Anwendungsgebiete - Sonstiges

Globuli bei ADHS

© PantherMedia / Phovoi R.

Die Abkürzung „ADHS“ steht für: „Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung“. Das Beschwerdebild setzt sich zusammen aus einem unaufmerksamen und impulsiven Verhalten, das mit oder ohne Hyperaktivität auftreten kann, und in seinem Auftreten nicht dem Alter und allgemeinen Entwicklungsstand des Betroffenen entspricht. Die Verhaltensmuster des Betroffenen führen zu Störungen in den sozialen Bezugssystemen (Schule, Sportverein, Arbeitsplatz) und nicht selten zur Ausgrenzung.[1]

Die ADHS wird häufig als Störung des Kindes und Jugendlichen wahrgenommen. Je nach Altersgruppe liegt die Prävalenz (Häufigkeit der Krankheit) dort bei bis zu 2,9 % der Vorschulkinder und bis zu 7,9% bei Jugendlichen. Jungen sind etwa zwei- bis viermal so häufig betroffen wie Mädchen.

Für den Übergang ins Erwachsenenalter zeigen Studien, dass die Symptome der bereits im Kindesalter diagnostizierten ADHS in 40-60 % der Fälle weiterhin vorlagen. Dies ergibt für Erwachsene eine Prävalenzrate (siehe oben) von 1-4% aller Erwachsenen.[2]

Zur Diagnostik der ADHS dienen neben einer ausführlichen Anamnese eine Reihe von psychologischen Testes und standardisierte Fragebögen. Als mögliche andere Ursachen der beobachteten Symptome können Angststörungen, Autismus und organische Psychosyndrome (hirnorganisch begründbare Pychosen) in Frage kommen. Die Diagnose einer ADHS gehört daher in die Hände einesqualifizierten Facharztes.

Die Therapie der ADHS sollte aus einer Reihe von Ansätzen (Elternarbeit, Familientherapie, Entspannungsverfahren, etc. ) unter der Führung des Facharztes bestehen. Die Behandlung mit homöopathischen Mitteln stellt einen Ansatz dieser Therapie dar. [3]

Von einer Eigenbehandlung (mit homöopathischen Mitteln) nach einer selbst gestellten Diagnose durch die Eltern sollte abgesehen werden, da diese eine massive Verschlechterung der Symptome mit sich bringen und im schlimmsten Fall die wirkliche Ursache der Störung überdecken könnte.

Angewendete Globuli bei ADHS

Zur homöopathischen Therapie der ADHS sollte eine konstitutionelle Therapie angestrebt werden.

Diese Therapieform hat die Selbstregulation der Beschwerden durch eine stabilere Konstitution des Betroffenen (gebildet aus angeborenen Körpermerkmalen und Wesenszügen) zum Ziel.

Im Folgenden sind die am häufigsten verwendeten homöopathischen Mittel zur unterstützenden (additiven) Therapie der ADHS: [4][5][6][7]

Welche Ausprägung trifft auf Sie zu?

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie ist für die Wahl der richtigen Arznei entscheidend, welche der folgenden Ausprägungen die Beschwerden des Betroffenen am besten beschreiben. Je mehr Punkte einer Ausprägung auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der darunter aufgeführten Arznei.

Auffallende Ungeschicklichkeit mit mangelnder Gefahreneinschätzung

Begleiterscheinungen sind Störungen der Fein- und Gorbmotorik, Tics und Redseligkeit. Die betroffene Person ist in gesunder Verfassung gutmütig, heiter, sprachbegabt und musikalisch. Mögliche Ursachen sind Ruhelosigkeit von Armen und Füssen.

Verbesserung:

Durch langsame Bewegungen und im Schlaf.

Verschlechterung:

Vor einem Gewitter, morgens und nach dem Essen.

Angewendete(s) Mittel:

Agaricus muscarius

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Konzentrationsschwäche als Folge der inneren Unruhe

Die betroffene Person will alles perfekt machen, wirkt getrieben und leidet oft auch an Magenproblemen. In gesunder Verfassung ist sie fleißig, zuverlässig, großzügig und geschäftstüchtig. Mögliche Ursachen ist eine primär geistige, ängstliche Ruhelosigkeit.

Verbesserung:

Durch trockene Wärme, kleine Schlücke kaltes Wassers und Milch.

Verschlechterung:

Durch Ruhe, Kälte und an der frischen Luft.

Angewendete(s) Mittel:

Arsenicum album

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Überempfindliche Sinne, neigt zur Pyromanie („Feuerteufel“)

Die betroffene Person leidet häufig auch unter wiederkehrenden Entzündungen mit hohem Fieber. In gesunder Verfassung ist sie quirlig, fröhlich, humorvoll und leistungsstark. Mögliche Ursache ist eine Ruhelosigkeit mit Aggressivität.

Verbesserung:

Durch Ruhe.

Verschlechterung:

Durch jeden Sinneseindruck.

Angewendete(s) Mittel:

Belladonna

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Immer in Eile, erledigt alles schnell, aber ungenau

Die betroffene Person ist heiter, überdreht und überempfindlich gegenüber Sinneseindrücken. In gesunder Verfassung ist sie aufgeschlossen, kommunikativ, fleißig, belastbar und kreativ. Mögliche Ursache ist eine Ruhelosigkeit bei lebhafter Phantasie und Gedankenfülle.

Verbesserung:

Verschlechterung:

Durch starke Emotionen, bei Lärm, Kälte, Gerüchen und nachts.

Angewendete(s) Mittel:

Coffea

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Konzentrationsstörungen beim Lernen

Die betroffene Person reagiert auf die eigene Unfähigkeit zu Lernen mit Neid, Eifersucht und übler Nachrede. In gesunder Verfassung ist sie sehr leidenschaftlich, seelisch schnell erregt und hat extreme Emotionen. Mögliche Ursache ist eine Konzentrationsschwäche.

Verbesserung:

Durch frische Luft.

Verschlechterung:

Durch Schlaf und Wärme.

Angewendete(s) Mittel:

Lachesis

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Konzentrationsschwäche beim Rechnen, verwechselt Buchstaben beim Schreiben

Die betroffene Person zeigt starke körperliche Unruhe und ist diktatorisch im Umgang mit anderen. Zudem ist sie aufsässig und hat wenig Selbstvertrauen. In gesunder Verfassung ist sie souverän, schlagfertig, witzig und durchsetzungsfähig. Mögliche Ursache ist eine Konzentrationsschwäche mit körperlicher Unruhe.

Verbesserung:

Durch Bewegung und warmes Essen.

Verschlechterung:

Durch Wärme, am Morgen und zwischen 16 und 20 Uhr.

Angewendete(s) Mittel:

Lycopodium

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Konzentrationsstörungen beim Rechnen und Lernen, Überempfindlichkeit und Reizbarkeit, häufig verbunden mit Bauchkrämpfen und Durchfällen

Die betroffene Person verlangt nach Stimulanzien (bei Kindern Süßigkeiten), duldet keinen Widerspruch und ist besserwisserisch. In gesunder Verfassung ist sie kraftvoll, witzig, einfallsreich, entschlossen, mutig und fleißig. Mögliche Ursache ist eine Konzentrationsschwäche mit Reizbarkeit.

Verbesserung:

Durch Wärme und am Abend.

Verschlechterung:

Durch Kälte, am morgen, nach dem Essen, bei Ärger und Sorgen.

Angewendete(s) Mittel:

Nux vomica

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Zu beachten:

Jede wiederkehrende oder unfreiwillig wirkende Verhaltensauffälligkeit bei Kindern sollte mit dem betreuenden Kinderarzt besprochen werden. Dieser kann die Auffälligkeit in die allgemeine Entwicklung des Kindes einordnen, das objektive Maß der Schwere beurteilen und eventuell nötige Maßnahmen ergreifen.

Es sollte keine Eigenmedikation mit homöopathischen Mitteln erfolgen, wenn bereits eine Therapie mit Ritalin begonnen wurde. Ritalin ist der Handelsname eines in der Schulmedizin zur Behandlung von hyperativen Kindern verwendeten Amphetamins. Dieses Mittel wirkt bei betroffenen Kindern beruhigend, es unterdrückt (nach homöopathischer Philosophie) das Leitsymptom. Somit kann die Wirkung des homöopathischen Mittels nicht mehr verfolgt werden, da das ursprüngliche Leitsymptom (als Anzeiger der Erkrankung) schon vor der Behandlung beseitigt wurde. [8]