Einnahme & Dosierung

"Notfall Globuli"

© PantherMedia / Thomas Francois

Neben der Behandlung von akuten oder chronischen Erkrankungen kann die Homöopathie auch zur Therapie von akuten Beschwerden und Notfällen verwendet werden. Hierfür wird sie mittlerweile auch von einigen Ärzten eingesetzt. Nicht bei jedem Notfall ist eine alleinige Behandlung mit Homöopathika ratsam. Homöopathische Arzneien kommen vorwiegend nicht bei lebensgefährlichen Zuständen, sondern bei akuten Beschwerden wie zum Beispiel bei Schmerzzuständen oder kleineren Verletzungen zum Einsatz.[1]

Wer akute Beschwerden mit homöopathischen Arzneien behandeln möchte, der sollte sich eine homöopathische Notfallapotheke anschaffen, in der die Mittel für die Akuttherapie der wichtigsten „alltäglichen kleineren Notfälle“ enthalten sind. Um bei Bedarf die richtige Arznei schnell zu finden, lohnt es sich, sich schon im Vorfeld durch Fachliteratur oder durch Seminare Kenntnisse über die Einsatzmöglichkeiten der einzelnen Arzneien anzueignen.

Wenn bereits Grunderkrankungen bestehen, kann die homöopathische Notfallapotheke auch Arzneien beinhalten, die bei möglichen Komplikationen dieser Grunderkrankungen eingesetzt werden können. Heuschnupfen-Patienten sollten zum Beispiel Arzneien mit sich führen, deren Einsatz sich bei Heuschnupfen-Symptomen bewährt hat. Ob eine homöopathische Behandlung möglicher Komplikationen ausreichend ist, sollte schon im Vorfeld mit dem Arzt besprochen werden.

Eine homöopathische Behandlung ist bei Notfällen kein Ersatz für eine ärztliche Behandlung. Bei allen akuten Beschwerden, die ärztlicher Hilfe bedürfen (siehe „Zu beachten“), kann zwar die homöopathische Arznei gegeben werden, eine ärztliche Behandlung sollte aber dennoch erfolgen.

Bei allen akuten Beschwerden, bei denen erhebliche gesundheitliche Schäden oder der Tod des Patienten zu befürchten sind, sollte umgehend ein Notarzt gerufen werden.[1][2][3]

Angewendete Globuli bei Notfällen

Welche Ausprägung trifft auf Sie zu?

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie ist für die Wahl der richtigen Arznei entscheidend, welche der folgenden Ausprägungen die Beschwerden des Betroffenen am besten beschreiben. Je mehr Punkte einer Ausprägung auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der darunter aufgeführten Arznei.

Hoch akute, schlagartig auftretende heftige Schmerzen oder Fieber mit Angst, Herzklopfen und Blässe. Schock mit Panik. Herzbeschwerden.

Der Patient zeigt sich typischerweise sehr erregt, unruhig, ist sehr durstig und hat Angst, nicht selten vor dem Tod. Die Arznei ist angezeigt bei plötzlichem, schnell ansteigendem und schweißlosem Fieber mit rasendem Puls. Herzbeschwerden sind meist von Schweißausbrüchen und Hitze der Haut begleitet. Kopfschmerzen gehen mit einem starken Hitzegefühl am Kopf einher.[4][5]

Verbesserung:

Durch Kälte, an der frischen Luft, in Ruhe und bei warmem Schwitzen.

Verschlechterung:

Durch Zudecken, Lärm und helles Licht.

Angewendete(s) Mittel:

Aconitum napellus

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

AD

Insektenstiche. Allergische Reaktionen. Beschwerden nach Sonneneinstrahlung. Leitsymptome: Lokale zarte Rötung, Schwellung, brennende Schmerzen und Hitze.

Betroffene Stellen sind sehr empfindlich gegen Berührung. Der Patient ist meist ruhelos, nervös, reizbar und hat keinen Durst. Bei Sonnenstich zeigt sich typischerweise wenig dunkler Urin, ein schweißnasser Kopf und eine Verbesserung der Beschwerden durch Pressen des Kopfes mit den Händen. Der Einsatz der Arznei hat sich bei allergisch bedingten, schmerzlosen Schwellungen der Haut (Quincke Ödem) bewährt.[6][7]

Verbesserung:

Durch kühle Anwendungen und an der frischen Luft.

Verschlechterung:

Bei Berührung, durch Wärme und durch Kleiderdruck.

Angewendete(s) Mittel:

Apis mellifica

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

AD

Unfall, Verletzungen, Blutungen, großer Schreck oder Schock. Schwindel oder Kopfschmerzen nach Kopfverletzungen. Gehirnerschütterung. Prellungen. Beschwerden durch Überlastung. Augenverletzungen mit stumpfen Gegenständen.

Die Arznei ist hilfreich nach Stürzen, Quetschungen und Verletzungen mit einem stumpfen Gegenstand. Typisch ist das Wundheits- und Zerschlagenheitsgefühl, die Überempfindlichkeit des ganzen Körpers, die Bildung von Blutergüssen und die große Angst vor Berührung. Weitere Hinweise, die für den Einsatz dieser Arznei sprechen, sind die Unfähigkeit, vor Schmerzen aufrecht zu gehen, die Überzeugung des Patienten, es sei ihm nichts passiert und er bräuchte keine Hilfe, die Rötung seines Gesichtes bei gleichzeitig kühlem Körper oder seine Empfindung, dass alles, worauf er liegt, zu hart sei. Bei Augenverletzungen kann die Arznei hilfreich sein, wenn nach einem Schlag auf das Auge ein Bluterguss entsteht oder wenn nach Entfernen eines Fremdkörpers eine Wundheitsgefühl bleibt.[2][8][9]

Verbesserung:

Durch kalte Wickel und beim Liegen auf weicher Unterlage.

Verschlechterung:

Durch Berührung, Bewegung oder Anstrengung.

Angewendete(s) Mittel:

Arnica montana

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

AD

Brechdurchfall. Lebensmittelvergiftungen. Großflächige Verbrennungen. Notfälle mit starker Schwäche, Unruhe, Kräfteverlust und brennenden Schmerzen, die sich durch Wärme bessern.

Trotz Erschöpfung leidet der Patient unter starker körperlicher und geistiger Unruhe. Trotz großem Durst trinkt er typischerweise wenig, dafür oft, bei starker Erschöpfung ist er durstlos. Die Durchfälle sind wässrig und sehr übel riechend. Erbrechen und Durchfall können sofort nach dem Essen oder Trinken einsetzen.[10]

Verbesserung:

Durch Wärme. Herumgehen bessert die Unruhe, aber nicht die Beschwerden. Durch warme Speisen und Getränke.

Verschlechterung:

Durch Kälte, durch kalte Speisen und Getränke und kurz nach Mitternacht.

Angewendete(s) Mittel:

Arsenicum album

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

AD

Beschwerden durch Hitze oder Sonne. Bewusstseinsstörung. Kopfschmerzen. Plötzliche und heftige Beschwerden mit großer Hitze, pulsierenden Schmerzen, Brennen und Rötung.

Mögliche Begleitsymptome sind: Starke Reizbarkeit, erweiterte Pupillen, glänzende Augen, dampfende Hitze des Kopfes und eine Überempfindlichkeit aller Sinne. Bei Fieber weist der Patient meist ein hochrotes und heißes Gesicht auf, seine Hände und Füße sind kalt. Die Arznei kann bei Sonnenbrand, beim Sonnenstich und beim Hitzeschlag hilfreich sein.[11][12]

Verbesserung:

Im warmen Zimmer, im Dunkeln.

Verschlechterung:

Bei geringster Berührung oder Bewegung, durch Lärm und Licht, während der Zahnung.

Angewendete(s) Mittel:

Bellladonna

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

AD

Verletzungen und Stauchungen von tiefer gelegenen Organen und Geweben. Unterleibsoperationen.

Der Patient erlebt seinen Schmerz als quetschend, zerrend und zum Teil auch klopfend. Schwellungen können sich stark verhärten. Bei Verstauchungen könnte der Betroffene bei jedem Schritt schreien vor Schmerzen, geht aber weiter. Im Unterschied zum Arzneibild des Mittels Arnica ist er nicht abweisend und nimmt Hilfe gerne und sofort an.[2][13]

Verbesserung:

Durch Reiben, Massage und leichte, fortgesetzte Bewegung.

Verschlechterung:

Durch körperliche Anstrengung, durch kaltes und heißes Baden.

Angewendete(s) Mittel:

Bellis perennis

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

AD

Verletzungen und Schmerzen von Nerven oder von nervenreichen Geweben wie zum Beispiel der Finger oder der Zähne.

Der Betroffene leidet unter unerträglich starken, stechenden und meist ausstrahlenden Schmerzen. Begleitend können Taubheits- oder Kribbelgefühle auftreten. Die Arznei ist eine wertvolle Option bei schmerzhaften Zahnentzündungen, Zahnverletzungen oder nach zahnärztlichen Eingriffen.[2][14]

Verbesserung:

Durch ruhiges Liegen, durch Strecken und durch gerade Haltung.

Verschlechterung:

Durch Berührung, Bewegung, Druck und bei Kälte.

Angewendete(s) Mittel:

Hypericum

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

AD

Zerrungen von Sehnen und Bändern, Schleimbeutelentzündungen, Verstauchungen der Gelenke. Schlagverletzungen am Knochen und an der Knochenhaut.

Schmerzende Körperteile fühlen sich geprellt, zerschlagen oder zerbrochen an. Der Patient ist unruhig und er fühlt sich schwach.[2][15]

Verbesserung:

Durch Bewegung, Wärme und durch Druck auf den Rücken bei Rückenschmerzen.

Verschlechterung:

Durch Kälte und feuchtes Wetter.

Angewendete(s) Mittel:

Ruta graveolens

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

AD

Verletzungen von Sehnen, Bändern, Gelenken und Muskeln. Brechdurchfall. Stechende Schmerzen. Jede Bewegung ist ein Qual.

Der Patient zeigt sich gereizt und wird leicht wütend. Auf Fragen weigert er sich meist, Antwort zu geben. Kinder wollen typischerweise weder getragen noch hochgehoben werden. Typisch für die Arznei ist der Durst des Betroffenen auf große Mengen kalten Wassers. Bei Durchfall hat der Stuhl ein wässrige Konsistenz, sieht aus wie schmutziges Wasser und brennt am After.[2][16][17]

Verbesserung:

In Ruhe, bei Druck (außer Bauchschmerzen), durch Liegen auf der schmerzhaften Seite, bei kalten Getränken oder Speisen.

Verschlechterung:

In Bewegung, durch Berührung, durch Wärme und von 21 Uhr abends bis zum Morgen.

Angewendete(s) Mittel:

Bryonia alba

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

AD

Verletzungen von Sehnen, Bändern, Gelenken und Muskeln mit typischer Zunahme der Beschwerden in Ruhe.

Die Beschwerden entstehen meist aufgrund von Verkühlung, Durchnässung, Überanstrengung oder Verrenkung. Typisch für die Arznei ist, dass der Betroffene die schmerzende Stelle in Bewegung halten muss. Wird die betroffene Stelle ruhig gestellt, kann das Gefühl auftreten, dass sie versteift.[2]

Verbesserung:

Durch Wärme und durch fortgesetzte Bewegung.

Verschlechterung:

Durch Kälte, Nässe und zu Beginn der Bewegung.

Angewendete(s) Mittel:

Rhus toxicodendron

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

AD

Schürf-, Riss-, Platz- oder Schnittwunden. Operationswunden. Oberflächliche Verbrennungen.

Die Arznei kann vor allem bei sehr reizbaren Patienten mit einem starken Schmerzempfinden wirksam sein. Selbst kleinste Wunden werden als sehr schmerzhaft empfunden. Die Arznei wird vor allem bei stark verschmutzten Wunden, bei Wunden, die zu Eiterung neigen, und bei anderen Wundheilungsstörungen eingesetzt. Neben der inneren Anwendung der Arznei hat sich unterstützend auch ihre äußere Anwendung in Form einer alkoholischen Lösung bewährt.[18]

Verbesserung:

Durch Wärme.

Verschlechterung:

Durch feuchtes und wolkiges Wetter und durch Bewegen der Teile.

Angewendete(s) Mittel:

Calendula

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

AD

Verbrennungen, Verbrühungen der Haut und Sonnenbrand mit Neigung zu Blasenbildung.

Typisch für die Arznei sind die brennenden, stechenden Schmerzen. Der Betroffene ist meist gereizt und schreit vor Schmerzen.[19]

Verbesserung:

Verschlechterung:

Durch Berührung.

Angewendete(s) Mittel:

Cantharis

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

AD

Verletzung durch spitze Gegenstände oder durch spitze Zähne (Bisse). Umgeknickter Fuß. Zeckenbiss und Insektenstiche. Augenverletzungen mit spitzen Gegenständen.

Die Arznei kann nach Bissen von Tieren und nach Insektenstichen gegeben werden. Typischerweise geht die Verletzung mit brennenden, stechenden Schmerzen einher. Die betroffene Stelle ist zunächst blass und leicht geschwollen, später fleckig blau und rot aufgequollen. Sie fühlt sich kalt an, diese Kälte wird vom Patienten aber nicht wahrgenommen. Die Arznei kann hilfreich sein, wenn der umgeknickte Fuß sich kalt anfühlt, dessen Schmerz aber durch Kälte gelindert werden kann.[20][21]

Verbesserung:

Kalte Anwendungen.

Verschlechterung:

Bei Bewegung und durch Wärme.

Angewendete(s) Mittel:

Ledum palustre

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

AD

Zu beachten:

Ärztliche Hilfe ist notwendig:

  • Bei Verletzungen: Bei jedem Verdacht auf innere Verletzungen, Knochenbrüchen oder Sehnen-, Muskel- oder Bänderrissen, bei tiefen Wunden, anhaltenden oder starken Blutungen, bei starker Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens oder bei Wundinfektionen, die meist mit Eiterbildung einhergeht.
  • Bei Blutergüssen, wenn die Blutergüsse auch nach Stunden nach der Verletzung noch zunehmen oder ohne vorausgegangene Verletzung auftreten.
  • Bei Durchfall, wenn der Durchfall über mehrere Tage lang anhält oder schnell zu großem Flüssigkeitsverlust führt, mit Blutungen einhergeht oder wenn mehrere Personen einer Lebensgemeinschaft gleichzeitig daran erkranken.
  • Nach einer Operation bei Beschwerden wie Blutungen, Eiterung oder Aufreißen der Wunde, Fieber oder anhaltender Schwäche.
  • Bei Fieber, das über mehrere Tage anhält, zu Flüssigkeitsverlust führt oder mit deutlichem Krankheitsgefühl verbunden ist.
  • Bei Schockzuständen und Ängsten, wenn die Ängste wiederholt auftreten, ein akuter Angstzustand sich innerhalb weniger Stunden nicht bessert oder der Betroffene zu großer Unruhe, Bewusstseinsstörungen oder zu unkontrollierten Handlungen neigt.
  • Bei Sonnenstich bei Kreislaufkollaps, heftigem Erbrechen oder anhaltenden Schmerzen.
  • Bei jeder Augenverletzung.
  • Bei Verbrennungen, wenn sich mehrere Brandblasen bilden, die verbrannte Stelle gefühllos ist oder wenn größere Hautpartien betroffen sind.
  • Bei Insektenstichen mit allergischen Reaktionen oder bei Stichen in die Zunge oder die Mundschleimhaut.[3]

Eine homöopathische Notfallapotheke ersetzt keine Wundversorgung. Ergänzend zur homöopathischen Notfallapotheke sollten auch geeignetes Verbandszeug und Wunddesinfektionsmittel stets griffbereit sein.