Zähneknirschen mit Homöopathie behandeln

Zähneknirschen (Bruxismus)

ist ein Symptom, das vor allem nachts bzw. im Schlaf auftritt, während das Beißen oder Zusammenpressen der Zähne und Kiefer meist tagsüber in Erscheinung tritt. Beim Knirschen werden die Zähne unter hohem Druck gegeneinander verschoben, was oft hörbar ist und zusätzlich zu Abriebspuren auf den Zahnflächen und feinen Rissen im Zahnschmelz führt, die dann der Zahnarzt sehen kann. Beim Beißen sind die Kiefermuskeln maximal angespannt, der Druck auf die Kauflächen vor Allem der Backenzähne kann enorm sein; meist sind auch die Nackenmuskeln verspannt, Folge des Beißens können neuralgische Gesichts- und Kieferschmerzen und manchmal ein Tinnitus sein.

Früher dachte man, die Ursache seien Fehlstellung im Bereich des Gebisses, diese Vorstellung ist inzwischen aber überholt. Heute geht man davon aus, dass unser zentrales Nervensystem für Knirschen und Beißen verantwortlich ist. Es handelt sich um beobachtbare, oft auch hörbare Symptome im körperlichen Bereich, die Ursache liegt aber meist im Halb- oder Unbewussten. Daher lassen sich diese Erscheinungen auch als „Brücken – Symptome“ zwischen Körper und emotionaler Sphäre verstehen.

Im Knirschen äußert sich oft eine latente Aggressivität oder unterdrückte Wut, im Beißen eine permanente Anspannung oder Kampfbereitschaft, umgangssprachlich spricht man nicht zu unrecht von einem „Sich – Durchbeissen“, wenn hohe Anforderungen oder Widerstände bewältigt oder überwunden werden müssen.

Homöopathische Mittel gegen Zähneknirschen und Zähne-beißen

Unter homöopathischem Gesichtspunkt spielen bei der Mittelwahl natürlich weitere körperliche Symptome und Modalitäten eine zentrale Rolle. Hilfreich in diesem Grenzbereich zum Unterbewussten kann aber auch der Versuch sein, die individuelle Strategie eines Menschen im Umgang mit seiner Umwelt zu verstehen. Die Mittelwirkung wird also um so vollständiger und effektiver sein, je besser die Arznei auch zentrale emotionale Reaktionsmuster einbezieht.

Bedenkt man nun, dass Knirschen nur ein „oberflächliches“ Symptom für eine tieferliegende Ursache ist, dann wird klar, dass homöopathische Arzneien, die nur „vordergründig“ das Symptom „Knirschen“ (oder „Beißen“) in den Focus nehmen nicht unbedingt eine tieferliegende Ursache ebenfalls beseitigen können: selbst wenn das Symptom unter homöopathischer Behandlung (vorübergehend) verschwindet kann die zu Grunde liegende Ursache weiter wirken.

Bei Kindern kann Zähneknirschen manchmal im Fieber bei akuten Infekten auftreten, während dieselben Kinder in gesunden Tagen dieses Symptom nicht zeigen. In diesen Fällen kann man das Knirschen als Begleitsymptom des Fiebers auffassen, das passende Akut-Mittel sollte also neben anderen Aspekten (Art und Verlauf des Fiebers, Schwitzen, Durst oder Durstlosigkeit etc.) auch Zähneknirschen in seinem Arzneimittelbild haben.

Die Wahl der Potenzhöhe hängt unter Anderem davon ab, wie sicher man sich der Wahl der Arznei ist: je unklarer das Gesamtbild und je unsicherer die Arzneiwahl, umso niedriger sollte die Arznei potenziert sein, kann und darf dann aber auch kurzfristig wiederholt werden (z.B. D 12, 2 – 3 x % Globuli). Bei sehr klarem Gesamtbild und tiefem Verständnis der hintergründigen Krankheitsdynamik dürfen auch höhere Potenzen zum Einsatz kommen (z.B. C 30 oder C 200, jeweils aber zunächst nur einmalig 3 – 5 Globuli! Dann die Wirkung genau beobachten und abwarten, wie sich das Krankheitsbild und das Symptom des Knirschens verändern bzw. verbessern).

An folgende homöopathische Arzneien kann man bei Zähneknirschen in erster Linie denken:

Apis

Knirschen bei geschäftig-unruhigen Menschen, die auch gereizt reagieren können; als Begleitsymptom akut im Rahmen von entzündlichen Erkrankungen, bei denen die entzündete Region ödematös geschwollen ist; Schwellungen auch im Gesicht oder um die Augen. Durstlos. >> Hier gelangen Sie zum Mittel Apis.

Belladonna

Im Rahmen hochfieberhafter Erkrankungen mit heißem Kopf und eher kühlen Extremitäten; teilweise im Rahmen von Fieberdelirien und Aufschrecken aus dem Schlaf. Überempfindlich auf Außenreize wie Erschütterung, Geräusche, Berührung. Spricht im Schlaf. Schlimme Träume von Verfolgung, Kampf und Fallen. >> Hier gelangen Sie zum Mittel Belladonna.

Cina

Schlecht gelaunte Kinder, die gleichzeitig eine Wurmerkrankung haben mit Bauchkoliken; wollen sanft bewegt bzw. gewiegt werden. Krampfneigung im Bereich von Augen und mimischer Muskulatur oder in den Extremitäten. Sind mit den Fingern ständig an oder in der Nase.

Tuberculinum

Einsatz nur unter Berücksichtigung konstitutioneller Aspekte: Infektanfälligkeit, Neigung zu Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege. Unruhiger Schlaf, schreien im Schlaf wegen Träumen. Verlangen nach kalter Milch und Schinken oder Geräuchertem. Nachtschweiß. Emotional unruhig, immer unterwegs. >> Hier gelangen Sie zum Mittel Tuberculinum.

Phytolacca

Möchte Hartes zum Draufbeissen. Zähneknirschen bei eitriger Mandelentzündung, der Halsschmerz schieß zum Ohr beim Schlucken; nächtlicher oder morgendlicher Schmerz im Bereich der Kieferknochen und Gesichtsmuskeln. Beißt vor Allem auch tagsüber die Zähne zusammen. >> Hier gelangen Sie zum Mittel Phytolacca.

Dr. med. Ulf Riker

Internist – Homöopathie – Naturheilverfahren, Buchautor, Dozent für Homöopathie

Praxis für Innere Medizin: Wensauerplatz 10, 81245 München, http://www.praxisriker.de