Globuli von D bis F

Equisetum arvense Globuli

© panthermedia.net / Martina Berg

Das homöopathische Mittel Equisetum stammt sowohl vom Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) wie auch dem Winterschachtelhalm (Equisetum hyemale), die in ihrer Wirkung nicht unterschieden werden. Beide gedeihen vor allem in den nördlichen Gegenden Asiens, Europas sowie Amerikas und bilden im Frühjahr spitz zulaufende, zahlreiche Sporen tragende Ähren. Der Name Equisetum kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Pferdeschweif“, nach den angeordneten Verzweigungen des Ackerschachtelhalms. In der Pflanzenheilkunde wird er seit der Antike vor allem als Durchspülungsmittel bei Erkrankungen von Niere und Blase eingesetzt, wegen seines hohen Kieselsäuregehaltes kommt er ebenso als Lungenheilpflanze zum Einsatz. Weiter wird er verwendet zur Blutstillung und Wundheilung. Als Grundlage zur Herstellung der Globuli dient eine Urtinktur der pürierten frischen Pflanze mit der Wuzel. Equisetum ist ein Mittel mit spezifischer Wirkung in der Homöopathie, die Globuli werden ausschließlich bei Beschwerden der Harnwege und Harnorgane eingesetzt.[1][2]

Anwendungsmöglichkeiten

Zusammenfassung

Bei wem?: Equisetum kann homöopathisch indiziert sein bei Blasenentzündungen wie auch Nierenentzündungen, außerdem Nieren- oder Blasensteinen, Hämaturie (Blut im Urin) sowie unfreiwilligem Harnlassen, besonders nächtlichem Bettnässen (Enuresis), aber auch Harnverhalt (die gefüllte Harnblase kann nicht entleert werden) und schmerzhaftem Harndrang. Weiterhin kann es eingesetzt werden bei Wasseransammlungen im Körper (z.B. Ödemen), Gonorrhö (Geschlechtskrankheit, umgangssprachlich „Tripper“) oder allgemeinen Lähmungserscheinungen.[3][4]

Wo wirkt es?: Equisetum Globuli haben einen eindeutigen Bezug zu den Organen und Strukturen der ableitenden Harnwege.[4]

In welchem Alter?: Equisetum Globuli können in jedem Alter angewandt werden, sind grundsätzlich aber häufig im Kindesalter indiziert.[5]

Wahlanzeigende Beschwerden

Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.

Hauptbeschwerden Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Leitsymptome von Equisetum bestehen in einem deutlichen Völlegefühl der Blase, welches durch Wasserlassen nicht gelindert wird, so dass bald darauf erneut der Drang zu Urinieren aufkommt. Beim Wasserlassen wird ein brennendes Gefühl in der Harnröhre wahrgenommen. Einerseits kann es zu Harnverhalt kommen, andererseits kommt es aber auch zu unwillkürlichem Abgang von Harn oder Stuhl – sowohl tagsüber als auch nachts. Wenn die Symptome auffällig stark auf der rechten Körperseite auftreten, kann dies ein weiterer Hinweis auf Equisetum sein.[4][6]

Verbesserung: Die Symptome lindern sich gegen Nachmittag und beim Liegen.

Verschlechterung: Die Beschwerden treten überwiegend auf der rechten Körperseite auf. Eine Verschlechterung lässt sich meistens gegen Ende der Harnentleerung feststellen, außerdem können sich die Symptome intensivieren durch Berührung, Druck, Bewegung oder Hinsetzen der betroffenen Person.[5]

Geist / Gemüt Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Equisetum-Patienten sind oft erschöpft und ausgelaugt. Außerdem lässt sich bei ihnen oft eine deutliche Reizbarkeit feststellen.

Kopf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es treten heftige, stechende Kopfschmerzen auf. Diese sind entweder im oberen Teil der Augenhöhle oder wechseln von Ort zu Ort. Die Kopfhaut fühlt sich an, als ob sie zu fest über den Schädel gespannt sei. Geräusche werden falsch wahrgenommen, manchmal wird ein erschreckendes Rumpeln in den Ohren laut.

Gesicht Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Während der Kopfschmerzen ist das Gesicht heiß, aber ohne eine sichtbare Rötung.

Atmungsorgane / Brust / Herz Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Im Hals kann ein scharfer, stechender Schmerz auftreten. Manchmal treten auch stechende Schmerzen bei der Einatmung in der Herzregion auf.

Verdauungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Es wird über ein deutlich verstärktes Hungergefühl berichtet. Während und nach dem Stuhlgang, der oft von Flatulenzen (Furzen) begleitet wird, herrscht deutlicher Schmerz vor. Häufig bleibt nach dem Stuhlgang der Eindruck, als ob man sich nicht vollständig entleert hätte.[3]

Harnorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Starker, dumpfer Schmerz mit deutlichem Völlegefühl der Blase kommt häufig vor, der auch durch Urinieren nicht gelindert wird. Regelmäßiger Harndrang mit heftigen Schmerzen, die sich gegen Ende des Urinierens noch verstärken. Der Harn fließt nur Tropfen für Tropfen. Es ist häufig viel Schleim im Urin zu sehen, außerdem kann Eiweiß darin festgestellt werden. Während des Urinierens werden scharfe, brennende oder schneidende Schmerzen in den Harnleitern beschrieben. Nächtliche Inkontinenz (Enuresis = unwillkürliches Einnässen) kommt bei Kindern besonders während intensiven Träumen oder Alpträumen vor. Bei älteren Frauen kommt zu der Inkontinenz auch die Unfähigkeit, ihren Stuhlgang zu kontrollieren. Während und nach der Schwangerschaft gibt es Fälle von Harnverhalt und anderen Störungen der Harnwege. Auch in der Gegend der rechten Niere wird oft starker Schmerz beschrieben, der sich im Unterbauch ausbreitet und Harndrang auslösen kann.[7]

Bewegungsorgane Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Schmerzen in den Extremitäten verschlechtern sich durch Bewegung oder Berührung.[3]

Haut Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Kopfhaut fühlt sich sehr angespannt an.

Fieber / Schwitzen / Kälte Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Wenn Fieberschauer auftreten, bewegen sie sich von der unteren Körperhälfte nach oben.

Schlaf Informationen anzeigen Informationen ausblenden

Die Personen sind sehr müde, die Augenlider fühlen sich schwer an. Der Schlaf wird stark durch unangenehme Träume gestört.[3]

Dosierung und Einnahme

Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet. Bei der Anwendung von Potenzen ab D30 sowie LM- oder Q-Potenzen sollte ein fachkundiger Arzt, ein Homöopath oder eine Hebamme zurate gezogen werden.

Einnahme Empfehlungen und Regeln

  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 – D12. Die Behandlung von Schwangeren und Kindern soll stets in Absprache mit Frauenarzt, Hebamme oder Kinderarzt erfolgen.
  • Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn eine Verschlechterung der Symptome über mehrere Tage anhält.
  • Im Rahmen der Selbstbehandlung sollte stets nur ein Mittel auf einmal versucht werden.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden. Die Einnahme unterstützender Mittel sollte stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Auch die Einnahme selbst erfordert besondere Aufmerksamkeit. Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können. Um eine Heilwirkung nicht zu gefährden, sollten zur Sicherheit folgende Regeln beachtet werden:

  • Vor der Einnahme des Mittels sollten die Mundschleimhäute 15 Minuten frei sein von Speisen und Getränken, Nikotin oder Alkohol.
  • Globuli, aufgelöste Tabletten oder Tropfen zur Vorsicht mit Plastiklöffeln einnehmen.
  • Stark riechende ätherische Öle (Latschenkiefer, Menthol, Kampfer) und Lösungsstoffe (Lacke, Farben, Benzin) sind während der Anwendung zu vermeiden.
  • Minze, Zahnpasta, Kaugummi, Kaffee und Alkohol zur Sicherheit der Wirkung möglichst vermeiden oder den Gebrauch stark einschränken.

Einnahme für Säuglinge und Kleinkinder:

Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen.Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Auch eine Verabreichung über die Trinkflasche kann gut gelingen.

Einnahme für Erwachsene

Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Sie können alternativ auch in Wasser gelöst und getrunken werden.

Behandlungsdauer

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden. Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern. Hohe Potenzen (ab C200) werden in der Regel nur von heilkundigen homöopathischen Ärzten oder Heilpraktikern verordnet und eignen sich nicht zur Selbstbehandlung, da ihre Wirkweise eine andere Dynamik hat, als die der tiefen D-Potenzen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Homöopathische Mittel werden als „energetische Arzneien“ bezeichnet. Ihre Wirkung basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Das bedeutet, dass die Mittel hier, anders als bei allopathischen Arzneien (Schulmedizin), dem Immunsystem nicht entgegengesetzt werden, sondern unterstützend zum Einsatz kommen. Es geht demnach nicht darum, dem Körper die Arbeit abzunehmen, sondern ihn in seinem natürlichen Tun zu unterstützen. Deshalb bedarf es eines der zu behandelnden Beschwerde ähnelnden Reiz, um diese Selbstheilungskräfte (Hahnemann sprach von der individuellen Lebenskraft) zu aktivieren. Es wird ausdrücklich betont, dass es bei der Anwendung homöopathischer Mittel nicht um eine bloße Beeinflussung der Erkrankung geht, sondern vielmehr um die Belebung der Vix Mediatrix Naturae (Heilkraft der Natur). Sie soll helfen die Beschwerden zu neutralisieren.

Der Gedanke hinter diesem Prinzip ist die Annahme, dass jeder Mensch auf vielfältige Art und Weise mit seinem Umfeld interagiert: die Homöopathie spricht hier vom Prinzip der harmonischen Resonanz. Dies umfasst sowohl positive als auch negative Auswirkungen und äußert sich bei jedem Individuum anders. Diese Auswirkungen werden für die homöopathische Behandlung nutzbar gemacht, indem Lebensenergie (Prana oder Qui genannt) in flüssigen oder trockenen Medien eingeschlossen wird. Bei jedem Verdünnungsschritt des Mediums wird folglich die enthaltene Energie weiter potenziert. Je höher also die Potenz, umso stärker wirkt das Mittel, auch wenn dies mit einer Verdünnung der ursprünglich enthaltenen Substanz einhergeht. Übrig bleibt die Energie, die mit dem Körper interagiert. Die Wirkung höher potenzierter Mittel geht tiefer und hält länger vor.

Aufgrund des unterstützenden Charakters kann es, besonders bei den sogenannten Hochpotenzen (ab C200, LM- und Q-Potenzen), zu einer Erstverschlimmerung der Symptomatik kommen. Sie kann ein paar Tage nach Einnahmebeginn einsetzen und wird als positives Zeichen für die adäquate Reaktion des Körpers gewertet. Ein Ausbleiben der Erstverschlimmerung ist jedoch im Umkehrschluss kein Zeichen mangelnden Erfolges, da längst nicht alle Mittel diese Erstreaktion auslösen (Sulfur ist zum Beispiel bekannt für das vermehrte Auftreten einer Erstverschlimmerung). Besonders häufig wird sie bei der Behandlung chronischer Krankheiten beobachtet.

Die Einnahme homöopathischer Mittel soll grundsätzlich mit dem Ausbleiben der behandelten Beschwerden beendet werden. Bei einer Einnahme über die erforderliche Zeit hinaus (die wohl einzige beschriebene Form der Überdosierung) können die ursprünglichen Symptome zurückkehren, was Hahnemann als „Spätverschlimmerung“ bezeichnete. Diese wird, anders als das erste Auftreten der Beschwerden, nicht behandelt. Stattdessen wird das Mittel nun abgesetzt. In der Regel ebbt die Spätreaktion nach 3 – 4 Wochen von selbst ab.

Alternative Homöopathische Mittel

Cantharis

Cantharis versicatoria ist ein Insekt aus der Familie der Ölkäfer, das als „Spanische Fliege“ bekannt ist. Die zerstoßenen Tiere galten schon seit der Antike wegen ihrer hautreizenden Absonderungen als Mittel gegen Harnwegserkrankungen, außerdem war es als Aphrodisiakum sowie im Rahmen naturheilkundlicher Ausleitungsverfahren (Cantharidenpflaster) in Verwendung. Cantharis-Patienten leiden wie Equisetum-Kranke unter starken Harndrang, dem Gefühl einer dauernd gefüllten Blase und brennenden Schmerzen beim Wasserlassen, jedoch kommt bei Cantharis noch weniger Harn als bei Equisetum. Während sich die Symptome wie bei beiden durch Berührung und Wasserlassen verschlechtern, verbessert sich der Zustand von Cantharis-Kranken durch Wärme und Reibung. Er leidet unter übermäßig gesteigerter Erregbarkeit, hat Angst vor glitzernden Gegenständen und ekelt sich vor der Aufnahme von Flüssigkeiten, auch wenn er großen Durst hat.[8][6]

Uva ursi

Auch bei Arctostaphylos Uva ursi, der Bärentraube, steht die Symptomatik der Harnwegsprobleme wie Inkontinenz, chronische Blasenreizung und Schmerzen besonders im Vordergrund. Auch in der Pflanzenheilkunde findet das Mittel schon lange Verwendung und ist unter anderem ein Klassiker zur Desinfektion des Urins bei chronischen Blasenentzündungen. Im Gegensatz zum Equisetum-Patienten leiden Uva ursi Kranke neben den Harnwegsbeschwerden unter Schwierigkeiten mit der Atmung (Dyspnoe), was in eine Blaufärbung der Haut wegen des Sauerstoffmangels (Zyanose) münden kann. Außerdem unterscheidet es sich von Equisetum dadurch, dass die Symptome nach dem Wasserlassen besser werden.[9][10]

Dulcamara

Dulcamara Globuli werden aus den frischen grünen Blättern und Stängeln des Bittersüßen Nachtschattens hergestellt. Neben Harnwegsinfekten, die auch auftreten können, wird das Mittel vor allem bei Schleimhautentzündungen der Atemwege und des Verdauungsbereiches, allergischen Reaktionen wie asthmatischen Beschwerden oder Hauterkrankungen und rheumatischen Erscheinungen verwendet. Die Krankheitssymptome werden häufig durch Nässe und Kälte ausgelöst. Das Wasserlassen ist schmerzhaft, im Harn sind oft ölige, schleimige, eitrige oder blutige Anteile zu finden. Während Kälte und Nässe den Zustand verschlimmern, verbessert Bewegung die Symptome, im Gegensatz zu Equisetum.[11][12]

Hintergrundinformationen

Die heilkundliche Bedeutung des Schachtelhalms in der Pflanzenheilkunde übersteigt seine Rolle als kleines Mittel in der Homöopathie bei weitem. Neben einer seit der Antike belegten Verwendung als Wundheilpflanze und blutstillendes Mittel (Hämostyptikum) steht bis heute vor allem seine anregende Wirkung auf Niere und Blase im Vordergrund, weshalb er bei diversen Harnwegserkrankungen und zur Entgiftung eingesetzt wird. Anfang des 20. Jahrhunderts war der Schachtelhalm aufgrund seines hohen Gehaltes an Kieselsäure eine wesentliche Pflanze, von der man sich therapeutische Erfolge bei der Lungentuberkulose („Schwindsucht“) versprach, z.B. zusammen mit Vogelknöterich und ockergelbem Hohlzahn als Bestandteil des Kobert-Kühnschen-Kieseltees. Ob einige der verschiedenen Unterarten wie etwa der Sumpfschachtelhalm giftig sind, gibt es unterschiedliche Angaben.[2]