Durchschlafstörungen beim Kind

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Schon wieder ist das Kind wach: Ein Belastungstest für die ganze Familie

Durchschlafstörungen bei Kindern, eine Belastung für die ganze Familie

Erholsamer und ausreichender Schlaf ist die beste Voraussetzung für das geistige und körperliche Wachstum der Kinder und deren Gesundheit. Eltern ist es deshalb ein wichtiges Bedürfnis, dass ihr eigenes Kind genügend und gut schläft. Ob dies der Fall ist, ist oft schwer zu beurteilen: Nicht nur das kindliche Schlafbedürfnis unterscheidet sich grundlegend von dem eines Erwachsenen. Auch die unterbrochenen Schlafphasen und das nächtliche Aufwachen zählen zum natürlichen kindlichen Schlafverhalten. Von einer Durchschlafstörung des Kindes sollte erst dann gesprochen werden, wenn das Kind wiederholt nachts aufwacht und andere Familienmitglieder weckt. Oft sind Durchschlafstörungen mit Problemen beim Einschlafen verbunden, weswegen der Mediziner oft von Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie) spricht.[1][2][3]

Ein- und Durchschlafstörungen sind bei Kindern meist nur ein vorübergehendes Problem, führen innerhalb der Familie, wenn der Schlaf der Eltern durch das Aufwachen des Kindes gestört wird, jedoch oft zu Spannungen: Anders als kleine Kinder können Erwachsene ihren Schlafmangel tagsüber nämlich nicht ausgleichen. Der gestörte Nachtschlaf von älteren Kindern oder Jugendlichen wird von den Eltern seltener wahrgenommen. Tagesmüdigkeit, Verhaltensauffälligkeiten und Konzentrationsstörungen können hier wichtige Hinweise auf eventuelle Durchschlafprobleme liefern.[4]

Erster Ansprechpartner bei Durchschlafstörungen der Kinder ist der Kinderarzt. Er kann Eltern nicht nur wertvolle Hinweise für ein gesundes Schlafklima geben, sondern auch abklären lassen, ob sich hinter den Schlafproblemen Grunderkrankungen wie zum Beispiel nächtliche Krampfanfälle (Epilepsien), kurzzeitige Atemstillstände (Schlafapnoe-Syndrom) oder auch psychische Erkrankungen wie die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) oder Angststörungen verbergen.[1] Ärztliche Hilfe sollte bei Durchschlafstörungen spätestens dann in Anspruch genommen werden, wenn Eltern oder Kind schwer an den Durchschlafstörungen leiden, wenn das Kind schlafwandelt oder die Eltern körperliche Symptome wie Atemaussetzer oder Muskelkrämpfe bei ihrem Kind bemerken.

Video: Professor Claudio Bassetti und die Psychotherapeutin Daniela Janssen über die möglichen Ursachen von Schlafstörungen. Mit wertvollen Tipps für Eltern.

Die Möglichkeiten der Homöopathie

Globuli für Säuglinge© panthermedia.net / photographie_Hannes_Eichinger
Globuli sind schon für Säuglinge geeignet

Die homöopathische Behandlung von Durchschlafstörungen stellt eine gut verträgliche, kostengünstige und in vielen Fällen hilfreiche Option dar, wenn sie mit dem Kinderarzt abgesprochen ist und von diesem mögliche Ursachen der Durchschlafstörungen abgeklärt worden sind. Treten Durchschlafstörungen im Rahmen von akuten oder chronischen Erkrankungen auf, so richtet sich die Wahl der richtigen homöopathischen Arznei meist nach der jeweiligen Grunderkrankung. Bei der homöopathischen Behandlung der übrigen Durchschlafstörungen können Eltern auf eine Reihe von bewährten Arzneien zurückgreifen, die sich in der Praxis als wirksam erwiesen haben und im Folgenden aufgeführt sind.[2][5]

Dem Kind sollte diejenige Arznei verabreicht werden, deren charakteristischen Eigenschaften am besten mit den Beschwerden des Kindes übereinstimmen. Aufschlussreich können hierfür unter anderem die jeweils unter „Verschlechterung“ aufgeführten Zeiten der größten Schlafprobleme sein.

Von der gewählten Arznei sollten dem Kind 3-mal täglich 5 Globuli in einer D10 Potenz verabreicht werden, einmal nachmittags, einmal abends und einmal nachts beim Aufwachen des Kindes. Die Darreichungsform Globuli ist deshalb ratsam, da die kleinen Streukügelchen aufgrund ihrer geringen Größe schon Säuglingen und Kleinkindern gegeben werden können. Sobald die Beschwerden sich bessern, sollte mit der Einnahme der Arznei aufgehört werden.

Angewendete Globuli bei Durchschlafstörungen

Wichtig: Nach den Angaben der klassischen Homöopathie ist für die Wahl der richtigen Arznei entscheidend, welche der folgenden Ausprägungen die Beschwerden des Betroffenen am besten beschreiben. Je mehr Punkte einer Ausprägung auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der darunter aufgeführten Arznei.

Schlaflosigkeit in Verbindung mit Schreck, Furcht oder Angst. Große nächtliche Unruhe

Das Kind wirft sich im Schlaf hin und her und kann ängstlich oder in Panik erwachen. Typisch ist die Verschlechterung um Mitternacht.

Verbesserung:

Verschlechterung:

Um Mitternacht, während der Zahnung.

Empfohlene(s) Mittel:

Aconitum

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Schlafstörungen aufgrund von Übermüdung und nach großen Anstrengungen tagsüber. Angst vor dem Alleinsein

Das Kind ist ruhelos, verändert häufig die Lage während des Schlafes, fürchtet sich vor dem Alleinsein und knirscht bisweilen mit den Zähnen. Es kann schreiend aus dem Schlaf auffahren.

Verbesserung:

In Wärme.

Verschlechterung:

Nach Mitternacht, durch Liegen auf der schmerzhaften Seite, durch Geräusche.

Empfohlene(s) Mittel:

Arsenicum album

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Große Unruhe während dem Schlaf, Erwachen durch bewegende oder schreckliche Träume

Das Kind ist sehr unruhig, es kann während des Schlafes jammern, mit den Zähnen knirschen, um sich schlagen, schreien, laut sprechen, zucken und mit einem Schrei plötzlich hoch fahren. Es zeigt sich schreckhaft und typischerweise sehr empfindlich gegenüber Geräuschen. Bisweilen verharrt es im Schlaf in ungewöhnlichen Schlaflagen, zum Beispiel im Sitzen oder mit dem Kopf nach hinten gebeugt. Zu Beginn des Schlafes kann sich Schweiß an der Stirn oder am Kopf zeigen.

Verbesserung:

Im warmen Zimmer.

Verschlechterung:

Zwischen 2.00 und 5.00 Uhr, während der Zahnung, durch Geräusche.

Empfohlene(s) Mittel:

Belladonna

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Das Kind ist „überwach“, kommt geistig nicht zur Ruhe.

Das Kind wirkt, als hätte es zu viel Kaffee getrunken: Es ist fahrig, geistig sehr rege aber unkonzentriert, es hört jedes Geräusch. Erwartungsspannung, geistige Erregung, Durst oder Zorn lassen es immer wieder aufwachen.

Verbesserung:

Verschlechterung:

Morgens, vor oder nach wichtigen Ereignissen, durch übermäßige Freude.

Empfohlene(s) Mittel:

Coffea

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Spätes Einschlafen und frühes Erwachen, morgens oft sehr schlecht gelaunt

Führen Zorn, Geräusche, geistige Anstrengungen, Blähungen oder der Genuss von Stimulantien wie zum Beispiel von koffeinhaltigen Limonaden zu Schlafstörungen, kann diese Arznei wirksam sein. Das Kind kann im Schlaf weinen oder sprechen, meist wacht es in der Zeit von 3.00 – 4.00 Uhr auf, wobei es dann relativ munter ist und zum Beispiel spielen will.

Verbesserung:

Verschlechterung:

Zwischen 3.00 – 4.00 Uhr, durch Ärger und Geräusche.

Empfohlene(s) Mittel:

Nux vomica

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Schlaflosigkeit in den ersten Lebenswochen, während der Zahnung und nach Ärger. Das Kind wacht auf und muss getragen werden

Das Kind kann im Schlaf weinen, jammern, zusammenzucken und stöhnen, es schläft unruhig und wacht oft auf. Angstträume durchlebt es oft mit halboffenen Augen, aus dem Schlaf fährt es bisweilen schreiend auf.

Verbesserung:

Durch Trösten, beim Herumgetragen werden.

Verschlechterung:

Nach 2.00 Uhr, während der Zahnung.

Empfohlene(s) Mittel:

Chamomilla

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Spätes Einschlafen, geringes Schlafbedürfnis und häufiges Aufwachen

Das Kind ist meist schon durch sehr kurzen Schlaf erfrischt, das Wiedereinschlafen fällt ihm nicht leicht. Es kann nachts manchmal verängstigt zu den Eltern kommen, schlafwandeln, nicht auf der linken Seite liegen wollen oder vor Hunger nicht einschlafen. Um sich zu beruhigen setzt es sich bisweilen hin, umklammert die angezogenen Knie mit den Armen und schaukelt sich in dieser Lage.

Verbesserung:

Liegen auf der rechten Seite, im Dunkeln.

Verschlechterung:

Vor Mitternacht.

Empfohlene(s) Mittel:

Phosphorus

Potenz: D12

Dosierung: 5 Globuli, 3 mal täglich

Schlafhygiene sorgt für eine schlafförderndes Umfeld

Eine wohlige Umgebung© fotolia.com / diluart
Eine wohlige und vertraute Umgebung für die Nacht

Eine entsprechende Schlafhygiene kann den Erfolg der homöopathischen Behandlung verbessern: Eltern sollten hierfür bei ihren Kindern auf einen geregelten Tages-Nachtrhythmus, auf ausreichende Bewegung am Tag, auf altersgemäße Schlafrituale und eine angenehme Schlafumgebung achten. Vor dem Schlafengehen sollten schwere Mahlzeiten und Reizüberflutung, etwa durch langes Fernsehen, vermieden werden. Verlangt das Kind nachts nach Getränken, Gesellschaft oder Nahrungsmitteln, sollten Eltern darauf achten, dass durch zu große Nachgiebigkeit Durchschlafstörungen verstärkt werden können.[1][2]

Quellenangabe:

[1] Angelika Bauer-Delto: „Wenn der Sandmann keine Erfolg hat. Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen unbedingt ernst nehmen“, http://www.paediatrix.de/pdfs_articles/jahr2007_ausgabe05_147_7b1cac8415001eca4459eacd558ba9c2.pdf, 12.06.2015
[2] H. Pfeiffer, M. Drescher, M. Hirte (Hrsg.): Homöopathie in der Kinder- und Jugendmedizin, Elsevier, Urban & Fischer, 2007, S. 685 – 695
[3] Charis Ariadne Vogt: „Ein- und Durchschlafstörungen in den ersten zwei Lebensjahren“, http://edoc.ub.uni-muenchen.de/1904/1/Vogt_Ariadne.pdf, 13.06.2015
[4] Kraenz Susanne, Fricke Leonie, Wiater Alfred, Mitschke Alexander, Breuer Ulla,
Lehmkuhl Gerd: „Häufigkeit und Belastungsfaktoren bei Schlafstörungen im Einschulalter“, http://www.pedocs.de/volltexte/2010/951/pdf/Kraenz_Fricke_Wiater_Mitschke_Breuer_Lehmkuhl_Schlafstoerungen_Einschulalter_2004
_W_D_A.pdf, 12.06.2015
[5] Imhäuser Hedwig: Homöopathie in der Kinderheilkunde. Ein Praxishandbuch, Haug Verlag, 2000, S. 147 – 159