Globuli von P bis Q

Panax ginseng Globuli

© panthermedia.net / Valerii Kirsanov

Bei dem homöopathischen Mittel Panax Ginseng handelt es sich um die gleichnamige Wurzel der in Ostasien beheimateten Pflanze. Besonders in China, Korea, Japan und der mongolischen Medizin steht Ginseng als lebensverlängernde, verjüngende sowie bei allen Krankheiten hilfreiche Heilpflanze in hohem Ansehen. Von der Wundheilung über Entgiftung, den rheumatischen Formenkreis und die Regulation der Verdauung bis hin zu aphrodisierenden Aspekten und magischem Schutz gibt es kaum eine Heilwirkung, die der auch als Allheilkraut oder Kraftwurz bekannten Pflanze nicht zugeschrieben wurde. Überwiegend ist sie jedoch als Mittel zur Nervenstärkung bekannt. Traditionell wurde die Pflanze erst nach mehreren Jahren geerntet, da ihre Kraft mit dem Alter wächst, so dass sie meist sehr kostbar und teuer war. Inzwischen gibt es auch andere, günstigere Formen, die als anregendes Kräftigungsmittel (stimulierendes Tonikum) verwendet werden. [1] In der Homöopathie ist Panax Ginseng ein kleines Mittel.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Ein wesentliches Einsatzgebiet von Panax Ginseng Globuli ist die nervöse Erschöpfung und Anspannung, auch bei bestimmten Nervenstörungen werden sie angewandt: so sollen sie hilfreich bei Hexenschuss (Lumbago), Ischiasschmerzen, Schluckauf und rheumatischen Beschwerden wirken können. Auch geistige Behinderung versucht man damit zu behandeln. Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und sogar Blinddarmentzündung gehören zu den Beschwerden, die therapeutisch mit Panax Ginseng angegangen werden. Auch Hauterscheinungen wie juckende Pickel am Hals und der Brust lassen unter Umständen an das Mittel denken. Wichtige zusätzliche Indikationen sind die sexuelle Schwäche (Impotenz) oder auch Zustände übermäßiger sexueller Erregung. [2][3][4]

Wo wirkt es?: Die wesentliche Wirkung richtet sich auf das Nervensystem, wobei einerseits damit die körperliche Ebene gemeint ist, in der sich das Mittel vor allem auf den Bereich der unteren Spinalnerven richtet, die etwa von Lähmungserscheinungen oder Schwächezuständen betroffen sind. Andererseits beinhaltet es auch die psychische Ebene, bei der es vor allem um depressive oder übermäßig erregte Zustände (auch im sexuellen Bereich) geht. [3][4]

In welchem Alter?: Es finden sich keine Hinweise, die die Verwendung von Panax Ginseng Globuli in irgendeinem Lebensalter ausschließen, auch wenn die Bedeutung von Schwäche und (sexueller) Erregung nahe legen, dass das Mittel wahrscheinlich häufiger in einem fortgeschrittenen Lebensalter eingesetzt wird. [5]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Zu den Leitsymptomen gehören die bereits erwähntesexuelle Schwäche oder übermäßige Erregung, überhaupt sind Schwächegefühle ein zentraler Bereich der Beschwerden von Panax Ginseng Kranken. Sie leiden häufig unter schmerzhaften rheumatischen Beschwerden, die besonders die untere Körperhälfte betreffen (Hüfte, Knie, unterer Rücken). [3]

Verbesserung: Die Beschwerden der gegenüber Raumluft anfälligen Atemwege bessern sich beim Abendessen.

Verschlechterung: Die Atemwegsbeschwerden verschlechtern sich z.B. durch Sprechen. Die meisten Symptome verschlimmern sich durch Aufenthalt an frischer Luft, nächtliches Drehen und Verkrümmen im Bett, im Sitzen und wenn die Betroffenen eine Treppe hinunter gehen. [2]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Grundstimmung der Patienten erscheint meistens ruhig und zufrieden, während unruhige Impulse und Ängste, besonders vor Unfällen und der Zukunft, vorkommen können. Das Denken fällt ihnen oft schwer und das Gedächtnis ist schlecht. [6]

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Beschrieben werden oft Schwindelgefühle, die begleitet sein können von Flecken vor den Augen und Kopfschmerzen, die einseitig oder am Hinterkopf auftreten. Es fällt vielen schwer, die Augenlider zu öffnen, die schwer und schmerzhaft wahrgenommen werden, außerdem kann Doppeltsehen vorkommen. [4]

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Panax Ginseng Patienten klagen häufig überMandelentzündungen mit trockenem Mund und Rachen. Es können hastige Atmung und Herzrhythmusstörungen oder Herzrasen vorkommen. [3]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Als Beschwerden im Verdauungsbereich werden schmerzhafte Verspannungen, Blähungen und laute, gurgelnde Darmgeräusche beschrieben, außerdem kann es zu komplizierten Blinddarmentzündungen kommen. [7] Es soll auch regelmäßig zu erschwerten Stuhlgang kommen, selbst bei den oft auftretenden Durchfällen.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Harndrang tritt besonders häufig auf, der Urin ist dabei meist hell wie Wasser. [3]

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei Männern kann es nach häufigen Samenergüssen zu rheumatischen Schmerzen kommen. Generell wird eine allgemeine Schwäche der Geschlechtsorgane beklagt, während gleichzeitig häufig starke Erregung vorherrscht. [4]

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Schmerzen entlang der Wirbelsäule kommen oft vor, genauso wie öfters schmerzhafte Schwäche und Zerschlagenheitsgefühle im unteren Rücken, der Hüfte, dem Nacken und den Gliedmaßen auftreten. Diese Schmerzen werden häufig in Zusammenhang mit sexueller Schwäche dargestellt. Im Rücken werden Kältegefühle, in den Fingern brennende Hitze beschrieben. Die Gelenke fühlen sich oft geschwollen und angespannt an. [3][4]

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Manche beschreiben unangenehme Kälteempfindungen, die besonders am Abend oder nach Spaziergängen auftreten. Fieber kommt offenbar meistens im Schlaf als brennende, aber trockene Hitze vor, kann aber auch durch den Genuss von Wein ausgelöst werden.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Der Schlaf ist häufig besonders in den Morgenstunden sehr tief, beim Erwachen sind viele Panax Ginseng Kranke sehr schläfrig und haben Kopfschmerzen. [8]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vis Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

China

Die Chinarinde ist die Grundlage zur Herstellung der China Globuli. Sie wächst in Süd- und Mittelamerika bis in große Höhen und wird dort als fiebersenkendes Medikament eingesetzt. Ähnlich wie Panax Ginseng Patienten leiden China Kranke unter starken körperlichen und geistigen Erschöpfungszuständen, auch kommen Verdauungsprobleme wie Blähungen und Durchfall sowie rheumatische Beschwerden häufig vor. Im Gegensatz dazu ist ein überwiegender Widerwille gegen Essen stark ausgeprägt, wobei die Patienten oft auf bestimmte Nahrungsmittel wie Milch, Tee oder Obst sehr empfindlich reagieren, außerdem ist die Grundstimmung von China Kranken reizbar und nervös mit deutlich depressiven Zügen und sind von negativen Gedanken geprägt. [9]

Cimicifuga

Cimicifuga Globuli werden aus der Traubensilberkerze(Cimicifuga racemosa) hergestellt, die ursprünglich aus Nordamerika stammt und in der Pflanzenheilkunde meist bei hormonell bedingten Beschwerden von Frauen eingesetzt wird. Cimicifuga Kranke beklagen ebenso wie Panax Ginseng Patienten häufig rheumatische Beschwerden, Kopfschmerzen, Nervosität oder auch wechselnde Gemütszustände. Jedoch liegt bei ihnen der Schwerpunkt bei weiblichen Problemen in der Schwangerschaft oderBeschwerden, die sich durch das Einsetzen der Menstruation verschlimmern, während Panax Ginseng Kranke häufig unter extremer Schwäche und Abgeschlagenheit leiden, die sexuell bedingt ist. [10]

Hintergrundinformationen

Die umfassende therapeutische Bedeutung erschließt sich schon aus dem Namensursprung, nach dem im Griechischen Panax mit „Heilmittel für Alles“ und Ginseng im Chinesischen dem „Mensch als Dreiheit“ entspricht. Die menschenähnlich aussehende Wurzel galt als Verkörperung einer Naturgottheit, die Verarbeitung zu Rotem Ginseng war deshalb lange Zeit Monopol bestimmter asiatischer Staaten gewesen. Die etwas schwächere Variante des Panax quinquefolius wird unter anderem in den Vereinigten Staaten kultiviert, in der Homöopathie wird zwischen den beiden Sorten nicht unterschieden. [1]