Krankenkassen – keine Beiträge für Homöopathie?

Sollen Krankenkassen die Homöopathie nicht mehr erstatten?

Ein Beitrag von Christoph Trapp

Josef Hecken, Chef des Gemeinsamen Bundesausschusses Ärzte und Krankenkassen (G -BA), fordert das Aus der Apothekenpflicht für homöopathische Arzneien und möchte Krankenkassen gleich mit verbieten, die Homöopathie zu erstatten. Dies können Krankenkassen im Rahmen von freiwilligen Satzungsleistungen tun, über 80 gesetzliche Kassen haben sich dafür entschlossen. Damit hat Hecken in der Debatte um die Homöopathie ein neues Kapitel aufgeschlagen. Hecken begründet seinen Vorstoß in der Stuttgarter Zeitung: “Versicherte müssen sich verlassen können, dass die Kassen nur bezahlen, was einen Wirkungsnachweis erbracht hat.“ (https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.aus-fuer-apothekenpflicht-kassen-sollen-homoeopathie-nicht-mehr-bezahlen.566a06d3-cf18-4322-8f13-43fb81e4bd11.html) Mit dem gleichen Argument möchte er auch die homöopathischen Arzneimittel aus den Apotheken verbannen. Laut Josef Hecken hätten sie eine medizinische Evidenz „auf dem Niveau von Brausetabletten”. Unterstützung findet er bei Karl Lauterbach (SPD) und bei Mechthild Heil (CDU).

Stimmen pro Homöopathie werden lauter

Mit seiner Initiative löst Hecken die Diskussion darüber aus, was in der Praxis und in der Apotheke eine sichere evidenzbasierte Medizin ist. Suggeriert wird, alles ist sicher, was dem Bereich der konventionellen Medizin zugerechnet werden kann. Aber ist dem so? Denn in dieser Frage sind sich Experten uneinig. „Was Ärzte machen, ist insgesamt vielleicht zu 20 Prozent evidenzbasiert“, schätzt Prof. Andreas Michalsen von der Berliner Charité im Tagesspiegel  (https://www.tagesspiegel.de/politik/heftige-kritik-an-berliner-uniklinik-charite-webseite-enthielt-lob-fuer-homoeopathie-gegen-krebs/22941508.html). “Wenn man alles, was nicht evidenzbasiert ist, sondern nur erfahrungsbasiert, verbieten oder aus dem Leistungskatalog nehmen würde, könne man die gesamte Chirurgie zumachen.“ Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung und dem Hausärzteverband liegen hierzu keine Daten vor. Entsprechend stark ist der Gegenwind aus der Politik und von Verbänden, der nun Josef Hecken entgegen schlägt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (apotheke adhoc 24.8.18) sieht keine Veranlassung in das gut funktionierende System einzugreifen. Aus seiner Sicht sollten „die Kassen ihren Versicherten Homöopathie als zusätzliche Satzungsleistung oder über Wahltarife anbieten können“, wird er im Branchendienst apotheke adhoc(https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/politik/spahn-zu-valsartan-homoeopathie-und-docmorris/) zitiert. Auch der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Fritz Becker, lehnt Heckens Vorstoß deutlich ab. Auch aus Sicht von Ärzte- und Patientenverbänden gehören homöopathische Arzneimittel in die Apotheke oder als bezahlte Leistung in die Krankenkasse. Würden die homöopathischen Arzneien von der Apotheke in die Reformhäuser oder Discounter wechseln, gäbe es für Patienten keine sichere Beratung mehr, Ärzte könnten keine Rezepte mehr ausstellen und die Mittel verordnen. Auf dem Spiel durch Heckens Initiative steht nichts geringeres als die Therapievielfalt, mit den Resultat, dass der Weg zur Einheitsmedizin eingeschlagen wäre. Als würden dann die Anthroposophische Medizin und die Naturheilverfahren in die Diskussion kommen.

Bevölkerung steht zur Homöopathie

Wird in Wissenschaft und Politik über das Für und Wider der Homöopathie debattiert, ist die Entscheidung Pro Homöopathie in der Bevölkerung längst gefallen. Im Frühjahr 2018 veröffentlichte das Meinungsforschungsinstitut Kantar TNS im Auftrag der Deutschen Homöopathie Union (DHU)  eine repräsentative Studie zur Einstellung der Deutschen zu medizinischen Therapieformen und Arzneimitteln. Ein paar Fakten: 60 Prozent der Bevölkerung ist es wichtig oder sehr wichtig, in der Apotheke frei zwischen Medikamenten aus der Schulmedizin, der Naturmedizin oder der Homöopathie entscheiden zu können. Ebenfalls 60 Prozent der Deutschen ist es wichtig oder sehr wichtig, dass ihr Hausarzt auch ergänzende Medikamente aus Naturmedizin oder Homöopathie für ihre Therapie wählen kann und wiederum 60 Prozent der Bevölkerung lehnen ein Erstattungsverbot von Homöopathie für Krankenkassen ab. Auch stehen die Menschen in Deutschland ganz klar zur Therapievielfalt und den Pluralismus in der Medizin: 75 Prozent der Deutschen befürworten die integrative Medizin – das Miteinander von Schul- und Naturmedizin. Diese Zahlen sollten sich Herr Lauterbach und Frau Heil ganz genau ansehen, denn Patienten sind auch Wähler.

 

Christoph Trapp
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