Einnahme & Dosierung

Dosierung von Globuli

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Das zentrale Element der Homöopathie ist die Individualität ihrer Maßnahmen. Dies zeigt sich zum einen in der Mittelwahl, zum anderen in der Wahl der richtigen Dosierung: Sowohl die Potenzhöhe, die Menge der Globuli pro Gabe als auch die Häufigkeit der Gaben werden sowohl dem Krankheitsverlauf als auch der Persönlichkeit des Patienten angepasst. Die Diskussion über die Potenzwahl und die Häufigkeit ihrer Wiederholungen ist seit den Zeiten Hahnemanns, dem Gründer der Homöopathie vor über 200 Jahren, im Fluss mit teilweise sehr verschiedenen Anschauungen.[1]

Als kleinster gemeinsamer Nenner und Richtweiser darf hier jedoch Hahnemann selbst gelten. In seinem grundlegenden Werk „Organon der Heilkunst“ rät er, dass nicht der Homöopath selbst den Maßstab für die Dosierung festlegt, sondern vielmehr die Reaktionslage des Patienten.[2]

Bei der für die Selbstmedikation relevanten Behandlung akuter Erkrankungen haben sich heutzutage Dosierungsschemata mit meist niedrigen oder mittleren Potenzen durchgesetzt, bei denen auch das jeweilige Alter der Patienten berücksichtigt wird. Bei den hohen Potenzierungen werden weiterhin weitgehend individuelle Dosierungen bevorzugt.

Dosierungsempfehlungen

Die homöopathische Arznei übermittelt dem Körper einen Heilimpuls, nach dessen ordnenden Einfluss dem homöopathischen Weltbild nach die Gesundung erfolgen kann. Je genauer die Dosierung des Heilimpulses gewählt wird, desto exakter vermag dieser, die gewünschte Ebene des Patienten zu erreichen. Werden Globuli auf Empfehlung eines Homöopathen verordnet, so ist dessen Dosierung einzuhalten. Liegt eine solche nicht vor, sollten die folgenden Überlegungen berücksichtigt werden:

  • Homöopathische Mittel sollten so kurz und so selten als nötig eingenommen werden.
  • Je akuter eine Erkrankung oder das zu behandelnde Symptom, desto häufiger sollte eine Einnahme erfolgen, jedoch nur so lange bis diese sich bessern.
  • Bei einer Erstverschlimmerung, bei der sich Beschwerden nach Ersteinnahme verschlechtern, sollte das Mittel bis zur deren Abklingen abgesetzt werden.
  • Auch bei homöopathischen Arzneien gilt es, die Packungsbeilage zu beachten: Dort können wichtige Hinweise für die richtige Dosierung vermerkt sein. Erst wenn solche nicht vorliegen, sollten die allgemeinen Dosierungsempfehlungen in Erwägung gezogen werden.
  • Überdosierungen sollten vermieden werden. Theoretisch können bei zu häufiger Mittelgabe bestehende Symptome unnötig verstärkt oder neue Symptome hinzutreten.
  • Tritt mit einem Mittel keine Besserung ein, so sollte dieses abgesetzt werden und unter Umständen ein neues versucht werden.

Für die Selbstmedikationen können die folgenden Dosierungsempfehlungen für Erwachsene als Richtschnur dienen:[3]

  • Tiefe Potenzen (bis D10 bzw. C10): Bei akuten Beschwerden alle halbe bis ganze Stunde 5 Globuli bis zum Eintritt der Besserung, jedoch höchstens 6-mal täglich. Danach und bei chronischen Erkrankungen 1- bis 3-mal täglich 5 Globuli.
  • Mittlere Potenzen (bis D29 bzw. C 29): 1- bis 2-mal täglich 5 Globuli
  • Hohe Potenzen (ab D30 bzw. C30): Im Rahmen der Selbstmedikation sollte nur eine Einmalgabe von 5 Globuli erfolgen.

Für Kinder gilt: Säuglinge bis zum 1. Lebensjahr erhalten ein Drittel, Kleinkinder bis zum 6. Lebensjahr erhalten die Hälfte und Kinder zwischen dem 6. und 12. Lebensjahr zwei Drittel der Erwachsenendosis.

Dosierung bei akuten und chronischen Erkrankungen

In der homöopathischen Lehre werden seit Hahnemann akute von chronischen Erkrankungen unterschieden. Bei akuten Erkrankungen handelt es sich um schnelle und meist kurzzeitige Krankheitsprozesse, die die Gesundheit nicht auf Dauer beeinflussen.[4] Bei ihnen wird zumeist die wiederholte Gabe einer tiefen Potenz wie zum Beispiel D6 empfohlen, jedoch nur so lange, bis die Beschwerden sich gebessert haben. Diese wirkt vordergründig körper- und organbezogen und nicht so tiefgründig.

Wer sich ziemlich sicher ist, das richtige Mittel gefunden zu haben, der kann die Behandlung der akuten Symptomatik auch mit einer Einmalgabe einer hohen Potenz (zum Beispiel C30) probieren. Da eine hohe Potenz auch die seelischen Aspekte erreichen kann, sollten bei der Mittelwahl jedoch auch die Gemütssymptome des Mittels zutreffen.

Chronische Erkrankungen zeichnen sich durch langwierige, hartnäckige Verläufe aus, bei denen nicht nur die oberflächlichen Ebenen des Körpers betroffen sind. Heilung kann im homöopathischen Sinne nur durch eine tiefgreifende Umstimmung erfolgen.[5] Dies ist die Domäne der Hochpotenzen. Ihre richtige Verordnung setzt eine lange Erfahrung und ein gutes Wissen der homöopathischen Heillehre voraus. Dosierungen werden vom Therapeuten oft sehr individuell gewählt und dem jeweiligen Krankheitsverlauf angepasst. Wer dennoch eine Selbstbehandlung durchführt, der sollte es bei einer Einmalgabe belassen. Zu beachten gilt hier, dass für eine hohe Potenz der Körper noch in der Lage sein sollte, deren Reiz beantworten zu können: Schwerkranke mit stark eingeschränkten Energielevel oder Patienten im Finalstadium einer Erkrankung können von einer Hochpotenz überfordert sein.[1]

Eine gewissenhaft durchgeführte Selbstmedikation kann dazu beitragen, die eigene Gesundheit wiederherzustellen oder zu erhalten. Um auszuschließen, dass durch sie Schaden verursacht werden, sollte ein Arzt in jedem Fall von den Beschwerden und deren Selbstmedikation in Kenntnis gesetzt werden, damit er in kritischen Fällen diese mit schulmedizinische Maßnahmen wie weitergehende Untersuchungen und Therapien ergänzen kann.

Zu beachten

Globuli werden oral eingenommen und unter der Zunge zergehen gelassen. Dies sollte mindestens eine halbe Stunde vor oder nach einer Mahlzeit und nicht direkt vor oder nach dem Genuss eines Getränkes erfolgen. Nach der Einnahme sollte für mindestens eine halbe Stunde der Kontakt mit stark wirkenden ätherischen Ölen wie Kampfer, Menthol oder Kamillenöl vermieden werden. Diese sind zum Beispiel auch in vielen Zahnpflegemitteln enthalten. Ob koffeinhaltige oder alkoholhaltige Getränke nach der Einnahme konsumiert werden sollten, lässt sich mit dem heutigen Kenntnisstand nicht schlüssig beantworten und der Verzicht auf ebensolche wird dennoch bisweilen geraten.

Homöopathische Arzneien sollten nicht in Kontakt mit metallischen Gegenständen geraten, da dies ihre Wirkung schmälern kann. Die Einnahme sollte also nicht von einem metallischen Löffel erfolgen.

Obwohl Globuli aus Saccharose bestehen, ist deren Einnahme gemäß den oben genannten Dosierungsempfehlungen auch für Diabetiker gut möglich. 1 Globulus entspricht im Schnitt 0,034 kcal, erst 1450 Globuli ergeben 1 BE (Broteinheiten). Beim jeweiligen Hersteller sind eventuelle Abweichungen zu erfragen.