Globuli von P bis Q

Pyrogenium Globuli

© PantherMedia / Thomas Francois

Pyrogenium wird aus zersetztem Ochsenfleisch gewonnen und durchläuft bis hin zur Urtinktur einen langwierigen und komplizierten Herstellungsprozess. Entgegen häufiger, aber falscher Annahme, ist es damit keine Nosode, also keine Substanz krankhaften (pathologischen) Ursprungs wie z.B. Eiter, Krankheitserreger, Blut oder ein krankhaftes Gewebestück. Pyrogenium wird auch als „dynamisches Antiseptikum“ bezeichnet und wie der Name schon sagt, bei allen septischen Zuständen, Erkrankungen und Symptomen eingesetzt. Septisch bezeichnet in diesem Zusammenhang eine Verunreinigung oder Infektion mit Krankheitserregern. Dringen beispielsweise Bakterien durch eine Hautwunde in den Körper ein, kommt es zunächst zu einer lokalen Entzündungsreaktion mit Rötung, Schellung und Schmerzen. Gelangen die Erreger dann im weiteren Krankheitsverlauf in die Blutbahn und rufen eine systemische, also den gesamten Organismus betreffende Infektion hervor, so wird dies als Blutvergiftung (Sepsis) bezeichnet.

In ihrer Gesamtheit ist die Sepsis damit ein lebensbedrohliches Krankheitsbild für jeden Betroffenen und muss demnach immer unter ärztlicher Aufsicht im Krankenhaus behandelt werden. Während lokale septische Krankheitsbilder wie beispielsweise eine leichte Wundinfektion mittels homöopathischer Medikamente behandelt werden können, kann Pyrogenium bei einer bestehenden Sepsis nur unterstützend zu einer schulmedizinischen Behandlung eingesetzt werden.[1][2][3]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Der Pyrogenium-Kranke ist immer durch eine schwere Infektion stark erkrankt und geschwächt. Der Patient ist sehr unruhig, geschwätzlich und ängstlich zugleich. Auch von Wahnvorstellungen ist er geplagt und wenn er sich im Liegen von einer auf die andere Seite rollt, kommt es ihm so vor, als würde sich seine Persönlichkeit verändern. Seine Haut ist trocken und kalt und in schweren Fällen blaugrau bis aschfarben verfärbt. Das Gesicht ist von Ängstlichkeit verzerrt und bleifarben, um die Augen zeichnen sich dunkle, bläuliche Ringe ab. Pyrogenium wird bei jeder Art von Sepsis eingesetzt. Diese kann durch bakterielle Erreger wie beispielsweise das Diphterie-Bakterium Corynebacterium diphteriae oder das Typhus- verursachende Bakterium Salmonella typhi verursacht werden. Die Diphterie ist eine entzündliche Erkrankung, die sich meist im Rachen abspielt und zu Schleimhautschäden, Schmerzen, Fieber sowie einer starken Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens führt. Typhus hingegen ist eine Infektionskrankheit, die Benommenheit, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und starkes Fieber verursacht, wobei vor allem Milz und Darm angegriffen werden. Eine Sepsis kann aber auch infolge einer Blinddarmentzündung (Appendizitis) und nach Operationen entstehen. Und auch wenn ein anderes antiseptisch wirkendes homöopathisches Mittel nicht den gewünschten Therapierfolg bei der Behandlung eines septischen Krankheitsbildes erbringt, greift man auf Pyrogenium zurück. So wird Pyrogenium beispielsweise bei schweren Entzündungen des Magendarmtraktes (Gastroenteritis) bei Kindern, bei schweren Verlaufsformen der Grippe (Influenza), infizierten und eiternden Wunden oder auch bei schweren Fiebererkrankungen mit septischem Verlauf verabreicht. Daneben können Pyrogenium-Globuli auch vorbeugend wirken und die Schwere eines septischen Krankheitsverlaufs mildern. In diesem Sinne kann es auch bei leicht eiternden Hautwunden nach kleinen Verletzungen oder Tierbissen, einer leichten Nagelbettentzündung oder auch bei kleineren Verbrennungen eingesetzt werden. Bei verschmutzten Hautverletzungen, Bisswunden oder Verbrennungen muss die Wunde jedoch zunächst sorgfältig gereinigt und gegebenfalls auch chirurgisch versorgt werden, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Bei leichten und noch nicht septischen Krankheitsbildern können Pyrogenium Globuli in homöopathischer Eigenbehandlung eingenommen werden. Entwickelt sich jedoch das Bild einer generalisierten Sepsis oder schreiten die Beschwerden ohne Besserung unter der selbst gewählten Therapie voran, so ist eine fachärztliche Abklärung dringenst nötig. Eine Sepsis ist ein lebensbedrohliches Krankheitsbild und sollte daher nicht unterschätzt werden.

Wo wirkt es?: Die Obduktion von Tieren, denen Pyrogenium verabreicht wurde, zeigte Veränderungen von roten (Erythrozyten) und weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Zudem schien Pyrogenium das auskleidende Gewebe (Epithel) von Herzbeutel, Lungenfell (Pleura) und Verdauungstrakt anzugreifen und auch das Nierengewebe schien im Sinne einer Entzündungsreaktion in Mitleidenschaft gezogen zu werden.
Am Menschen wirkt es sich positiv auf sowohl lokalisierte als auch generalisierte Entzündungsprozesse sowie auf das Gemüt während eines septischen Krankheitszustandes aus.

In welchem Alter?: Im Kindesalter wird Pyrogenium vorwiegend bei schweren Magendarminfektionen, insbesondere bei der kindlichen (infantilen) Cholera, einer durch das Bakterium Vibrio cholerae ausgelösten starken Durchfallerkrankung, sowie bei einer Grippe eingesetzt. Ist es bei Erwachsenen oder auch älteren Menschen angebracht (indiziert), so leiden diese unter infizierten Wunden und Verbrennungen, ebenfalls unter einer schweren Grippe oder an einem septischen Krankheitsbild.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die folgende Auflistung gibt einen Überblick über die leitenden Symptome, unter denen der Pyrogenium-Patient leidet:

  • Sehr charakteristisch ist die Diskrepanz zwischen Körpertemperatur und Herzfrequenz. Im Gegensatz zur Temperatur, welche nur leicht steigt, ist der Puls sehr schnell. Selten tritt dies umgekehrt in Erscheinung.
  • Das Kind ist sehr unruhig und kann nicht schlafen, sein Puls schlägt abwechselnd langsam und wieder schnell.
  • Der Patient verspürt so heftige Schmerzen, dass es weder sitzen, noch stehen, noch liegen kann. Ist ein bestimmter Teil des Körpers erkrankt, so sind auch die Schmerzen in diesem Bereich lokalisiert.
  • Weibliche Patienten leiden unter einer sehr unregelmäßigen Regelblutung von außergewöhnlichem Gestank.
  • Der Patient erbricht nach jeder Nahrungsaufnahme, selbst wenn er Wasser zu sich nimmt. Dies ist begleitet von kaffeesatzartigem Erbrechen.
  • Es besteht Durchfall (Diarrhoe), wobei der Stuhl von brauner oder schwärzlicher Farbe ist und absonderlich stinkt. Aber auch Verstopfung mit vollkommener Darmlähmung tritt in Erscheinung.
  • Jegliche Körpersekrete, die der Patient von sich gibt, sind von außergewöhnlichem und starkem Gestank.
  • Im Verlauf eines septischen Krankheitsbildes ist der Patient sehr unruhig und verspürt unablässige Ängste.
  • Der Patient empfindet ein Gefühl der körperlichen Zerschlagenheit, begleitet von Knochen- und Gliederschmerzen.
  • Die Zunge leuchtet rot und erscheint wie lackiert.
  • Das Herz erscheint dem Patienten vergrößert und erschöpft, er „fühlt sein Herz“.


Verbesserung: Eine Besserung des Zustandes des Pyrogenium-Patienten tritt ein durch alle Arten von Wärme und Bewegung ein.


Verschlechterung: Der Zustand des Patienten verschlechtert sich durch Kälte sowie durch jegliche Art von körperlichen Absonderungen.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Sofern ein septischer Zustand vorliegt und voranschreitet, empfindet der Patient große Unruhe und Angst. Es treten Wahnvorstellungen auf und dreht sich der Betroffene im Bett von einer Seite auf die andere, so erscheint es ihm, als würde sich seine Persönlichkeit mit dem Seitenwechsel verändern.
Der Patient fühlt sich allgemein sehr erschöpft und geschwächt, trotz der immer währenden Ruhelosigkeit.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Gesichtszüge sind ängstlich verzerrt und die Haut ist von bleierner Farbe. Um die Augen zeichnen sich dunkle, bläuliche Ringe ab. Die Zunge ist von feuerroter Farbe und glänzt.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Patient spürt sein Herz und es erscheint ihm, als wäre es ermüdet und vergrößert.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Sobald der Patient Lebensmittel oder Wasser zu sich nimmt, muss er erbrechen. Der Appetit ist dabei nicht gemindert, aber jegliche Art von Essen oder Flüssigkeit wird nicht vertragen.
Sowohl Durchfall als auch Verstopfung können bestehen, wobei der Stuhl auffällig dunkel, von bräunlicher bis schwarzer Farbe ist und außergewöhnlich stinkt. Ein Durchfall kann außerdem von Schleim- und Blutbeimengungen begleitet sein.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Weibliche Genitalien: Die Regelblutung der Frau kommt in sehr unregelmäßigen Abständen und die Blutabsonderungen sind von außergewöhnlichen Gestank.

Bewegunsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Patient verspürt ein Gefühl von Zerbrochen- oder Zerschlagenheit der Knochen. Er ist sehr erschöpft und doch bessern sich die Beschwerden durch körperliche Betätigung und Bewegung.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Haut des Patienten ist trocken und kalt, sie ist blaugrau bis aschfarben verfärbt und zuweilen von reichlich stinkendem Schweiß bedeckt.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Patient friert und leidet unter Schüttelfrost sowie ansteigendem Fieber. Dennoch besteht ein deutliches Missverhältnis zwischen Körpertemperatur und Pulsfrequenz, denn letztere ist sehr rasch wohingegen die Temperatur nur leicht ansteigt.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Arsenicum album

Arsenisum album oder auch weißes Arsenik genannt, ist eine homöopathische Arznei chemischen Ursprungs und zeigt deutliche Ähnlichkeit zum Phosphor. Der Arsenikum- ist wie der Pyrogenium-Patient von Unruhe und Angst geplagt, gleichzeitig aber auch sehr schreckhaft und überempfindlich. Arsenicum-Globuli werden ebenfalls im Rahmen von eiternden Hauterkrankungen wie einer feuchten Gangrän oder Phlegmone eingesetzt. Die feuchte Gangrän ist als eine durch Fäulnisbakterien, wie beispielsweise Clostridium perfringens, verursachte Infektion toten Gewebesdefiniert, welches nach einer Blutunterversorgung abgestorben ist. Eine Phlegmone wiederum ist eine durch Bakterien verursachte, diffuse, aber noch lokal begrenzte Bindegewebsinfektion, welche mit starker Schwellung, Rötung und Schmerzen einhergeht. Sobald das Krankheitsbild jedoch einen schweren septischen Verlauf nimmt, ist das Mittel nicht mehr angezeigt. Weitere Indikationen dieses Heilmittels sind unter anderem Schwäche und Abmagerung (Kachexie) im Rahmen von chronischen Erkrankungen, Migräne oder eine Entzündung des Nierengewebes (Nephritis) und noch viele weitere.[4]

Baptisia

Baptisia wird aus den frischen, unterirdischen Teilen des Wilden Indigos gewonnen und vorzugsweise, wie auch Pyrogenium, bei Fieberzuständen eingesetzt. Diese gehen ebenfalls mit starker Erschöpfung und Zerschlagenheitsgefühl sowie stark stinkenden Körperabsonderungen einher, wobei zusätzlich eine zentralnervöse Begleitsymptomatik im Sinne von Benommenheit, Verwirrtheit und Aktivitätsverlust im Vordergrund steht.[5]

Chininum arsenicosum

Chininum arsenicosum oder auch Chininarsen ist eine Arsen-Chinin-Verbindung und entfaltet seine Wirkung vor allem in den Atemwegen und in der Leber. Auch Chininum-Globuli werden zur Heilung von fieberhaften Erkrankungen eingesetzt, wobei auch in diesem Fall der schwere septische Verlauf eine Gegenanzeige bedeutet. Der Chininum-Patient ist typischerweise sehr kälteempfindlich, neigt zu Kreislaufschwäche und verspürt ein Druckgefühl im Oberbauch mit ausstrahlenden Schmerzen in der Wirbelsäule. Darüberhinaus kann Chininum arsenicosum auch bei Asthma bronchiale sowie Funktionsstörungen der Leber indiziert sein.[6]

Crotalus

Gewonnen wird Crotalus aus den Oberkieferdrüsen der Waldklapperschlange und wirkt in therapeutischen Dosen bevorzugt auf das Gefäßsystem, die Blutgerinnung, den Magen-Darm-Trakt sowie auf die Haut des Menschen. Hauptanwendungsgebiete dieses homöopathischen Mittels sind Blutungen jeglicher Ursache und Schlaganfälle, auch bei Patienten mit einem Herzinfarkt kann es eingesetzt werden. Neben einer Vielzahl anderer Indikationen kommt es wie Pyrogenium auch bei septischen Krankheitsprozessen, Typhus und eitrigen Hauterkrankungen wie einer Nagelbettentzündung oder einer Phlegmone zum Einsatz. Der Crotalus-Patient ist im Gegensatz zum Pyrogenium-Patienten aber durch einen Symptomkomplex aus gelbwässrigen Durchfällen, juckenden Hautbläschen und einen Wechsel von Durchfall und Hautausschlägen gekennzeichnet.[7]

Echinacea

Die frische blühende Pflanze inklusive der Wurzel des Sonnenhuts wird zur Herstellung von Echinacea-Globuli verwendet. Auch diese homöopathische Arznei kommt bei Patienten mit entzündlichen und septisch verlaufenden Erkrankungen von Haut und Schleimhäuten zum Einsatz. Der Echinacea-Patient ist charakterisiert durch starke Müdigkeit, Schwindelgefühle, Fröstelneigung, Übelkeit und trockene Schleimhäute. Wie der Pyrogenium-Patient neigt er zu stinkenden Körperabsonderungen sowie zur Eiterbildung.[8]

Lachesis

Die Ausgangssubstanz für das Heilmittel Lachesis ist das Sekret der tropischen Buschmeisterschlange, dessen Hämolysine und Hämagglutinine dem homöopathischen Präparat seine spezifische Wirkung verleihen. Die Hämolysine sind Giftstoffe (Toxine), welche eine Auflösung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) des Menschen bewirken, während die Hämagglutine eine Verklumpung derselben verursachen. Der Lachesis-Patient ist typischerweise stets erregt, geschwätzig, neidisch und eifersüchtig sowie auch arwöhnisch. Er ist überempfindlich gegenüber Berührungen, besonders am Hals und in der Magengegend und neigt zum Kreislaufkollaps. Auch Lachesis-Globuli sind bei Grippe, eitrigen Hauterkrankungen sowie septisch verlaufenden Krankheitsbildern indiziert, seine typischen Anwendungsgebiete sind jedoch Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Herzbeschwerden während der Wechseljahre.[9]

Veratrum album

Veratrum album wird aus dem getrockneten Wurzelstock des Grünen Nieswurzes hergestellt und entfaltet seine Wirkung vor allem in Bezug auf das Herz-Kreislauf-System sowie ebenfalls bei septischen Prozessen. Akute fieberhafte Erkrankungen mit schnellem und hartem Puls, Kreislaufschwäche, Kollapsneigung, Kaltschweißgkeit und Schwäche sowie Übelkeit und Erbrechen charaktersieren den Veratrum-Patienten. Allerdings werden seine Beschwerden, verglichen mit dem Pyrogenium-Patienten, durch Bewegung verschlimmert.[10]

Hintergrundinformationen

Pyrogenium ist das Zersetzungsprodukt von Ochsenfleisch und bedarf einer langen und komplexen Prozedur, um als homöopathisches Mittel verwendet werden zu können. Zunächst wird das Fleisch in Wasser eingelegt und für etwa zwanzig Tage getrocknet. So entsteht eine zähe Flüssigkeit, die anschließend gefiltert und verdampft wird. Die zurückbleibende Masse wird erneut mit Wasser vermischt und gefiltert, wodurch der wässrige Extrakt des Pyrogenium entsteht. Diese wird dann mit dem Doppelten an Glyzerin vermengt, was dann letztlich die Urtinktur des Heilmittels ergibt. In giftigen (toxischen) Dosen führt es zur Verklumpung von weißen und roten Blutkörperchen, zu entzündlichen Veränderungen an Herzbeutelund Lungenfell, im Verdauungstrakt sowie in der Niere. Neben dem Einsatz von Pyrogenium als homöopathische Arznei zur Behandlung von Menschen wird es auch in der Tiermedizin verwendet. So wird es beispielsweise bei Pferden, Rindern und Schweinen, aber auch bei Ziegen und Schafen zur Behandlung von bakteriell bedingten Erkrankungen nach Geburten, bei Euterentzündungen mit drohender oder bestehender Sepsis, bei eitrigen Bindegewebsentzündungen und zur Vorbeugung von Infektionen nach Operationen eingesetzt.[1][2][11]