Schwangerschaft: Behandlung - Haut & Haare

Globuli bei Haarausfall (nach Schwangerschaft)

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Es gibt zahlreiche Beschwerden, die eine Frau im Verlauf einer Schwangerschaft entwickeln kann. Manche dauern bis in die Zeit nach der Entbindung an oder treten sogar erst dann auf. So verhält es sich meist mit dem Haarausfall (Effluvium). Der Zustand der Haarlosigkeit wiederum wird als Alopezie bezeichnet. Die vollständige Bezeichnung leitet sich vom Erscheinungsbild der Haarlosigkeit ab. Das für Schwangere und Frauen nach der Entbindung typische Verteilungsmuster wird Alopecia diffusa genannt und entsteht durch einen diffusen, unspezifischen Haarausfall.

Nach der Geburt kommt es bei den Müttern zu einem natürlichen Absinken des Östrogenspiegels. Das weibliche Sexualhormon Östrogen fördert jedoch das Haarwachstum, weshalb viele Frauen während der Schwangerschaft noch über volleres Haar berichten. Sinkt der Hormonspiegel nach der Entbindung ab, führt dies in einigen Fällen zu vermehrtem Haarausfall. Außerdem können Eisenmangel, Stress und starke Erschöpfung, alles in Wochenbett und Stillzeit bekannte Größen, ebenfalls zu Haarausfall führen, was den Effekt zusätzlich verstärken kann.

Jedes Haar entwächst einer Haarwurzel, die auf eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen wie Eisen, Zink und Calcium angewiesen ist. Benachbarte Talgdrüsen fetten das Haar von außen und halten es geschmeidig. Auch sie benötigen bestimmte Nährstoffe, um ihrer Funktion nachzukommen. Fehlt nun einer dieser Nährstoffe, so kann einerseits die innere Struktur des Haares geschädigt sein oder es fehlt die fettende Außenschicht. Beides lässt die Haare spröde werden: sie brechen ab.

Inwiefern Stress/Erschöpfung Haarausfall begünstigen können, ist nicht abschließend geklärt. Die Vermutung liegt auf einer durch Botenstoffe vermittelten Entzündung der Haarwurzeln. Infrage kommen dafür bspw. verschiedene Stoffe des Immunsystems. In der Regel normalisiert sich der Haarwuchs nach einigen Monaten, bzw. nach einer Beseitigung der Ursachen durch Einnahme zusätzlichen Eisens oder Entspannungsübungen gegen Stress wieder.[1][2][3] Da Medikamente in Schwangerschaft und Stillzeit spärlich eingesetzt werden sollten, bieten sich hier homöopathische Alternativen an. Besonders Hebammen setzen diese gern bei den durch sie betreuten Frauen ein.

Angewendete Globuli bei Haarausfall nach der Schwangerschaft

Je nach individueller Situation der jungen Mutter können der nachfolgenden Tabelle potenzielle Auslöser, eine Beschreibung der Beschwerdebilder, einflussnehmende Faktoren, Begleiterscheinungen, weitere Hinweise sowie die angewendeten Heilmittel inkl. Potenz und Dosierung entnommen werden. Es sollte stets das Mittel gewählt werden, dessen Arzneimittelbild am ehesten mit den persönlichen Umständen übereinstimmt.

Welche Ausprägung trifft auf Sie zu?

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie ist für die Wahl der richtigen Arznei entscheidend, welche der folgenden Ausprägungen die Beschwerden des Betroffenen am besten beschreiben. Je mehr Punkte einer Ausprägung auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der darunter aufgeführten Arznei.

Haarausfall mit Müdigkeit, Erschöpfung und Schwäche

Die Begleiterscheinungen äußern sich durch Rückenschmerzen, das Haar wird fein, trocken und brüchig. Frauen neigen dazu rasch zu frieren und zu frösteln, sind ängstlich, schreckhaft und schnell gereizt.

Verbesserung:

Durch Wärme.

Verschlechterung:

Durch feuchte Kälte, Zugluft und zwischen drei und fünf Uhr morgens.

Angewendete(s) Mittel:

Kalium carbonicum

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Haarausfall und frühzeitiges Ergrauen

Die Begleiterscheinungen äußern sich durch Blähungen, rasch sättigbaren Heißhunger und durch das Verlangen nach süßen und warmen Speisen. Die Haut wird trocken und faltig und erscheint vorzeitig gealtert. Die betroffene Person ist morgens reizbar, vergesslich und hat wenig Selbstvertrauen.

Verbesserung:

Durch Kühle sowie an der frischen Luft.

Verschlechterung:

Durch Wärme und Schwüle sowie am späten Nachmittag.

Angewendete(s) Mittel:

Lycopodium

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Haarausfall mit Kummer und Sorgen

Die Begleiterscheinungen sind, dass das Haar büschelweise ausfällt, teils auch die Schamhaare und es bilden sich Geheimratsecken. Außerdem hat die betroffene Person eine fettige Stirn, sonst aber trockene Haut und Migräne.Die betroffene Person ist eher introvertiert, lieber allein und grübelt über Vergangenes.

Verbesserung:

Durch Liegen und an der frischen Luft.

Verschlechterung:

Durch Anstrengung und morgens.

Angewendete(s) Mittel:

Natrium chloratum

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Haarausfall mit Müdigkeit, Erschöpfung und Reizbarkeit

Die Begleiterscheinungen sind dunkle Augenringe, die betroffene Person fühlt sich ausgelaugt und möchte allein sein. Es besteht bei ihr kein Verlangen nach Familie, Partner und Sex, sie verspürt jedoch eine Lust nach sauren Speisen und Getränken. 

Verbesserung:

Durch Essen und Wärme.

Verschlechterung:

Durch Kälte und Nässe, vor einem Gewitter, vormittags sowie abends.

Angewendete(s) Mittel:

Sepia

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Haarausfall mit struppigem, trockenen Haar sowie schuppiger Kopfhaut

Die Begleiterscheinungen sind trockene, unreine Haut sowie empfindliche und brennende Kopfhaut.

Verbesserung:

Durch frische Luft.

Verschlechterung:

Durch Wärme, langes Stehen, vormittags und abends.

Angewendete(s) Mittel:

Sulfur

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Hinweis:

Das Mittel ist auch bewährt zur Entgiftung und nach zehrenden Krankheiten.

Haarausfall durch seelische Konflikte und nach der Entbindung

Die Begleiterscheinungen sind Bauchkrämpfe, welche durch emotionale Ereignisse ausgelöst wurden, teils kompletten Haarverlust, wozu auch Augenbrauen und Wimpern zählen können sowie Kopfschuppen. Die betroffene Person ist innerlich verletzt, gekränkt, empfindsam und nachtragend.

Verbesserung:

Verschlechterung:

Durch Kälte, emotionale Ereignisse, Sex und nachts.

Angewendete(s) Mittel:

Staphisagria

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Haarausfall durch Eisenmangel

Die Begleiterscheinungen sind Wechsel der Gesichtsfarbe von rot zu blass, nachlassende Leistungsfähigkeit und schnelle Erschöpfung. Die betroffene Person hat Kopfschmerzen, verspürt ein Schwindelgefühl, wirkt nervös und gereizt. Außerdem neigt sie zu mangelndem Appetit und friert.

Verbesserung:

Durch langsame Bewegungen.

Verschlechterung:

Durch Wärme und Ruhe sowie nachts.

Angewendete(s) Mittel:

Ferrum metallicum

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Zu beachten:

Haarausfall an sich ist für die Betroffenen zwar meist ärgerlich, aber unbedenklich. Besteht Unsicherheit bzgl. der Ursache oder weisen weitere Anzeichen auf einen bestehenden Eisenmangel hin, sollte eine Diagnostik bei einem Facharzt erfolgen. Folgende Symptome können auf einen Eisenmangel hindeuten:

  • Haut und Schleimhäute sind blass
  • schnelle Erschöpfung
  • Schwindel und Kopfschmerzen
  • Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen
  • Schwäche
  • trockene Haut
  • vermehrte Infektanfälligkeit
  • brennende Zunge und rissige Lippen
  • neben Haarausfall stumpfes und gespaltenes Haar
  • brüchige Nägel
  • Frieren [6]

Da der Eisenbedarf nicht nur in der Schwangerschaft (30mg/Tag), sondern auch in der Stillzeit (20mg/Tag) erhöht ist, empfehlen manche Ärzte vorsorglich Eisenpräparate. [7] Vor der Einnahme sollte jedoch stets eine Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
Komplexmittel werden zur Behandlung in der Regel nicht empfohlen, da die homöopathische Behandlung sehr individuell ist und das jeweils passende Mittel sorgsam ausgewählt wird. Im Rahmen der indikationsbezogenen Homöopathie besteht aber die Möglichkeit, bei häufig vorkommenden Erkrankungen bereits bewährte Mittel anzuwenden. Darunter zählen sowohl Einzel- als auch Komplexmittel. [8][9]Es wird darüber hinaus angeraten Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ aufzusuchen, da diese, im Gegensatz zu Heilpraktikern, approbierte Ärzte sind und in Notfallsituationen entsprechend reagieren können.