Globuli von P bis Q

Pulsatilla Globuli

© PantherMedia / Herbert Schlemmer

Pulsatilla pratensis, auch Wiesenkuhschelle oder Wiesenküchenschelle genannt, ist eine einheimische Pflanze, die zur Pflanzenfamilie der Ranunculaceae (Hahnenfußgewächse) gehört. Aus einer kräftigen, am Boden wachsenden Blattrosette wächst im zeitigen Frühjahr (März bis Mai) ein bis mehrere, aufrechte, silbrig-behaarte Stängel mit am Ende jeweils eine große, behaarte, lilafarbene Blüte. Die Blüte hängt leicht nach unten geneigt, wie eine Glocke, daher wohl der Name (Glocke oder Kuhschelle bzw. Kühchen-schelle).Der lateinische Name kommt von „pulsare“. Es bedeutet schlagen, läuten. [1] Als Fruchtstand entwickelt die Pulsatilla einen typischen seidig-glänzenden Schopf nach der Blüte. Deswegen wird die Pflanze auch Teufelsbart oder Bocksbart genannt. Dieser Name kommt nicht von ungefähr, denn früher war die Pflanze den Menschen etwas unheimlich, nicht nur wegen der Form sondern auch weil alle Pflanzenteile giftig sind und schon das alleinige Anfassen starke Hautreizungen verursachen kann. Wird die Pflanze verzehrt, so treten brennende Schmerzen in Mund und Darm auf und es kann zu einer Ohnmacht kommen. Schon in der Antike wurde Pulsatilla als Heilmittel verwendet, u.a. zur Menstruationsförderung und bei Hysterie.

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Wo wirkt es?: In der Homöopathie ist Pulsatilla ein unverzichtbares Arzneimittel mit sehr vielseitigen Einsatzmöglichkeiten, deswegen gehört dieses Mittel zu den sogenannten Polychresten („vielnütziges Mittel“). In der Kinder- und Frauenheilkunde gehört es zu den wichtigsten homöopathischen Arzneien.
Doch auch Männer werden mit Pulsatilla behandelt, wenn die Symptomatik des Patienten mit der Arznei übereinstimmt. Diese beinhalten vor allem eine starke Unbeständigkeit und Wechselhaftigkeit, sowohl der Stimmung als der körperlichen Symptomatik. Pulsatilla wird der Wetterhahn unter den homöopathischen Mitteln genannt [2], so wie eben ein Tag in April ist: wechselhaftes Wetter mit Regen, Wind und Sonnenschein. Das Thema der Wechselhaftigkeit durchzieht die Pulsatilla-Symptomatik. Neben einer sehr starken psychischen Komponente wird Pulsatilla hauptsächlich eingesetzt gegen Beschwerden des Kopfes, des Verdauungstraktes und der Geschlechtsorgane (Urogenitaltrakt).

In welchem Alter?: Pulsatilla wird bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen verwendet sowie bei Erwachsenen. Es ist ein wichtiges Mittel gegen viele Kinderkrankheiten (Mumps, Windpocken, Masern).
Pulsatilla wird oft gebraucht in Zeiten der hormonellen Umstellung: Pubertät, Schwangerschaft, Geburt und Klimakterium.

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Kranke, die Pulsatilla benötigen, zeigen Wechselhaftigkeit mit Weichheit sowie Nachgiebigkeit ohne konkreten Standpunkt[3]. Es sind sehr emotionale Menschen, sanft, schüchtern und beeindruckbar. Im körperlichen Bereich treten wechselnde Beschwerden und wandernde Symptome auf. Das Befinden verschlechtert sich in geschlossenen Räumen, dagegen werden alle Beschwerden besser draußen, an der frischen Luft. Wenn sie sich im Zimmer aufhalten, dann ist meist das Fenster geöffnet. Pulsatilla-Patienten brechen sehr schnell in Tränen aus und weinen bessert ihren Zustand sehr. Sie möchten getröstet werden, verlangen nach Halt und Zuspruch.
Halt suchen Kinder vor allem an der Mutter, in dem sie ständigen Körperkontakt suchen. Sie wollen geliebt und gestreichelt werden und brauchen viel Bestätigung.
Der Körperbau wird meist als blond und blauäugig geschildert, mit roten Bäckchen und von der Figur her eher vollschlank, das muss aber nicht immer zu treffen für eine Verordnung der Arznei. Sie sind eher warmblütig aber neigen zu schnellem Frieren.
Viele Beschwerden entstehen als Folge des Gefühls verlassen worden zu sein oder nicht genug Aufmerksamkeit bekommen zu haben. Eine andere Ursache für das Entstehen von Pulsatilla-typischen Beschwerden ist Durchnässung, besonders wenn die Füße über längere Zeit nass und kalt wurden.
Pulsatilla-Patienten sind durstlos, sogar bei trockenem Mund oder in Situationen, wo man Durst erwarten würde (z.B. bei Fieber).
Wenn Sekret auftritt (bei Husten/Schnupfen, etc…), ist es eher mild, reichlich und gelb-grünlich.

Verbesserung: Die Beschwerden bessern sich im Freien, durch langsame Bewegung und durch Trost.

Verschlechterung: Sie verschlechtern sich durch Wärme, vor und während der Menstruation, durch fettes Essen, abends und nachts, Nasswerden der Füße, in Zeiten der hormonellen Umstellung.

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Pulsatilla-Patienten sind sanft, schüchtern, gefühlsbetont und empfindlich. In ihrer Offenheit sind sie leicht beeindruckbar und formbar. Sie zeigen unvorhersehbare Stimmungen, himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt. Es besteht eine Neigung zu Melancholie und Weinerlichkeit. Die Betroffene ist denn nicht mehr fähig sich für irgendetwas zu entscheiden, sondern sitzt irgendwo und starrt vor sich hin. Sie fühlt sich verlassen und möchte getröstet werden. Die Pulsatilla-Patientin kann aber auch gereizt sein, vor allem vor und während der Monatsblutung oder wenn sie nicht genügend Aufmerksamkeit bekommt. Die Abhängigkeit und Beeindruckbarkeit zeigt sich nicht nur in den Beziehungen, sondern kann sich auch als starke Hingabe an eine Religion / Sekte in der Pubertät zeigen, die bis zu missionarischem Eifer gehen kann.Die Pulsatilla kranken Frauen gehören oft zu den Müttern, die ihre Kinder sehr umsorgen. Alles dreht sich für sie um die Familie. Es bestehen multiple Ängste, v.a. beim Alleinsein, aber auch im Dunkeln, Angst in engen Räumen, vor Geistern, vor dem Verlassen werden und vor Einbrechern.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Pulsierende, migräneartige Kopfschmerzen vor oder während der Regel oder vermehrt im Klimakterium auftretend , ggf. mit Schwindel einhergehend. Verschlimmerung in der Sonne, durch Anstrengung oder Emotionen, Besserung durch Kälte, kalte Anwendungen, im Freien.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Augen: Pulsatilla gehört zu den wichtigsten Mitteln bei Augenbindehautentzündung (Konjunktivitis). Die Augen sind morgens verklebt und es sondert sich ein mildes, grün-gelbliches Sekret ab. Die Augen können brennen und jucken, es kann Tränenfluß auftreten. An den Augen können Gerstenkörner auftreten.

Nase: Schnupfen mit mildem, gelb-grünlichem Sekret. Heuschnupfen mit Juckreiz am Gaumen. Die Nase ist nachts verstopft. Es besteht abwechselnd Stock- und Fließschnupfen.

Ohren: Mittelohrentzündung (Otitis media) ist eine der wichtigsten Indikationen für Pulsatilla, v.a. wenn die Ohrenschmerzen wellenartig kommen und gehen, hauptsächlich nachts. Sie treten am ehesten rechts auf und bessern sich durch kalte Anwendungen und frische Luft. Das Trommelfell kann platzen und dann zeigt sich ein mildes gelb-grünliches Sekret (Otorrhoe).

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Husten und Bronchitis mit gelb-grünlichem Auswurf. Der Husten ist schlimmer nachts und beim Liegen. Pulsatilla gehört zu den wichtigsten Mitteln bei Asthma bronchiale im Kindesalter, oft ausgelöst durch Infekte. Es treten Atemnot und ein Druckgefühl in der Brust auf, schlimmer abends und nachts und schlimmer im warmen Zimmer, besser im Freien.[4]

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es besteht ein starkes Verlangen nach Butter, Sahne und Käse, nach Saurem, nach Speiseeis, nach kalten Speisen. Hingegen eine Abneigung gegen warme Speisen. Außerdem besteht ein Verlangen nach Fett und Schweinefleisch, diese werden aber nicht vertragen und lösen oft Blähungen, Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen aus. Auffallend bei Pulsatilla ist die Durstlosigkeit, sogar bei trockenem Mund. Der Betroffene berichtet oft über einen pappigen Mundgeschmack und hat einen schlechten Mundgeruch. Im Allgemeinen ist die Verdauung sehr wechselhaft, keine zwei Stühle haben die gleiche Konsistenz. An Pulsatilla ist zu denken bei Schwangerschaftsübelkeit und -erbrechen.

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es zeigt sich ein häufiger Harndrang, auch nachts und ein unwillkürlicher Harndrang (Inkontinenz), vor allem in der Schwangerschaft und beim Lachen, Niesen und Husten. Pulsatilla ist eins der Hauptmittel bei kindlichen Harnwegsinfekten. Blasenbeschwerden ausgelöst von Nässe und Kälte.

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Bei Männern kann Pulsatilla eingesetzt werden bei Prostatitis (Entzündung der Vorsteherdrüse) oder Prostatahypertrophie (Vergrößerung der Prostata). Auch bei Hodenentzündung als Komplikation nach Mumps wird Pulsatilla verwendet. Pulsatilla ist ein wichtiges Mittel bei Problemen mit der Menstruation, v.a. in der Pubertät, wenn die Mädchen über sehr starke Schmerzen klagen (Dysmenorrhoe). Die Periode kann auch verspätet oder unregelmäßig sein. Nicht nur in Rhythmus, sondern auch in Stärke kann sich die Monatsblutung ständig ändern. Es kann einen milchigen Ausfluss (Fluor) bestehen, auch schon bei kleinen Mädchen. Pulsatilla kann verabreicht werden bei Wehenschwäche, um die Geburt zu beschleunigen. Es ist ein wichtiges Mittel im Klimakterium, vor allem bei Frauen die leicht weinen und sich allein fühlen, weil die Kinder ausgezogen sind („empty nest Syndrom“) und sie niemanden mehr zum Umsorgen haben.

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Typische Beschwerden für Pulsatilla sind wandernde Gelenkschmerzen im Rahmen von Gelenksentzündungen (Arthritis), besonders in Hüften und Knien. Die Schmerzen sind schlimmer am Anfang der Bewegung und durch Wärme, besser durch anhaltende Bewegung und Kälte. Krampfadern an den Beinen (Varikosis). Die Beine fühlen sich müde und geschwollen an. Es treten Rückenschmerzen auf, die schlimmer sind vor der Menstruation.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Pulsatilla-Kranke sind zwar gerne draußen an der frischen Luft und haben einen Mangel an Lebenswärme, trotzdem mögen sie keine Hitze. Sie bevorzugen milde Temperaturen. Sie schwitzen v.a. an den Füßen und dieser Schweiß ist übelriechend. Sie frösteln im Fieber aber äußerliche Wärme ist unerträglich. Bei Hitzewallungen im Klimakterium kann auch an Pulsatilla gedacht werden.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Eine typische Schlafposition für Pulsatilla ist auf dem Rücken oder Bauch liegend mit den Armen über dem Kopf. Das Einschlafen kann sich durch hartnäckige Gedanken schwierig gestalten.

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Phosphorus

Phosphor ist auch offen, freundlich und mitfühlend. Es bestehen viele Ängste, auch vor dem Alleinsein. Phosphor liebt Speiseeis, hat allerdings sehr viel Durst. Vom Körperbau her sind Phosphor-Patienten eher dünn und hager. Sie leiden häufig unter Atemwegsinfekten. Bronchitis und rechtsseitige Lungenentzündung sind Krankheiten, bei denen Phosphor häufig indiziert ist.

Sepia

Sepia wird oft eingesetzt bei hormonellen Problemen. Es kann die Monatsblutung regeln, kann hilfreich sein bei Schwangerschaftsbeschwerden und bei Beschwerden in der Menopause. Sepia-Frauen wollen allerdings lieber allein sein, sind erschöpft und gereizt, vor allem gegenüber Menschen die ihnen nahe stehen (Ehemann und Kinder). Die Beschwerden bessern sich durch sportliche Bewegung und Alleinsein.

Sulfur

Menschen denen homöopathischer Schwefel hilft, haben viele Probleme mit der Haut und mit der Verdauung. Sie sind warmblütig und die Beschwerden bessern sich durch Kälte. Sie werden schlimmer abends und in der Bettwärme. Alle Körperöffnungen (Nasenlöcher, Lippen, After) können leuchtend rot sein wegen Blutandrang (Kongestionsmittel).

Hintergrundinformationen

Pulsatilla gehört zu der Familie der Hahnenfußgewächse. Alle Pflanzen dieser Familie sind giftig, sie enthalten Protoanemonin und viele werden in der Homöopathie verwendet. Zu den bekanntesten gehören Aconitum (Sturmhut), Staphysagria (Stephanskraut), Cimicifuga (Wanzenkraut) und Clematis (Waldrebe). Viele dieser Mittel zeigen eine Wirkung im hormonellen System. Von einer Selbstanwendung mit Tees oder selbstgemachten Tinkturen muss dringend gewarnt werden! Obwohl die getrocknete Pflanze angeblich ihre Giftigkeit verliert, wird sie in der Volksheilkunde kaum noch verwendet. In der Homöopathie wird die Pulsatilla pratensis (Wiesenkuhschelle) verwendet. Die frische, blühende Pflanze wird zusammen mit der Wurzel zerkleinert, verdünnt und verschüttelt. Zur Familie gehören mehrere Arten, u.a. auch die Pulsatilla vulgaris (gewöhnliche Kuhschelle). Alle Arten sind durch die zunehmende Düngung und Ausbreitung der landwirtschaftlichen Nutzflächen in Deutschland vom Aussterben bedroht. Sie stehen daher unter Naturschutz. Sie bevorzugen kalkhaltige Böden, meist in sonniger Lage, in lichten Kieferwäldern und mageren Wiesen.