Globuli von P bis Q

Piper methysticum Globuli

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Piper methysticum Globuli, die zu den homöopathischen Arzneimitteln zählen, werden aus dem Rauschpfeffer (Piper methysticum) hergestellt, der auch unter dem Namen Kawa-Kawa bekannt ist. Zu den mit Piper methysticum behandelten Symptomen und Krankheitsbildern gehören Schläfrigkeit und Benommenheit, schmerzhafte Gelenkerkrankungen, z.B. Arthrose und Entzündungen und Infekte des Harntraktes, z.B. Blasenentzündungen (Zystitiden), Harnröhrenentzündungen (Urethritiden) oder die Tripper-Infektion (Gonorrhoe). Auch Hauterkrankungen, typischerweise mit stark schuppendem Hautbild und Neigung zu Geschwür- und Eiterbildung, gehören zu den Indikationen von Piper methysticum.[1] Ob die ausschließliche Behandlung mit Piper methysticum bei den erwähnten Anwendungsgebieten ausreicht, hängt im Wesentlichen von der Verfassung des Patienten und der Schwere und Form der jeweiligen Erkrankung ab. Bei schmerzhaften Erkrankungen der Gelenke sollte ein Facharzt (Orthopäde oder Rheumatologe) hinzugezogen und die geeigneten Maßnahmen mit ihm besprochen werden. Besteht der Verdacht auf eine Geschlechtskrankheit wie der Tripper-Infektion sollte ebenfalls professionelle medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Bei Symptomen wie anhaltender Müdigkeit oder Erschöpfung sollte ein Arzt konsultiert werden, da beide Beschwerden Ausdruck einer ernsten Grunderkrankung wie etwa einer Schilddrüsenerkrankung sein können.[2] Zudem gilt zu beachten, dass bei starker Tagesmüdigkeit ein erhöhtes Unfallrisiko im Straßenverkehr oder während der Arbeit besteht.[3]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Piper methysticum wird bei Erschöpfung und Schläfrigkeit verordnet, besonders wenn diese Symptome bei sonst geistig regen Personen auftreten. Ferner stellen Gelenkerkrankungen einen wichtigen Bestandteil der Heilanzeigen dieses Arzneimittels dar. In erster Linie wird es bei Beschwerden, die durch Abnutzung und Verschleiß entstanden sind und somit dem Krankheitsbild der Arthroseentsprechen, verschrieben. Typischerweise verspürt der Patient trotz der Schmerzen einen starken Bewegungsdrang. Brennende Beschwerden im Harntrakt, wie sie im Rahmen einer gewöhnlichen Harnblasenentzündung und Harnröhrenentzündung oder aufgrund einer Tripper-Infektion auftreten können, gehören ebenfalls zu den Indikationen von Piper methysticum. Auch wenn sich die Haut stark schuppend zeigt und bei geringsten Verletzungen mit Eiter- und Geschwürbildung reagiert, kann Piper methysticum indiziert sein. Hauterscheinungen treten beispielsweise im Falle der Fischschuppenkrankheit (Ichthyose) oder der Lepra-Erkrankung auf.

Wo wirkt es?: Zu den organischen Hauptangriffspunkten werden in erster Linie das zentrale Nervensystem, der Harntrakt, die Gelenke und die Haut gezählt. 

In welchem Alter?: Piper methysticum wird aufgrund seiner Wirkung bei schmerzhaften Gelenkerkrankungen vor allem bei älteren Patienten eingesetzt. Es kann jedoch von allen Altersgruppen angewandt werden.[1][4]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Charakteristische Leitsymptome für die Anwendung des Homöopathikums Piper methysticum sind die schläfrige Benommenheit und Erschöpfung, die brennenden Beschwerden beim Urinieren, die schmerzhaften Entzündungen an den Gelenken, der starke Bewegungsdrang unter Schmerzen und die Neigung der Haut, stark zu schuppen und sich geschwürig zu entzünden.

Verbesserung: Eine Verbesserung der Symptome kann eintreten, wenn sich die Gedanken des Patienten einem anderen Thema zuwenden, in Bewegung und bei Wechsel der Position.[1][4] 

Verschlechterung: Zur Auslösung einer Verschlechterung der Beschwerden sind keine Angaben bekannt. 

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Empfindliche Persönlichkeit mit größtenteils gehobener Stimmung. Für geistig rege Personen, die voller Lebenslust sind, intellektuelle Beschäftigung benötigen und viele eigene Ideen haben, die aber durch Erschöpfung, Schläfrigkeit oder Schlaflosigkeit gehemmt sind. Bei Schmerzen führt geistige Ablenkung zu einer zeitweiligen Besserung. Ruheloses Verlangen, die Stellung zu verändern.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Drückende Kopfschmerzen an verschiedenen Stellen einhergehend mit dem Gefühl, als wären die versorgenden Blutgefäße durch eine Schnur abgebunden. Kopfschmerzen treten oft gemeinsam mit Schläfrigkeit auf.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Starke krampfhafte Schmerzen (Koliken) mit Blähungen (Flatulenz).

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Vermehrter Urin, vermehrter Harndrang, Brennen bei der Entleerung der Harnblase (Miktion), Blasenentzündungen. Auch die Tripper-Infektion zählt zu den möglichen Anwendungsgebieten. Typisch ist die schmerzhafte Krümmung des erigierten Penis bei dieser Erkrankung. Weitere Heilanzeige: Bestehender Ausfluss nach Tripper.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Beschwerden bei Tripper (siehe Harnorgane).

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Schmerzen im rechten Arm, Schmerzen im Daumengelenk. Die Hände fühlen sich wie gelähmt an. Schmerzen in den Gelenken entstehen vor allem durch Abnutzungsprozesse im Rahmen einer Arthrose. Verlust der Muskelkraft. Typisch für den Anwendungsbedarf der Globuli ist, dass der Patient trotz der Schmerzen und der Schwäche, wegen derer er sich kaum mehr auf den Beinen halten kann, den Drang verspürt, sich zu bewegen.

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Oft unreine, ungesunde und schuppige Haut. Jeder Kratzer beginnt zu eitern und heilt nur schwer. Sich ablösende Schuppen hinterlassen weiße Flecken auf der Haut, die die Form eines kleinen Geschwüres (Ulcus) annehmen können. Arznei wird auch bei der Fischschuppenkrankheit angewendet, einer erblichen Verhornungsstörung der Haut, bei der der Körper stellenweise oder vollständig mit dicken Schuppen überzogen ist. Auch die knotige und fleckige Erscheinung der Haut bei Lepra-Patienten, einer bakteriellen Infektionskrankheit, zählen zum Indikationsbereich.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Unzusammenhängende Träume.[1][4]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Rhus toxicodendron

Ein Indikationsgebiet mit ähnlicher Symptomatik (Ruhelosigkeit und starkem Bewegungsdrang trotz Gelenkschmerzen) wird dem Mittel Rhus toxicodendron aus dem Giftsumach (Toxidendron quercifolium) zugeschrieben. Die Schmerzen können hierbei als Folge von Überanstrengung, Zerrung (Distension), Verstauchung (Distorsion) oder Verrenkung (Luxation) oder im Rahmen einer entzündlichen Gelenkerkrankung wie zum Beispiel der rheumatoiden Arthritis (chronische Polyarthritis) auftreten. Typischerweise bessert sich der Schmerz durch fortgesetzte Bewegung, durch Wärme und durch Reiben der betroffenen Stelle. Bei kaltem und feuchtem Wetter, bei Nässe, in Ruhe und zu Beginn einer Bewegung verstärken sich die Beschwerden.

Calcium fluoratum

Große innere Unruhe bei Gelenkbeschwerden zeigt sich hingegen typischen für die Anwendung des Mittels Calcium fluoratum, das aus natürlich vorkommendem Flussspat hergestellt wird. Charakteristisch sind die mangelnde Konzentrationsfähigkeit des Patienten, sowie seine ängstlich-depressive Stimmung mit dem Verlust jeder Initiative, die Überempfindlichkeit gegen äußere Eindrücke und die rasche körperliche und geistige Ermüdbarkeit. Bei der geringsten Anstrengung besteht eine Neigung zu übelriechendem Schweiß. Kälte, aber auch heißes, drückendes Wetter führen zu einer Verschlechterung der Symptome, Essen hingegen bessert die Symptomatik.

Harpagophytum procumbens

Bei schmerzhaften Prozessen vor allem der größeren Gelenke wie den Hüftgelenken kann das Arzneimittel Harpagophytum aus den Wurzeln der Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) eine Option darstellen. Der Patient beschreibt seinen Schmerz typischerweise als bohrend, ziehend, krampfend oder reißend. Besonders beliebt ist die äußere Anwendung des Mittels, wofür im Handel homöopathische Salben erhältlich sind.

Opium

Bei ausgeprägter Schläfrigkeit und träumerischer Benommenheit kann das Mittel Opium, hergestellt aus dem Schlafmohn (Papaver somniferum) eine Alternative darstellen. Die Schläfrigkeit kann bei Opium bis zum Verlust des Bewusstseinsführen. Das Gesicht zeigt sich geschwollen, blutunterlaufen und heiß, es besteht eine Neigung zu Verstopfung (Obstipation) und ungewolltem Harnabgang (Harninkontinenz). Der Patient lässt sich nur schwer aus dem Schlaf erwecken. Beschwerden verstärken sich bei Wärme und vor und nach dem Schlafen und bessern sich durch Abkühlung.[1][4][5]

Hintergrundinformationen

Das homöopathische Mittel Piper methysticum wird aus dem getrocknetem Wurzelstock des Rauschpfeffers (Piper methysticum) anhand den Vorschriften des homöopathischen Arzneibuches (HAB) hergestellt.[1]

Bei dem Rauschpfeffer handelt es sich um einen immergrünen, bis zu fünf Meter hohen Busch mit sehr großen herzförmigen Blättern und unscheinbaren Blüten, der auf den Inseln Mikronesiens und Polynesien, nördlich von Australien, beheimatet ist. Imposant sind die stark verzweigten Wurzelstöcke der Pflanze, welche bis zu 10 Kilogramm schwer werden können. Diese wurden von den Einwohnern besagter Inselstaaten als Heilpflanze, aber auch als beruhigende und betäubende Rauschdroge während ritueller und religiöser Feste verwendet. Im 19. Jahrhundert erfreute sich Piper methysticum auch in Europa einem hohen Bekanntheitsgrad, vor allem als Arzneipflanze für schmerzhafte Erkrankungen wie Harnblasenentzündungen, Gelenkerkrankungen und Tripper-Infektionen.[6]
Die Arzneipflanze Piper methysticum genoss in der heutigen Phytotherapie zunächst einen guten Ruf und wurde auch von Schulmedizinern geschätzt. Die Hauptwirkstoffe der Pflanze, die sogenannten Kavalactone, zeigen einen Einfluss auf den Stoffwechsel der Botenstoffe im Gehirn (Neurotransmitter) und können sich daher auf verschiedene psychische Störungen positiv auswirken. Zubereitungen aus dem Wurzelstock wurden bis zum Jahr 2007 alspflanzliche Alternative zu den konventionellen angstlösenden Medikamenten(Anxiolytika) wie den Benzodiazepinen eingesetzt. Ein großer Vorteil bestand darin, dass nach Einnahme der Präparate aus Piper methysticum keine körperliche oder psychische Abhängigkeit feststellbar war.[7] Im Jahr 2007 wurden alle Präparate, die Auszüge aus dieser Pflanze enthielten, aufgrund gesundheitlicher Bedenken und einer Entscheidung des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vom Markt genommen. In der Folge haben mehrere Pharmaunternehmen gegen die Entscheidung des Bundesinstituts geklagt und im Februar 2015 Recht zugesprochen bekommen. Eine Rückkehr von Präparaten, die die Arzneipflanze Piper methysticum enthalten, erscheint demnach möglich, wenn auch unter strengen Richtlinien.[8]