Warum Homöopathie und gesunde Ernährung Hand in Hand gehen

Eine gesunde Ernährungpanthermedia.net © IrochkaEine gesunde Ernährung bildet die Basis für ein gesundes Leben

Innerhalb der homöopathische Lehre hat die Ernährung einen besonderen Stellenwert. Eine homöopathische Behandlung wird nicht selten durch ernährungsspezifische Ratschläge ergänzt. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung dient als eine Unterstützung für den Genesungsprozess. Doch bestimmte Nahrungsmittel können die Wirkung einer homöopathischen Arznei aufheben oder beeinflussen. Zahlreiche Nahrungs- und Genussmittel wurden den Patienten von Samuel Hahnemann (Gründer der Homöopathie) unter der Behandlung verboten. Heutzutage empfehlen viele Homöopathen den Verzicht auf Kaffee, koffeinhaltige Getränke, Minze und dem für Minze typischen Menthol. Gerade Menthol wird vielen Lebensmitteln zugesetzt, ohne dass es auf den ersten Blick ersichtlich wäre. Welche Nahrungsmittel sollten während einer homöopathischen Behandlung gemieden werden? Wie lässt sich eine gesunde Ernährung mit den gängigen Ratschlägen von Homöopathen kombinieren?

Ernährungsratschläge als Teil der homöopathischen Therapie

Samuel Hahnemann© panthermedia.net / Georgios Kollidas
Laut Hahnemann geht eine homöopathische Behandlung mit einer spezifischen Ernährungsberatung einher.

Die Homöopathie gilt als ganzheitliche Therapiemethode: Der Menschwird behandelt, nicht nur die Krankheit. Neben den körperlichen Beschwerden des Patienten wird auch sein seelisches Erleben berücksichtigt. In den Therapieprozess werden Aspekte der Lebensführung und besonders die Ernährung einbezogen. Dieses ganzheitliche Verständnis geht auf den Arzt Samuel Hahnemann zurück. Seine These, dass die individuellen Ernährungsgewohnheiten wesentlich zur Gesunderhaltung und Krankheitsentstehung beitragen, decken sich mit unserer heutigen Erkenntnis. Nachlesen kann man seine Theorie zur Beziehung zwischen Ernährung und Gesundheit im „Organon der Heilkunst“. Dieses Buch ist bis heute das Grundlagenwerk der Homöopathie. In Bezug auf die Ernährung der Patienten sind drei Aspekte für den Homöopathen wichtig:

  • Falsche Ernährung als Ursache für das Entstehen und Andauern von chronischen Erkrankungen.
  • Individuelle Ernährungsvorlieben als Hilfsmittel bei der Arzneiwahl.
  • Die richtige Ernährung während einer homöopathischen Behandlung.

1. Falsche Ernährung als Ursache für das Entstehen und Andauern von chronischen Erkrankungen

Die Arbeit eines Homöopathen beschränkt sich – laut Hahnemann – nicht nur auf die Verabreichung spezieller Arzneien. „Er solle krankmachende und die Gesundheit störende Einflüsse kennen und vom Patienten fern halten“ [1]. Der Therapeut wird aufgefordert, eine entsprechende Ernährungsberatung leisten. Gerade schädliche Getränke und Nahrungsmittel zählen zu den vermeidbaren schlechten Einflüssen, die zur Entwicklung einer chronischen Krankheit führen können [2]. Wenn sich eine chronische Krankheit ausgebildet hat, ist die Beratung zur Ernährung unerlässlich. Falsche Ess- und Trinkgewohnheiten können zu einem Fortbestehen der Erkrankung führen [3].

2. Persönliche Ernährungsgewohnheiten als Hilfsmittel bei der Arzneiwahl

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum ein Therapeut sich für die Speisen und Getränke interessieren sollte, die sein Patient zu sich nimmt oder die er massiv ablehnt: Ernährungsgewohnheiten, Gelüste und Abneigungen können Hinweise auf die heilende homöopathische Arznei liefern [4].
Ein Verlangen nach Saurem, Salzigem und Pikantem, ein Verlangen nach kalten Getränken, die zwar kurzzeitig gut tun, bald aber wieder erbrochen werden oder eine Verschlimmerung der Beschwerden durch warme Speisen und Getränke können zum Beispiel für die homöopathische Arznei Phosphor sprechen [5].

3. Die richtige Ernährung während einer homöopathischen Behandlung

Im Laufe seiner homöopathischen Tätigkeit machte Hahnemann die Erfahrung, dass bestimmte Reize den heilenden Impuls einer homöopathischen Arznei – und damit den Heilungsverlauf – stören können. Aus diesem Grund sei es wichtig, Kranke, welche sich einer homöopathischen Behandlung unterziehen, auf eine dem Heilungsprozess hinderliche Lebensgestaltung hinzuweisen [6].

Hier spielt die Ernährung eine entscheidende Rolle. Hahnemann erkannte bereits, dass viele alltäglichen Getränke und Speisen eine arzneiliche Wirkung besitzen. Eine Erkenntnis, die durch unser heutiges Wissen bestätigt werden kann. Zu den arzneilich wirksamen Lebensmitteln, die sich möglicherweise störend auf den Heilungsverlauf auswirken, zählte er:

  • Getränke, wie z. B. Kaffee und Kräutertees. Biere oder Liköre, die Arzneipflanzen enthalten (normales Weißbier ist erlaubt). Punsch und stark alkoholische Getränke.
  • Speisen, wie Gemüse von Arzneipflanzen (zum Beispiel Fenchel, Spargel, Sellerie, Zwiebel), Enten-, Schweine- und Gänsefleisch, frische Salate.
  • Gewürze und Aromen: Stark gewürzte Speisen, Backwerk und Saucen, Kampfer, Minze, Menthol, Riechwasser, Parfums oder stark duftende Blumen oder Gewürze von Arzneipflanzen (Petersilie, Thymian).
Minzen© panthermedia.net / paylessimages
Wer homöopathisch behandelt wird, sollte laut Hahnemann auf den Genuss von Minze lieber verzichten.

Aus der heutigen Sicht kann bestätigt werden, dass die von Hahnemann gelisteten Speisen und Getränke die Gesundheit positiv beeinflussen. Dies gilt auch für die erwähnten Duftstoffe und Aromen, einen Umstand, den sich zum Beispiel die heutige Aromatherapie zu Nutze macht.

Neben diesen arzneilich wirksamen Speisen und Getränken kann laut Hahnemann jedes Übermaß von Nahrungsmitteln den Heilungsverlauf stören. Das gilt zum Beispiel für den übermäßigen Genuss von Zucker oder Salz [7].

Nicht nur der Heilungsverlauf wird seiner Ansicht nach durch die Einnahme arzneilich wirksamer Lebensmittel beeinträchtigt. Auch die Beurteilung, ob das richtige homöopathische Mittel in der richtigen Potenz eingesetzt wurde, erschwert durch die Einnahme oben gelisteter Lebensmittel [8].

Hahnemanns Richtlinien aus heutiger Sicht

Die Lebens- und Ernährungsweise des Menschen hat sich seit Hahnemanns Lebzeiten (1755 – 1843) stark verändert. Es wäre interessant, inwiefern Hahnemann seine Vorschriften zur Ernährung in der heutigen Zeit ändern würde. Angesichts des heutigen massiven Zuckerkonsums, der mit Chemikalien wie Pestizide und Medikamenten wie Antibiotika behandelten Lebensmittel.

Kaffee© panthermedia.net / Valentyn_VolkovKaffee gilt nach wie vor als störender Einfluss einer homöopathischen Behandlung

Eine Umfrage unter weltweit tätigen homöopathischen Ärzten ergab, dass es keine einheitliche Meinung darüber gibt, welche Lebensmittel ein Patient während der homöopathischen Behandlung zu sich nehmen darf, ohne den Heilungserfolg zu gefährden. Kulturelle Unterschiede bestimmen die Empfehlungen: Ein Arzt in Indien gibt zum Beispiel an, dass ein Verbot von Kaffee und starken, scharfen Gewürzen den Protest seiner Patienten und eine leere Praxis mit sich brächte. Übereinstimmung herrscht bezüglich den Heilungsverlauf gefährdenden Wirkungen des Kampfers, von koffeinhaltigen Getränken wie Kaffee und mentholhaltigen Stoffen, wie der Pfefferminze. Der Genuss dieser Stoffe werden den Patienten häufig untersagt. Die Angaben, auf weitere Lebensmittel uner der Therapie zu verzichten, unterscheiden sich von Therapeut zu Therapeut und wird individuell auf den Patienten abgestimmt. Dabei gilt: Je empfindlicher ein Patient scheint, desto mehr sollten ernährungsbedingte Heilungshindernisse ausgeschlossen werden. Neben Kaffee, Minze und Kampfer zählen häufig die Kamillenblüten und starke ätherische Öle zu den Stoffen, welchen der Patient während einer homöopathischen Behandlung nicht ausgesetzt werden sollte [8].

Menthol und Koffein in der Ernährung

Menthol ist ein Bestandteil ätherischer Öle vieler Minzsorten. Es wird aufgrund seiner desinfizierenden Eigenschaften und seines erfrischenden Duftes Zahn- und Mundpflegemitteln, Süßwaren wie Kaugummis und Bonbons und manchen Zigarettensorten beigefügt [9]. Koffein findet sich nicht nur im Kaffee. Diese Substanz ist ebenfalls im grünen und schwarzen Tee, im Maté-Tee und in Zubereitungen aus Guaranásamen enthalten. Koffein ist aufgrund seiner anregenden Wirkung ein Bestandteil von Süßwaren und Erfrischungsgetränken wie Cola-Sorten und Energy-Drinks. Der Koffeingehalt in Kakaobohnen und Schokolade ist vergleichsweise gering und findet eher selten Erwähnung [10].

Eine gesunde Ernährung während einer homöopathischen Behandlung

Alle wichtigen Informationen zu einer gesunden Ernährung während eines Genesungsprozesses liefert die folgende Grafik. Nicht alle Homöopathen fordern eine strikte Befolgung dieser Ratschläge. Wer jedoch auf Nummer sicher gehen will, dass die Wirkung eines Mittels unbeeinflusst bleibt, sollte diese Empfehlungen beherzigen.
Gesunde Ernaehrung

 

Grundlage für die in der Grafik empfohlenen Mengenverhältnisse der Lebensmittel sind die Empfehlungen der aid-Ernährungspyramide [11]. Die eigene Hand dient als Richtgröße für die Bemessung der Portionen: Eine Portion Flüssigkeit entspricht zum Beispiel einem Glas, das in eine Hand passt. Eine Portion Brot entspricht einer Scheibe Brot von der Größe der eigenen Hand. Eine Hand voll Obst, Süßwaren oder Gemüse entspricht jeweils einer Portion.

Fazit

Eine gesunde Ernährung erhält Gesundheit, Leistungsbereitschaft und Wohlbefinden und kann im Krankheitsfall den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen [12]. Seit der Gründung der Homöopathie spielt die Ernährung eine wichtige Rolle in der homöopathischen Anamnese und im Genesungsprozess. Die Einnahme arzneilich wirkender Lebensmittel wie Kaffee oder Kräutertees, vor allem wenn diese Minze oder Kamille enthalten, können ein Heilungshindernis darstellen. Wer den Inhalt der Grafik berücksichtigt, stellt sicher, dass ein homöopathischer Heilungsverlauf nicht durch Ernährung negativ beeinflusst wird.

Quellenangaben:

[1] Hahnemann Samuel: Organon der Heilkunst. marixverlag, 6.Auflage, 2005, § 4, S. 60
[2] Hahnemann Samuel: § 77, S. 123
[3] Hahnemann Samuel: § 94, S 135 – 136
[4] Hahnemann Samuel: § 88, S 131 – 132
[5] Phatak: Homöopathische Arzneimittellehre, Urban & Fischer, 4. Auflage, 2009, S. 524 – 526
[6] Hahnemann Samuel, § 259. S. 219
[7] Hahnemann, Samuel, § 260, S. 219 – 220
[8] Bernhard Zauner: Pfefferminze und Kampfer: Zur Anditorierung und Diätetik in der Homöopathie, Zeitschrift für klassische Homöopathie, 2013 (2), S. 1 – 10
[9] Chemie.de: „Menthol“, http://www.chemie.de/lexikon/Menthol.html#Vorkommen_und_Verwendung, 19.10.2015
[10] Hänsel, Sticher: Pharmakognosie Phytopharmazie. Springer Verlag, 7. Auflage, 2004, S. 1021 – 1035
[11] Harald Seitz: „Die aid-Ernährungspyramide“, https://www.aid.de/ernaehrung/ernaehrungspyramide.php, 20.10.2015
[12] Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.: „Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE“, https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/10-regeln-der-dge/, 20.10.2015