Einzelmittel: Globuli von D bis F

Euphrasia Globuli

PantherMedia / Christa Eder
© PantherMedia / Christa Eder

Euphrasia Globuli werden aus einer Heilpflanze (Euphrasia officinalis), auch Augentrost genannt, gewonnen, welche auf europäischen Bergwiesen wächst. Ihr Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Frohsinn“. Diese Bezeichnung hat sich wohl entwickelt, weil Euphrasia eine große Heilkraft auf dem Gebiet der Augenbeschwerden zugesagt wird. Es wird vor allem bei Entzündungen der Augen (z. B. Bindehautentzündung) und Heuschnupfen eingesetzt, um das Tränen der Augen, das Brennen oder Jucken und die Lichtempfindlichkeit abzuschwächen. Euphrasia gibt es sowohl in Form von Globuli zur oralen Einnahme wie auch als Augentropfen, die normalerweise sehr gut vertragen werden und zur Selbstbehandlung geeignet sind. [4]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Euphrasia wird vor allem bei entzündlichen und allergischen Prozessen mit Beteiligung der Augen und der Atemwege eingesetzt. An erster Stelle ist die Bindehautentzündung zu nennen, die oftmals durch Zugluft oder Verletzungen am Auge entsteht. In letzterem Fall sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, anstatt eine Selbstbehandlung durchzuführen. Weitere Indikationen sind Heuschnupfen (oder andere Arten von allergischem Schnupfen) und Erkältung, die mit Schnupfen und Husten und eventuell Fieber einhergeht. Auch zur Behandlung von Bronchitis ist Euphrasia geeignet. [1][2][4] 

Wo wirkt es?: Die genaue Wirkung von Euphrasia ist bisher wenig erforscht. Ersten Studien zufolge enthält das Augentrostkraut einen Wirkstoff mit dem Namen „Aucubin“, der die Bildung von Zytokinen unterdrückt. Das sind Stoffe, die von den Zellen der Hornhaut ausgeschüttet werden, um Entzündungszellen anzulocken. Euphrasia wirkt also entzündungshemmend. Die biologische Wirkung hängt dabei zum einen von der Konzentration und zum anderen von der Aufbereitung ab. [5] 

In welchem Alter?: Da Euphrasia sehr gut verträglich ist und keine bekannten Nebenwirkungen verursacht, gibt es keine Kontraindikationen. Sowohl Kinder als auch ältere Menschen können das Mittel anwenden. Der Gebrauch in der Schwangerschaft oder Stillzeit sollte mit einem Arzt abgesprochen werden. Sogar bei Tieren wird das homöopathische Mittel häufig genutzt. [3][4][6]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Leitsymptomatik von Euphrasia sind brennende oder juckende Augen mit roten Lidrändern und Druckgefühl. Die Augen können entweder tränen oder sich viel zu trocken anfühlen. Wenn Tränenfluss vorhanden ist, dann ist dieser heiß und scharf, während aus der Nase mildes Sekret abfließt. Bei trockenen Augen tritt häufig ein Fremdkörpergefühl auf. Außerdem ist das betroffene Auge extrem lichtempfindlich. Morgens sind die Lider geschwollen und mit eitrigem, zähem Schleim verklebt. Die Augenwinkel sind gerötet. Bei Heuschnupfen treten zusätzlich starke Niesanfälle auf und es kann zu hartem und trockenem Husten kommen. Sind Erkältungen oder Husten die Auslöser der Beschwerden, so kommt es zu einem lockeren Husten mit viel Schleim und wässrigem Sekretfluss aus der Nase. Der Husten ist rasselnd und besteht nur tagsüber. Die innere Nase ist wund und schmerzhaft. [1][2][3][4]

Verbesserung: Ist es windstill, so tut frische Luft gut und auch Dunkelheit verschafft Linderung. Außerdem verbessert an den Augen zu reiben und zu blinzeln zumindest kurzfristig die Beschwerden. Der Genuss von Kaffee kann zusätzlich wohltuend sein. [1][2][4]

Verschlechterung: Die Beschwerdebilder verstärken sich allesamt draußen, wenn Wind weht, durch grelles Sonnenlicht oder Licht aus einer künstlichen Quelle sowie durch Wärme (auch warme, stickige Räume) oder Rauch. Fast alle Symptome verschlimmern sich außerdem abends beim Hinlegen und in der Nacht. [1][2][4] 

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Inhalt

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Inhalt

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Inhalt

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Inhalt

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Inhalt

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Inhalt

Geschlechtsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Inhalt

Bewegunsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Inhalt

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Inhalt

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Inhalt

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Inhalt

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Euphrasia ist am besten geeignet, um allergisch bedingte Beschwerden zu bekämpfen. Liegt die Ursache woanders, oder ist der Zustand noch ganz akut oder längst chronisch, so können auch andere Mittel mit ähnlicher Wirkung anstelle von Euphrasia eingesetzt werden.

BelladonnaPantherMedia / Zbynek Burival

Im Akutstadium einer Bindehautentzündung, wenn das Auge sehr schmerzhaft und rot ist und noch wenig tränt. Auslöser sind häufig Zugluft und nasse Kälte. Wird auch bei plötzlich und anfallsweise auftretendem Husten gegeben.

GraphitesPantherMedia / Thomas Francois

Bei chronischer oder durch Masern verursachten Bindehautentzündung. Die Augenwinkel sind rissig, die Haut trocken. Absonderungen sind honiggelb.

Aconitum

Durch scharfen Wind oder ein Trauma ausgelöste Augenentzündung. Kann auch im Anfangsstadium von einer Erkältung mit Husten, Halsschmerzen und/oder Fieber gegeben werden.

PulsatillaPantherMedia / Herbert Schlemmer

Bei chronischen allergischen Reaktionen oder Erkältung. Der Betroffene reibt sich ständig die Augen. Frische Luft bringt deutliche Besserung.

Allium Cepa

Alternative zu Euphrasia bei Heuschnupfen oder erkältungsbedingtem Schnupfen mit viel wundmachendem Ausfluss und ständigen Niesattacken. [7][8]

Hintergrundinformationen

Das Augentrostkraut ist schon seit langem als Heilpflanze bekannt. Es gehört zur Familie der Sommerwurz-Gewächse und ist in Mittel- und Westeuropa heimisch. Sein wissenschaftlicher Name Euphrasia officinalis bedeutet so viel Frohsinn. Im Englischen wird die Pflanze „eyebright“ genannt und im Französischen sogar Casselunette, der „Brillenbrecher“. Augentrost wächst am besten auf mageren, sonnenbeschienenen Weiden in bis zu 2000 Metern Höhe. Es ist auf die umliegenden Gräser angewiesen, da es als Halbschmarotzer mit seinen Saugwurzeln Nährstoffe aus den Wurzeln der angrenzenden Gräser zieht. Augentrost ist eine einjährige Pflanze, die ungefähr 15 cm hoch wird und sich im oberen Bereich verästelt. Die Blütezeit beginnt frühestens im Juni, fällt aber hauptsächlich in den Spätsommer und Herbst. Die Blüte besteht aus aufklaffenden, weißen Blütenblättern mit violetten Adern, die in der Mitte einen gelben Fleck haben. Die Blätter sind eiförmig und gezahnt. Zur Herstellung der Arznei Euprasia wird die Pflanze in voller Blüte gesammelt und direkt über der Wurzel abgeschnitten. Sie wird umgekehrt an einem dunklen, luftigen Ort aufgehängt und getrocknet. Aus dem getrockneten Kraut können Aufgüsse oder Tees bereitet werden. Bei der Extraktion der gesundheitsfördernden Stoffe ist peinlichst auf Hygiene zu achten, da verunreinigte Augentropfen oder Kompressen einem entzündeten Auge mehr schaden als helfen würden. Die enthaltenen Wirkstoffe sind Gerbstoffe, Bitterstoffe, Glycoside (Aucubin), ätherische Öle und viele weitere. Sie sind entzündungshemmend und schmerzlindernd. In der Schulmedizin ist Euphrasia weitgehend als „augenstärkend“ anerkannt, es bedarf allerdings noch mehr Studien, um die Wirkungen eindeutig zu belegen. Früher wurde das getrocknete Kraut geraucht, um chronische Bronchitis zu heilen und Euphrasia-Tee sollte die Gedächtnisleistung verbessern. Heutzutage haben sich die Anwendungsgebiete auf oben genannte beschränkt. [4][9][10]