Kränkung – aus homöopathischer Sicht

Emotionale Verletzungen wie Ärger und Kränkung können homöopathisch behandelt werden. Lesen Sie hier einen Beitrag dazu.

Unter Kränkung verstehen wir eine seelische Verletzung, eine ärgerliche Traurigkeit, hervorgerufen durch das Verhalten oder den Kommentar eines anderen Menschen. Eine Kränkung kann auf seelischer Ebene sehr schmerzhaft sein und evtl. auch längerfristige Folgen haben. Es kann zu depressiven Verstimmungen, Kontaktabbrüchen oder sozialem Rückzug, aber auch zu körperlichen Beschwerden führen. Kränkung macht krank. Homöopathische Mittel können helfen, mit diesen Situationen besser zu Recht zu kommen.

Wenn wir uns gekränkt fühlen, gibt es zwei Seiten die wir betrachten müssen. Die Seite desjenigen, der uns gekränkt hat und unsere eigene. Ob und in welchem Maße wir auf unser Gegenüber reagieren, hat zum großen Teil mit unserer Lebensgeschichte und unserer Persönlichkeit zu tun. Hier wird es für den Homöopathen interessant. Seine Aufgabe ist es genau zu unterschieden auf welche Verhaltensweisen oder Kommentare der Patient verletzt regiert und wie die Reaktion des Einzelnen aussieht. Ist der Patient eher traurig oder wütend? Welches Gefühl steckt eigentlich dahinter? Fühlt er sich entwertet oder respektlos behandelt, alleingelassen oder zurückgewiesen? Hat er das Gefühl, ausgelacht oder nicht ernst genommen zu werden? Gibt es eine körperliche Empfindung oder Beschwerdesymptomatik, die durch die Kränkung ausgelöst wird, wie zum Beispiel Magenschmerzen oder ein Hautausschlag? Wie reagiert der Patent aktiv in der Situation. Weint er, sucht er sich Trost bei Freunden, zieht er sich zurück oder stürzt er sich in die Arbeit? Kommt es zu Zornausbrüchen und wie genau sehen diese aus?

Homöopathische Mittel für die Seele

Die Antworten auf diese und andere Fragen ermöglichen dem homöopathischen Arzt oder Therapeuten ein passendes Mittel zu finden, das auf seelischer Ebene die Widerstandskraft gegenüber bestimmten Situationen verbessert.

Menschen, die leicht auf Kränkungen reagieren leiden häufig an einem geringen Selbstwertgefühl. Oft haben die Patienten eine Geschichte von sehr strenger, liebloser Erziehung oder auch Gewalterfahrungen in der Kindheit hinter sich. Die Betroffen haben gelernt, ihre Gefühle, aber auch ihre Wut zu unterdrücken. In solchen Fällen denken ich an Mittel wie Carcinosinum oder Staphisagria. Beide Mittel haben viel unterdrückten Zorn, der sich über Jahre gegen sich selbst richtet – irgendwann aber auch im Außen mit heftigen Ausbrüchen sichtbar werden kann. Die Umgebung ist dann überrascht, wie der sanftmütige Kollege, der über Jahre schweigend neben einem gearbeitet hat, so einen Ausbruch haben kann. Staphisagria-Patienten neigen zu Gerstenkörnern und können eine Neigung zu Entzündungen der Harnwege haben.

Lac caninum

Auch Lac caninum ist ein Mittel für Patienten, die sehr viel Kränkung und Demütigung in der Kindheit erlebt haben. Heute würde man sagen das klassische Mobbing-Opfer. Diese Patienten setzen sich selten zur Wehr, lassen sich viel gefallen. Auf körperlicher Ebene hat Lac caninum viele Symptome im Halsbereich.

Natrium chloratum

Auch Natrium chloratum (Natrium muriaticum) ist ein Mittel, das auf Kränkungen empfindlich regiert. Oft finden sich wiederholte Erfahrungen von Kummer, Trauer oder Verlust in der Biographie des Patienten. Diese Menschen gehen sehr kontrolliert mit ihren Gefühlen um, reagieren mit Rückzug und wollen alleine sein. Ähnlich wie bei Lac caninum, vermeiden auch sie eher den Konflikt oder die Konfrontation mit dem Gegenüber, sodass sich der kränkende Umgang wiederholt. Bereits als Kinder ziehen sie sich eher in ihr Zimmer zurück, als Trost bei den Eltern zu suchen. Oft werden sie als kleine Erwachsene bezeichnet. Sie sind schon früh „sehr vernünftig“. Natrium chloratum ist hier ein oft angesagtes Arzneimittel. Man sagt, es „vergisst nicht so leicht“. Die Menschen bewahren ihre Erlebnisse und Verletzungen über lange Jahre bei sich auf. „Ich kann verzeihen, aber nicht vergessen“, ist ein typischer Satz für dieses Mittel.

Pulsatilla und Ignatia

Aber auch sehr emotionale Mittel wie Pulsatilla oder Ignatia sind bei Arzneimitteltypen angesagt, die rasch gekränkt regieren. Sie sind insgesamt sehr empfindsam und verletzlich. Sie wollen geliebt und anerkannt werden, hegen einen starken Wunsch nach Harmonie. Kritik wird von ihnen als mangelnde Wertschätzung, Zurückweisung oder Lieblosigkeit empfunden. Die Reaktion ist Traurigkeit, mit viel Weinen und der Suche nach Trost bei Pulsatilla oder auch stiller Kummer mit Weinen, Seufzen und dem Gefühl von einem Kloß im Hals bei Ignatia.

Bei Menschen die viel Kränkung erlebt haben, geht es vor allem darum, alte Wunden zu heilen und die Entwicklung neuer Reaktionsmuster zu unterstützen. In meiner Praxis arbeite ich auch mit systemischen Fragetechniken, die es meinen Patienten und mir erleichtern, dieser tieferen Ebene auf die Spur zu kommen. Eine erhöhte Sensibilität und Verwundbarkeit was Kränkungen anbelangt, kann zu großen Einschränkungen im Alltag führen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Die Homöopathie verfügt über einen Schatz an wunderbaren Arzneimitteln für seelische Verwundbarkeiten. Von einer Selbstbehandlung rate ich in diesen Fällen jedoch ab. Die Reaktion und Entwicklungsschritte, die im Rahmen einer Behandlung auftreten können, erfordern eine professionelle Begleitung durch einen möglichst auch psychotherapeutisch erfahrenen Behandler.

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Autorin:

Judith Pieroth-Neef, Ärztin, Klassische Homöopathie und Naturheilverfahren.
Seit über 15 Jahren bin ich als angestellte Ärztin in einer hausärztlichen Gemeinschaftspraxis tätig. Neben der Homöopathie liegt der Schwerpunkt meiner Arbeit in der Behandlung von Darmerkrankungen sowie in einer ganzheitlichen Ernährungsberatung. Im Bereich der psychosomatischen Erkrankungen und des Gesundheitscoachings arbeite ich unterstützend mit systemischen Techniken.

Praxisadresse: Bahnhofstrasse 30, 85591 Vaterstetten, Tel.: 08106 378880
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