Husten, Schnupfen, Heiserkeit – die Grippesaison hat begonnen. Mit dem Einsetzen der kalten Jahreszeit wollen wir uns vermehrt vor Viren und Bakterien schützen. Warme Kleidung, heißer Tee und eine vitaminreiche Ernährung sollen uns vor drohenden Erkältungen und Grippeerkrankungen bewahren. Dabei vergessen wir häufig, dass Infektionen nicht durch Kälte entstehen, sondern von Mensch zu Mensch übertragen werden. Nicht Zugluft und unbeheizte Räume sind schuld an unserem Leiden. Überall lauern krank machende Kleinstlebewesen und Bakterien, die unserem Körper schaden können. Am 3. Dezember findet deshalb der Tag der Hygiene statt und erinnert uns daran, wie wir Krankheiten vermeiden können.
Hygiene gegen Keime
Das Wort „Erkältung“ legt nahe, dass die unangenehme Erkrankung, die mit Husten, Schnupfen und allgemeinem Unwohlsein einhergeht, durch Kälte verursacht wird. Obwohl Kälte das Immunsystem schwächt und damit die Infektanfälligkeit erhöht, kommt es durch eine Unterkühlung nicht zwangsläufig zum Ausbruch einer Krankheit. Ein grippaler Infekt wird durch Viren übertragen. Diese setzen sich in den Atemwegen fest und verursachen die bekannten Symptome. Auch viele andere mehr oder weniger gefährliche Leiden werden durch Viren, Bakterien oder Parasiten verursacht. Laut Statistiken der WHO (Weltgesundheitsorganisation) zählen zu den zehn häufigsten Todesursachen weltweit nur fünf Infektionskrankheiten [1][2].
Wir Menschen tragen täglich etwa eine Billiarde Mikroorganismen an und in unserem Körper mit uns herum. Nicht alle davon sind krankheitserregend (pathogen). Bakterien sorgen gleichzeitig für eine gesunde Darmflora und halten den pH-Wert der Haut im Gleichgewicht. Einige dieser Mikroorganismen aber machen uns krank, sofern unser Immunsystem sie nicht abwehren kann. Es gibt indirekte und direkte Übertragungswege für Infektionen. Von einer Tröpfcheninfektion sprechen wir, wenn die Ansteckung durch Erreger in kleinen Speicheltröpfchen beim Niesen, Husten oder Sprechen erfolgt. Eine Schmier- oder Kontaktinfektion ist die Übertragung von Keimen durch das Berühren einer verseuchten Oberfläche oder eines Lebewesens. Bakterien oder Viren können auch durch Nahrungsmittel oder Trinkwasser in den Organismus gelangen. Nicht zuletzt sind infizierte Tiere eine Ansteckungsquelle [3][4][5].
Die gefährlichen Mikroorganismen lauern meisten an Orten, an denen wir sie nicht erwarten oder die wir zwangsläufig häufig berühren müssen. An der Innenfläche von Türen, am Fernseher, auf dem Handy-Display, an der Dunstabzugshaube über dem Herd, im Waschbecken und am Duschvorhang. Ganz zu schweigen von Türklinken, Haltegriffen in der U-Bahn oder Treppengeländern: Bakterien und Viren sind überall [6].
Durch Hygiene Infektionen richtig vermeiden
Hygiena war die griechische Göttin der Gesundheit
Aus dem Griechischen stammt auch unser modernes Wort „Hygiene“. Es bedeutet so viel wie „gesund“. Deshalb versteht man unter Hygiene die wissenschaftliche Lehre davon, wie man Krankheiten verhindert, die Gesundheit erhält und stärkt. Dazu gehören alle Maßnahmen, mit denen wir uns vor Krankheitserregern schützen. Sowohl übermäßige als auch mangelnde Hygiene kann unserer Gesundheit schaden. Wir können es nicht vermeiden, täglich mit Krankheitserregern in Kontakt zu kommen. Unser Immunsystem bekämpft Infektionen jedoch in vielen Fällen, bevor überhaupt Symptome auftreten. Wenn ein gesunder Mensch sich stündlich die Hände desinfiziert, führt das höchstens zu trockener Haut – aus medizinischer Sicht ist es aber unnötig \[4].
Die folgenden 10 Tipps zeigen Ihnen, wie Sie gesünder durch den Winter kommen und Ansteckungen vermeiden \[7]\[8]:
- Händewaschen – Richtiges Händewaschen muss man lernen. Befeuchten Sie Ihre Hände mit warmem Wasser und seifen Sie sie dann für 20 bis 30 Sekunden gründlich ein. Vergessen Sie dabei nicht den Handrücken und die Fingernägel. Spülen Sie anschließend die Seife gründlich ab. Auf öffentlichen Toiletten sollten Sie den Wasserhahn mit dem Ellenbogen oder einem Papierhandtuch zudrehen. Trocknen Sie Ihre Hände gründlich ab. Zu Hause sollte jedes Familienmitglied sein eigenes Handtuch benutzen.
- Der richtige Zeitpunkt – Nicht nur die Technik des Händewaschens ist wichtig, auch der Zeitpunkt spielt eine entscheidende Rolle beim Schutz vor Infektionen. Waschen Sie sich die Hände, sobald Sie nach Hause kommen, nach dem Niesen, vor und nach dem Essen, nach dem Toilettengang und nach dem Kontakt mit kranken Personen.
- Taschentücher – Auch Menschen ohne Erkältung sollten Taschentücher dabeihaben und sie bei Bedarf benutzen. Entsorgen Sie benutzte Taschentücher sofort. Vermeiden Sie es, Taschentücher gemeinsam zu nutzen. Mütter sollten ihren Kindern niemals ein bereits verwendetes Schnupftuch geben. Stofftaschentücher bieten Viren und Bakterien einen idealen Nährboden.
- Niesen – Wenn Sie sich beim Niesen die Hand vor den Mund halten, übertragen Sie Krankheitserreger auf alle Oberflächen, die Sie danach berühren. So verbreiten Sie die Infektion. Niesen Sie stattdessen besser in Ihre Ellenbeuge oder in ein Taschentuch.
- Gemütliches Beisammensein – In der kalten Jahreszeit verbreiten sich Infektionskrankheiten auch deshalb stärker, weil sich viele Menschen in geschlossenen Räumen aufhalten. Meiden Sie überfüllte Orte wie U-Bahnen oder Fahrstühle. Gehen Sie lieber zu Fuß oder benutzen Sie die Treppe. Das tut auch Ihrem Kreislauf gut.
- Desinfektionsmittel – Der klassische Hypochonder desinfiziert jede Türklinke, bevor er sie anfasst. Das ist aber meist unnötig. Nur in Haushalten mit immungeschwächten Personen sollte man gelegentlich Desinfektionsmittel verwenden. Denken Sie daran: Desinfizieren ersetzt keine Reinigung, und nicht alle Präparate töten Keime zuverlässig ab.
- Wäschewaschen – Wechseln Sie Handtücher und Bettwäsche regelmäßig und waschen Sie sie immer bei mindestens 60 Grad Celsius. Nur bei dieser Temperatur sterben krankheitserregende Keime ab. Einen Hygienespüler brauchen Sie dafür nicht.
- Regelmäßiges Lüften – In geschlossenen Räumen steigt die Anzahl der Krankheitserreger mit der Zeit stark an. Lüften Sie deshalb regelmäßig – auch bei eisigen Temperaturen. Besonders im Schlafzimmer, in der Küche und im Bad, wo sich viele Keime sammeln, ist frische Luft wichtig. So verbessern Sie auch das Raumklima und verhindern, dass Ihre Atemwege austrocknen.
- Umgang mit Kranken – Wenn Sie mit kranken Menschen im selben Haushalt leben, sollten Sie sich regelmäßig die Hände waschen und den Kontakt so gering wie möglich halten. Benutzen Sie Einweghandschuhe, wenn Sie benutzte Taschentücher oder schmutziges Geschirr anfassen.
- Bleiben Sie zu Hause! – Wenn Sie sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen eine Erkältung eingefangen haben, bleiben Sie am besten im Bett. So unterstützen Sie Ihre Genesung und schützen Ihre Kolleginnen und Kollegen vor einer Ansteckung. Computertastaturen und Telefonhörer im Büro gehören nämlich zu den größten Keimherden.
Fazit
Durch die richtigen Hygienemaßnahmen kann die Ausbreitung von Infektionen verhindert werden. Deshalb hat die Universität Bonn den Tag der Hygiene ins Leben gerufen. Er findet jedes Jahr am 3. Dezember anlässlich des Geburtstages von Max von Pettenkofer statt. Von Pettenkofer war ein bayrischer Chemiker und Hygieniker, der im 19. Jahrhundert die Hygiene als eigenständigen Bereich der Medizin etablierte. Ihm haben wir es zu verdanken, dass wir uns heute besser denn je vor Krankheitserregern schützen können [9][10].
Quellenangaben:
[1] „Wie erkältet man sich?“, https://www.erkaeltet.info/erkaeltung/faq/wiki/wie-erkaeltet-man-sich/, 19.10.2015
[2] „Infektionen“, http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/infektionen.php, 19.10.2015
[3] „Wie Keime sich ausbreiten“, http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/wie-keime-sich-ausbreiten.php, 19.10.2015
[4] „Was ist Hygiene?“, http://www.tag-der-hygiene.de/hygiene-definition/index.php, 19.10.2015
[5] „Hygienetipps“, http://www.infektionsschutz.de/hygienetipps/, 19.10.2015
[6] „Verkeimtes Heim“, http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/hygiene-in-der-wohnung-verkeimtes-heim-1.2122772, 19.10.2015
[7] „Haushaltshygiene“, http://www.infektionsschutz.de/hygienetipps/haushaltshygiene/, 19.10.2015
[8] „Händewaschen“, http://www.infektionsschutz.de/haendewaschen/, 19.10.2015
[9] „Tag der Hygiene“, http://www.tag-der-hygiene.de/, 19.10.2015
[10] „Max von Pettenkoffer“, https://de.wikipedia.org/wiki/Max_von_Pettenkofer#Leistungen, 19.10.2015

