Globuli von P bis Q

Primula veris Globuli

© panthermedia.net / Stefan Holm

Primula veris, auch Wiesenschlüsselblume, Arzneiprimel, Fastenblume, Marienschlüssel oder gelbe Zeitlose genannt, ist eine ausdauernde Pflanze, die vom östlichen Asien bis Westeuropa beheimatet ist. Die Blüten sind wohlriechend und der Blütenstand ist schlüsselartig angelegt, weshalb die Blume auch Schlüsselblume genannt wird. Veris bedeutet Frühling, die Blütezeit liegt im April und Mai. Manche Personen sind gegen die ölartigen Abscheidungen der Drüsenhaare empfindlich und reagieren mit Hautausschlägen auf Kontakt. Für die homöopathische Aufbereitung wird die blühende frische Pflanze verwendet. In der Pflanzenheilkunde wurde Primula veris bereits ab dem Mittelalter bei Gicht, aber auch als Herztonikum, als vorbeugendes Mittel gegen Schlaganfall, bei Geschwülsten, Harnsteinen und bei Erkältungen eingesetzt. Auch heute noch findet Primula veris in der Homöopathie Anwendung bei Vorzeichen vor einem Schlaganfall, Hautausschlägen (Ekzemen) und Nervenschmerzen.[3]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem: Primula kann eingesetzt werden bei Patienten mit Vorzeichen eines Schlaganfalls. Die Patienten sind heißblütig, ängstlich und suchen Abkühlung in irgendeiner Form.

Wo wirkt es: Die Hauptwirkung von Primula findet sich imBlutgefäßsystem und der Haut wieder. Es kommt hierbei zuBlutwallungen, Fieber, Migräne, Schwindel und sogarSchlaganfall. Auf der Haut finden sich Hautauschläge (Ekzeme). Ferner wirkt Primula auf das Nervensystem, wo die Migräne mit Nervenschmerzen (Neuralgien) einhergehen kann, und auf die Stimmbänder. Auch bei Erkältungen oder Durchfall kann Primula veris zum Einsatz kommen.

In welchem Alter?: Wenn die Symptome übereinstimmen, kann Primula in jedem Alter angewendet werden. Die Schlaganfallvorzeichen lassen allerdings auf eine Anwendung eher in späteren Jahren schließen.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es kann zu unterschiedlichen Arten von Schmerzen in verschiedenen Bereichen des Kopfes kommen, die durch einige besondere Umstände verbessert oder verschlechtert werden. Es besteht eine große Hitze mit dem Verlangen sich andauernd abzukühlen. Merkwürdige Empfindungen über den Sitz des Gehirns können ebenfalls auftreten. Die Haut fühlt sich juckend und brennend an. An verschiedenen Organen der rechten Körperseite können dumpfeSchmerzen auftreten. Der Urin verströmt einen ungewöhnlichen Geruch. Patienten verspüren häufig große Angst während der Beschwerden.

Verbesserung: Die Symptome sind besser im Freien und durch Abkühlung. Die Kopfschmerzen verbessern sich durch äußeren Druck.

Verschlechterung: In gebeugter Haltung, durch Bücken, in Bewegung, im Zimmer oder im geschlossenen Wagen erleiden die Patienten eine Verschlechterung ihrer Symptome.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die tendenziell dickköpfigen Patienten erleiden häufigerHitzegefühle mit Angst, die sich gelegentlich mit Glücksgefühlen abwechseln.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es besteht eine große Kopfhitze, verbunden mitBlutandrang und Schwindel.Es kann zu hammerartigen, schlagenden, dumpfen Kopfschmerzen kommen mit Völlegefühl in beiden Schläfen, im Hinterkopf und oberhalb der Stirn. Druck verbessert den Schmerz, genauso wie Aufenthalt im Freien. Eine Verschlechterung tritt beim Bücken, Bewegen und in geschlossenen Räumen auf.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es können brennende und stechende Schmerzen in den Augenhöhlen auftreten. Die Patienten sind empfindlich auf Licht, manchmal sehen sie Fliegen vor den Augen schweben. Das hitzige Gesicht ist blass oder hat rote Flecken auf den Wangen. Auf der rechten Seite der Nasenwurzel besteht ein drückendes Gefühl. Im linken Ohr verspürt der Patient möglicherweise ein Klingeln und Summen.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Häufig besteht Husten mit Brennen und Stechen.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Speichelmenge ist unter Umständen vermehrt und auf der Zunge finden sich Zahneindrücke. Auffallend sind dumpfe, brennende oder stechende Schmerzen in der rechten Seite der Zunge, des Kehlkopfes, des Rachens und des gesamten Verdauungstraktes. Es besteht eine Tendenz zur Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Gänsehaut undHitzegefühl sind während des Stuhlgangs möglich. Nach dem Stuhlgang kommt es zu weiterem schmerzhaftem Stuhldrang (Tenesmus).

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Wegen Reizung des Harnleiters können während dem Wasserlassen brennende Schmerzen auftreten. Der trübe Urin kann streng oder nach Veilchen riechen.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Glieder fühlen sich schwer und matt an, vor allem die Schultern. Das rechte Schultergelenk brennt und kann nicht bewegt werden, was sich beim darauf Liegen bessert. Hände und Füße zittern häufig. Die Beschwerden verschlechtern sich in gebeugter Haltung, durch Bewegung, im Zimmer oder im Auto. Reißende Schmerzen in den Beinen (v.a. links) und ziehende Schmerzen in Daumen und den großen Zehen.[2]

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Haut ist empfindlich und leicht verletzbar, häufig juckt und brennt die Handfläche oder die Kopfhaut.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es besteht intensive Hitze mit Angst vor einem Schlaganfall. Die Hitze ist vor allem im Kopf spürbar und der Patient hat das Verlangen sich abzukühlen. Eventuell fallen rote Flecken auf den Wangen auf. Die Erregung steigt mit der Temperatur an. Entweder hat der Patient Schweiß auf der Stirn und kalte Füße und Hände, oder der Körper fühlt sich kalt an und die Hände und Füße schwitzen.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vis Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Belladonna

Auch bei Belladonna finden sich viele Kopfsymptome. Es bestehen Hitze und Blutandrang, Vollheitsgefühl, Hämmern im Kopf sowie generelle Schwäche. Die Schmerzen sind ebenfalls vorwiegend brennend und es besteht ein Bezug zur rechten Seite. Der große Unterschied zu Primula ist auf der Gemütsebene und im Nervensystem zu finden, das bei Belladonna sehr sensibel reagiert. Der Belladonna-Patient ist der Realität entrückt und vergisst die ihn umgebende Realität, während der Primula-Patient eine Tendenz zu Angst und Dickköpfigkeit haben kann oder sogar gut gelaunt erscheint. Im Gegensatz zu Primula ist der Belladonnapatient hochgradig sensibel auf Außenreize. Alle Kopfsymptome werden hier durch Licht, Lautstärke und Erschütterungen schlechter.

Cyclamen

Wie bei Primula veris findet sich bei Cyclamen Blutandrang zum Kopf mit verstärktem Hitzegefühl und Schwindel. Auch hier wird der Kopfschmerz durch kaltes Wasser gebessert. Im Unterschied zu Primula werden die Kopfschmerzen im Freien allerdings schlechter und verbessern sich im warmen Zimmer.

Opium

Auch bei Opium kommt es zu einem Völlegefühl und einer Schwere des Kopfes, mit Schwindel, Hitze und Schweiß. Die Muskeln sind träge, der Patient ist allerdings in allen Bereichen weitaus stärker verlangsamt als bei Primula. Auffallend ist eine starke Bewusstseinseintrübung, die man bei Primula-Patienten in dieser Form nicht finden kann. Auch bei Opium sucht der Betroffene Abkühlung. Ein großer Unterschied liegt im Fehlen von wässrigen Durchfällen bei Opium. Durch die Trägheit besteht massive Verstopfung.[5]

Hintergrundinformationen

Man sagt den Blüten von Primula veris eine narkotische Wirkung nach. Schlüsselblumenwein war auf dem Land ein bevorzugtes Mittel bei vielen kleinen Beschwerden.[1] Die gedörrte, zu Pulver zerstoßene Wurzel wird auch als Niespulver und in Österreich und der Schweiz zum Färben von Ostereiern verwendet.[4] Die Namensherkunft Primula lässt sich auf lateinisch primus = der Erste zurückführen, weil Vertreter der Gattung zu den ersten Frühlingsblumen gehören. Die unterirdischen Teile von Primula veris stehen in Deutschland nach Artenschutzverordnung regional unter Naturschutz und sollten deshalb nicht gesammelt werden. In den verschiedenen Primulaarten ist ein Gefäßgift enthalten, das starke Mehrdurchblutung und Schwellung von Haut und Schleimhaut zur Folge hat. Es kann zu Quaddeln und Blasen führen, an der Schleimhaut auch zu Entzündungen und Eiterungen.[3]