Homöopathie bei Herpes Zoster (Gürtelrose)

Fallbeispiel eines Patienten mit Herpes Zoster. Welche homöopathischen Mittel halfen diesem Patienten mit Gürtelrose und einer Kopfneuralgie. Ein Beitrag von Dr. Paling

Fallbeispiel einer homöopathischen Behandlung mit Herpes Zoster-Arzneien

von Dr. med. Petra Paling

Ein Patient mittleren Alters kommt zur Behandlung seiner Gürtelrose an der linken Bauchseite bei Missempfindungen von der linken Leiste bis zur Achsel. Zudem leidet er unter einem linksseitigen Scheitelkopfschmerz, stechend wie ein Stromschlag, schießend nach innen. Der Kopfschmerz ist besonders schlimm, wenn er seine Haare berührt und kommt ca. alle 30-60 Sekunden. Die Beschwerden sind abends schlimmer und kommen auch nachts vor. Keine Veränderung bei Wärme oder Kälte. Derzeit nähme er ca. 3x täglich Paracetamol 1000 mg.

Die Missempfindung am linken Bauch sowie den Kopfschmerz links hat er seit ca. 3 Wochen. Vor 4 Tagen begann ein Ausschlag. Dieser wurde feuerrot mit dunkelroten Bläschen. Krusten haben sich noch nicht gebildet. Der Hautschmerz verschlimmert sich durch Bewegen und Berühren und ist eher stechend-juckender Art. (Das Homöopathie-Mittel Rhus toxicodendron hatte er schon – leider erfolglos – versucht).

Trotz der Herpes Zoster beschreibt der Patient die Kopfneuralgie als sein Hauptproblem

Der Schmerz sei immer da, würde wie Nadeln ins Gehirn schießen (Nervenschmerz). Es sei ein wellenartiger Schmerz, der kurz einschießt, an einer speziellen Stelle fürchterlich reizt und dann wieder verschwindet. Leichte Berührung sei schwer zu ertragen, lieber noch hätte er festen Druck. Er empfinde den Schmerz als Belästigung, er ärgere sich darüber. Eigentlich ärgere er sich über jede Krankheit und werde wütend über die einhergehenden Einschränkungen.

Lokalbefund: Die Gürtelrose befindet sich links mittig an der Bauchseite und ist ca. 10 cm x 5 cm lang, eher bläulich verfärbt, mit Restbläschen und verhärteter Oberfläche. Am Kopf ist kein Ausschlag sichtbar.

Die homöopathische Behandlung bei Gürtelrose

Die Repertorisation für diese Gürtelrose ergab an vorderster Stelle der Mittelbeschreibung das Mittel Staphisagria. In dieser Pflanzenfamilie der Ranuculaceen findet sich auch Ranunculus bulbosus, eine der großen Zoster-Arzneien. Das Mittel fand sich an 6. Stelle in der homöopathischen Auswertung.

Das homöopathische Mittel Staphisagria wurde noch in der Praxis in der Potenz C 200 Globuli einmalig gegeben. Zuhause sollte der Patient weitere 5 Globuli der gleichen Potenz in aufgelöster Form alle 2 Std. mit einem Schluck einnehmen, am Folgetag 5x täglich, dann 3x täglich ein Schluck.

Das Folgegespräch zwei Tage später ergab:

Die Therapie scheint erfolgreich zu sein. Der Gürtelrose-Patient hatte nur noch einmal Paracetamol benötigt. Die Neuralgie am Kopf war fast verschwunden. Neue Zoster-Eruptionen waren nicht mehr aufgetreten. Der einschießende Schmerz war abgeklungen. Dafür trat ein dumpfer Schmerz in der Kieferhöhle und in den Augen auf. Diese Schmerzform war dem Patienten als altes Symptom bekannt.

Der Hautausschlag der Gürtelrose begann bläulich abzuheilen. Nachts brannte er noch im Bett, jedoch war die Nachtruhe unbeschwert und ein besserer Allgemeinzustand eingetreten.

Infolge der guten Arzneiwirkung der Globuli wurden die Schlucke auf drei, bzw. später auf einen Schluck täglich reduziert.

Die Behandlung nach weiteren acht Tagen

Der Patient berichtete, dass die Kopfschmerzen-Neuralgie komplett abgeklungen war. Der Ausschlag der Gürtelrose war in Abheilung begriffen. Es stellte sich eine klare Verbesserung nach der homöopathischen Behandlung ein. Lediglich bestand ein pelziges Gefühl im Bereich des Ausschlags.

Die homöopathische Arznei sollte für noch drei Tage mit einem Schluck täglich weitergeführt und dann abgesetzt werden.

Bei späteren Kontaktgesprächen mit dem Patienten in meiner Praxis wegen anderer Beschwerden ergab sich, dass nie eine Spätneuralgie aufgetreten war.

Homöopathische Mittel bei Herpes Zoster (eine Auswahl)

Bei Herpes Zoster im Anfangsstadium:

Apis:

Frühstadium, leichtes Ödem, eher helle, rosa Färbung
brennen, stechen
lokale Kälte

>> Hier geht es zum Mittel Apis

Rhus-tox:

Frühstadium, kribbeln, taubes Gefühl
später: brennen, stechen, jucken,
Bläschen klein, bis dunkelrot und eitrig
< kalte Luft
> feucht-heiße Kompressen

>> Hier geht es zum Mittel Rhus toxicodendron

Herpes Zoster im Eruptionsstadium

Arsenicum album:

brennen, < 1-3 Uhr nachts,
Bläschen rasch gangränös, dh. auch bakteriell infiziert mit Wundheit
> heiß lokal

>> Hier geht es zum Mittel von Arsenicum album

Cantharis:

brennen, große Blasen
> Wärme
< Berührung, Kälte lokal

>> Hier geht es zum Mittel von Cantharis

Clematis:

stechen, jucken, kleine Bläschen
< Kälte lokal

>> Hier geht es zum Mittel von Clematis

Iris versicolor:

brennend mit Jucken, < nachts
< rechter Rumpf, evtl. Magen-Darm-Störung dabei

>> Hier geht es zum Mittel von Iris versicolor

Kalium bichromicum:

brennen, jucken,
ausgestanzte Geschwüre, pockenartige Pusteln
> Wärme lokal

>> Hier geht es zum Mittel von Kalium bichromicum

Lachesis:

sehr berührungsempfindlich, Bläschen bläulich, schwarz, blutig
Denke dabei auch an Crotalus horr.

>> Hier geht es zum Mittel von Lachesis

Mezereum:

brennen, scharf-reißend,
< Berührung, Wasser, feuchtes Wetter, Kälte, Bettwärme, nachts
Jucken < in Wärme
Bläschen hell, platzen, evtl. dicke Borken mit Eiter
Spätneuralgien,
Lokalisation an Thorax, Gesicht

>> Hier geht es zum Mittel von Mezereum

Ranunculus bulbosus:

brennend, beißend, juckend < Kälte, Berührung, Bewegung,
Bläschen bläulich, blutig
Lokalisation links Interkostal

>> Hier geht es zum Mittel von Ranunculus bulbosus

Herpes Zoster im Spätneuralgien

Arsenicum album:

brennen, < nachts 1-3 Uhr, ängstliche Unruhe

>> Hier geht es zum Mittel von Arsenicum album

Hypericum:

linear im betroffenen Dermatom ausstrahlende, schießende, stechende Schmerzen
< Kälte, feuchtes Wetter, Wasser, Berührung
oft Taubheitsgefühl im Hautareal

>> Hier geht es zum Mittel von Hypericum

Mezereum: s.o.

>> Hier geht es zum Mittel von Mezereum

Luesinum:

lanzinierende nächtliche Schmerzen mit Schlaflosigkeit
< Wärme, > Kühle
Als Zwischenmittel bei lange bestehendem Nachtschmerz,
bei erschöpften mageren, älteren Patienten

Lokalisation Kopf, Gesicht, Auge

Capsicum:

brennen, stechen, jucken bei frostigen, trägen, eher evt. korpulente Patienten

>> Hier geht es zum Mittel von Capsicum

Croton tiglium:

besonders bei Befall der Augenregion
starke Reizung, heiß, brennend, Lichtscheu
Tränenfluß, rot, geschwollene Augen
viele kleine Bläschen, brennender Schmerz
intensives Jucken, gelbe Schorfe

>> Hier geht es zum Mittel von Croton tiglium

Mezereum:

s.o. und brennender Tränenfluß
Nachschmerz im Trigeminusgebiet

Mezereum:

s.o. >> Hier geht es zum Mittel von Mezereum

Prunus spinosa:

berstender Schmerz im Augapfel,
als ob er platzt, als ob innerer Teil nach außen gezogen würde,
Bläschen sehr berührungsempfindlich

>> Hier geht es zum Mittel von Prunus spinosa

Die Behandlung mit Homöopathie kann bei vielen Erkrankungen, wie in diesem Beispiel bei Herpes Zoster, sinnvoll sein. Als Patient sollten Sie beachten, dass es Grenzen bei der Selbstbehandlung mit homöopathischen Arzneien gibt. Daher sollten Krankheiten dieser Art unbedingt von gut ausgebildeten und erfahrenen Homöopathen behandelt werden. Diese Therapeuten kennen die allgemeinen Leitlinien der Diagnostik und Therapie und können abwägen, wann und wie die Homöopathie eingesetzt werden kann.