der Herstellung des homöopathischen Arzneimittel Stramonium, das das zentrale Nervensystem, die Atemwege und die weiblichen Genitale beeinflussen kann. Durch psychische Ereignisse ausgelöste manische und schizoide Zustände, Halluzinationen, Delirien, epileptische Zustände, Husten, Bronchitis, Asthma bronchiale, Menstruationsstörungen sowie unkoordinierte Bewegungsmuster und Zuckungen stellen Heilanzeigen für Stramonium dar. Die Patienten lassen sich sehr schnell stark erregen und fallen durch Koordinationsstörungen sowie Sensibilitätsabschwächung und Störungen der Aufmerksamkeit (Vigilanzstörungen) auf. Die Symptome verschlechtern sich im Schlaf und in Kälte, Besserung wird durch Licht, Wärme und in Gesellschaft erzielt.[12]

Hintergrundinformationen

Hyoscyamus niger aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) wird im Deutschen auch schwarzes Bilsenkraut genannt. Es ist in Mitteleuropa vor allem auf fetten Böden zu finden. Früher wurde es aufgrund seiner Rauschwirkung dem Bier zugesetzt. Die Blätter der Pflanze enthalten bis zu 0,2% Alkaloide, chemische Verbindungen, die Schmerzen abschwächen und beruhigend, dämpfend wirken. Die Gefahr hierbei besteht in einer möglichen physischen und psychischen Abhängigkeit. Auch können bei Vergiftungen mit Hyoscyamus Symptome wie Hautrötungen, Unruhe, Schläfrigkeit, Halluzinationen, Herzrhythmusstörungen und komatöse Zustände (tiefe Bewusstlosigkeit) auftreten. Wird Hyoscyamus in homöopathischen Dosierungen eingenommen, sind hierbei aber keinerlei Probleme zu erwarten.[13]Zur Herstellung des homöopathischen Arzneimittels werden Extrakte der ganzen, blühenden Pflanze verwendet.[14]