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Herstellung von Globuli

© PantherMedia / Thomas Francois

Ziel der homöopathischen Behandlung ist eine möglichst individuelle Therapie. Nicht nach der jeweiligen Erkrankung, sondern nach dem Gesamtbild aus Krankheitssymptomen und persönlichen Charaktereigenschaften fällt die Wahl auf ein Mittel, welches der Einzigartigkeit des Patienten gerecht werden soll. Es ist somit nicht verwunderlich, dass der homöopathische Arzneischatz ständig erweitert wird und mittlerweile über 2000 Einzelmittel aufweist, die eine möglichst individuelle und ganzheitliche Therapie gewährleisten sollen.[1] Jedes Einzelmittel wird aus einem spezifischen Ausgangsstoff gewonnen, der für die charakteristischen Eigenschaften eines homöopathischen Mittels verantwortlich ist. Über einen genau festgelegten Prozess der Potenzierung werden die verschiedenen Potenzen des Mittels in den entsprechenden Darreichungsformen hergestellt. Die beliebteste Darreichungsform stellen die Globuli dar, daneben ist auch die Verwendung von Tabletten und flüssigen Verdünnungen (Dilutionen) gebräuchlich.

Ausgangssubstanzen zur Herstellung von homöopathischen Mitteln

Anders als andere naturheilkundliche Therapieformen beschränkt sich die Homöopathie nicht sehr bei der Auswahl der Grundstoffe, aus denen ihre Arzneien hergestellt werden. Der Großteil ist zwar pflanzlichen Ursprungs, es werden aber auch Mineralien, Gifte und tierische Bestandteile verarbeitet. Ausgangsstoffe für die Homöopathie lassen sich folgendermaßen unterteilen:[2]

  • Pflanzen (zum Beispiel Arnica aus der Wurzel von Arnica montana, der echten Arnika)
  • Tiere (zum Beispiel Apis aus Apis mellifica, der Honigbiene)
  • Mineralien und Metalle (zum Beispiel Sulfur aus Sulfur depuratum, dem sublimiertem Schwefel)
  • Chemische Verbindungen wie Säuren (zum Beispiel Acidum phosphoricum aus Acidum phosphoricum, der Phosphorsäure)
  • Menschliche und tierische Krankheitsprodukte, Gewebe oder Sekrete (zum Beispiel die Nosode Tuberculinum aus dem Sekret eines tuberkulösen Abszesses)
  • Pharmazeutisch hergestellten Stoffe wie künstliche Hormone oder Medikamente (zum Beispiel Cortisonum aus dem Hormon Cortison)

Zu wissen, woraus die homöopathischen Mittel hergestellt werden, ist für die praktische Anwendung enorm von Bedeutung: Gemäß dem Ähnlichkeitsprinzip, wonach ein Mittel eben jene Zustände heilen kann, die dieses in seiner ursprünglichen Form beim Menschen verursacht, kann ein Mittel oft zielsicher verordnet werden: Entsprechend den Beschwerden, die ein Bienenstich hervorruft, kommt das Mittel Apis, das aus der Honigbiene gewonnen wird, bei hellen Rötungen, Schwellungen und brennenden Schmerzen zum Einsatz.

Urtinktur, Verschüttelung & Verreibung

Die verschiedenen Potenzen eines Mittels werden über den Prozess der Verschüttelung (Dilution) hergestellt, Ausnahmen bilden hier jedoch die unteren Potenzen: Bis zum 5. Potenzierungsgrad entscheidet die Löslichkeit des Ausgangsstoffes in Wasser oder Alkohol, ob mittels Verschüttelung oder Verreibung (Trituration) potenziert wird. Wird das homöopathische Mittel aus Pflanzen (zum Beispiel aus den Blüten der Küchenschelle, Pulsatilla pratensis, im Falle von Pulsatilla) oder aus Giftstoffen von Tieren (zum Beispiel aus dem Gift der Buschmeisterschlange, Lachesis muta, im Falle von Lachesis) hergestellt, wird zunächst eine Urtinktur angefertigt. Diese besteht meist zu gleichen Teilen aus der Ausgangssubstanz und hochprozentigem Alkohol. Alle weiteren Potenzierungsgrade werden nun mittels Verschüttelung hergestellt. Hierfür wird im Falle einer D-Potenz ein Teil der Urtinktur zunächst mit 9 Teilen Lösungsmittel (zum Beispiel 40%iger Alkohol) vermengt, dieses Gemisch wird in einem Fläschchen mit einer festgelegten Anzahl an Schlägen geschüttelt und kann nun als D1 weiterverarbeitet werden. Die Verschüttelung kann maschinell erfolgen, wird in vielen Firmen jedoch noch per Hand durchgeführt.

Sollte die Ausgangssubstanz jedoch nicht in Alkohol oder Wasser löslich sein, so wird sie bis zu ihrer Löslichkeit mit Milchzucker im Mörser verrieben (trituriert). Ab dem Potenzierungsschritt C3 beziehungsweise D6 ist jeder Stoff in Alkohol löslich. Dieses Verfahren kommt unter anderem bei Metallen (zum Beispiel bei Aurum, einem Mittel aus Aurum metallicum, Goldpulver) zum Einsatz. Verreibungen bis zur 4. Potenz werden jedoch bisweilen auch bei Substanzen angewendet, die in Alkohol löslich sind. Im Falle einer D-Potenz wird bei einer Verreibung ein Teil der Ausgangssubstanz mit 9 Teilen Milchzucker in einem Mörser zur D1 verrieben.[1]

Prinzip der Potenzierung

Die Absicht, die hinter der komplizierten und mittels Verschüttelung oder Verreibung erreichten Potenzierung einer Ausgangsubstanz steht, ist nicht nur deren Verdünnung, sondern vielmehr die Vergrößerung der in ihr steckenden Wirkkräfte. Deswegen wird das Verfahren der Potenzierung auch als Dynamisierungsprozess verstanden, bei der die therapeutische Kraft eines Ausgangsstoffes aus seiner materiellen Verbindung gelöst und damit erst wirklich für den Heilungsprozess aufgeschlossen werden kann.[3] Dieses Grundprinzip der Homöopathie, die Vergrößerung des Wirkpotentials einer Substanz durch deren dynamisierende Verdünnung, kann bis heute jedoch nicht wissenschaftlich nachvollzogen werden und stellt somit einen zentralen Gegenstand in der Debatte zwischen Homöopathiegegnern und –Befürwortern dar.

Es sind drei verschiedene Arten der Potenzierung gebräuchlich, welche sich voneinander durch die jeweils angewandten Verdünnungsschritte unterscheiden:

  • Die Dezimalpotenzen oder D-Potenzen mit dem Verdünnungsschritt 1 :10, gebräuchlich sind D1 bis D 1000
  • Die Centesimalpotenzen oder C-Potenzen mit dem Verdünnungsschritt 1 : 100, gebräuchlich sind C1 bis C1000
  • Die Quinquagintamillesimalpotenzen oder LM/ Q-Potenzen mit dem Verdünnungsschritt 1 : 50000, gebräuchlich sind zum Beispiel LM IV, LM XII, LM XVIII, LM XXIV und LM XXX

Innerhalb einer jeden Potenz werden zusätzlich tiefe, mittlere und hohe Potenzen unterschieden. Bei den D-Potenzen gelten zum Beispiel D1 bis D10 als Tiefpotenzen, D11 bis D29 als mittlere und alles ab D30 als hohe Potenzen.[4]

Für die Selbstmedikation empfehlen sich vor allem die tiefen oder mittleren Potenzierungen bis D/C 12, ihre Domäne sind Alltagsbeschwerden und akute Erkrankungen. Zudem wird ihr Wirkungsspektrum als breiter eingeschätzt und somit kann eine erwünschte Wirkung schon bei nicht ganz so exakter Verordnung erfolgen.[2] Eine solche wird jedoch bei den hohen Potenzen angeraten, denn je höher die Potenz, desto höher ist nach dem homöopathischem Verständnis die einem Mittel innewohnende Energie und Wirkkraft: Eine hohe Potenz greift tief in die inneren Abläufe des Menschen ein und vermag eine Neustrukturierung nicht nur körperlicher sondern auch seelischer Prozesse einzuleiten. Aus diesem Grund sollten hohe Potenzen eher auf Verordnung des Homöopathen eingenommen werden, der diese gerne bei schweren chronischen Erkrankungen und psychischen Störungen einsetzt.

Herstellung von Globuli

Globuli/ Streukügelchen sind eine kleine, kugelförmige Darreichungsform (vgl. lateinisch globuli= Kügelchen), die neben der Homöopathie auch bei der Bach-Blüten-Therapie und der Biochemie nach Dr. Schüssler Anwendung findet. Für die homöopathische Therapie werden sie aus Saccharose (Rohrzucker) hergestellt und sind damit im Gegensatz zu homöopathischen Tabletten aus Milchzucker also auch für Patienten mit Laktoseintoleranz geeignet. Die Kügelchen aus Saccharose werden mit dem jeweiligen homöopathischen Mitteln in flüssiger Form besprüht oder beträufelt. Da etwaiger sich darin befindlicher Alkohol beim Trocknungsvorgang verdunstet, sind homöopathische Globuli auch frei von Alkohol.

Rechtliche Grundlagen

Alle Vorschriften, nach denen homöopathische Mittel hergestellt werden, finden sich im homöopathischen Arzneibuch (HAB) wieder.[1] Neben exakten Angaben über das Verfahren der Potenzierung mittels Verschüttelung oder Verreibung lassen sich dort auch zu jedem Mittel die entsprechenden Vorschriften nachlesen, wie jenes aus der jeweiligen Ausgangssubstanz herzustellen ist. Das homöopathische Arzneibuch richtet sich im Wesentlichen nach den Angaben des Gründers der Homöopathie, Samuel Hahnemann.